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Auf Bildern sieht die Formel E wie jede andere Rennklasse auch aus. Zahlreiche Fahrzeuge drängen sich durch die ersten Kurven, immer mal wieder gibt es Kollisionen. Wer das Geschehen aber einmal live oder per Video verfolgt, der merkt schnell, das hier etwas anders ist. Die Formel E ist leise - außer quietschenden Reifen ist nichts zu hören.

Foto: Audi Communications Motorsport / Michael Kunkel

Formel E: Die stille Zukunft des Motorsports

Der Motorenlärm gehört für viele Fans zu einem Autorennen dazu. Obwohl dieser bei der Formel E fehlt, so ist von der elektrischen Rennserie aktuell dennoch viel zu hören.

Von Lukas Fischer
erschienen am 16.05.2018

Berlin. Wenn am kommenden Samstag die Formel E auf dem Gelände des ehemaligen Flughafens Tempelhof in Berlin startet, dann ist dies für die vier deutschen Piloten natürlich ein besonderes Erlebnis. Daniel Abt, aktuell Sechstplatzierter in der Fahrerwertung, hat große Erwartungen an sein Heimrennen: "Die Formel E ist sehr eng, da kann man nichts vorhersagen. Wir sind aber gut aufgestellt und die Fans geben mir eine besondere Motivation. Ein Heimsieg fehlt mir ja noch."

Seit 2014 drehen die elektrischen Fahrzeuge nun ihre Kreise in den Metropolen dieser Welt. Vieles möchte man anders machen als in den bekannten Rennklassen. Die FIA, der Dachverband des Automobilrennsports, wollte der Formel E nach ihrer Gründung die nötige Zeit geben, um sich zu entwickeln. Denn die junge Organisation gilt als Vorreiterprojekt im Motorsport - elektrische Rennserien in vergleichbarer Größenordnung existieren bis heute nicht. "Wir sind der absolute Vorreiter, wenn es um elektrisches Racing geht", sagt auch Daniel Abt.

"Die Anfangsphase ist vorbei. Wir sind eine gestandene Rennserie und haben von allen aktuell die meisten Hersteller", stellt der Profifahrer fest. Tatsächlich erfreut sich die Formel E gerade bei den Herstellern großer Beliebtheit. Mit Mercedes, Audi, BMW und Porsche wollen gleich vier der großen deutschen Automobilhersteller in den kommenden Jahren einsteigen. "Die Formel E gehört zu den Top-Rennveranstaltungen dieser Welt. Trotzdem sind wir noch nicht am Ende des Weges", meint Abt. Dies würde man auch an der öffentlichen Wahrnehmung erkennen. "In Deutschland ist noch Luft nach oben. Aber es sieht gut aus, denn immer mehr Medien steigen jetzt ein", meint der Fahrer des Teams Audi Sport ABT Schaeffler. So wird der Berlin-Lauf am Samstag extra zwei Stunden später als normal starten, damit erstmals auch eine Übertragung in der ARD möglich ist.

Michael Kunkel

Foto: Audi Communications Motorsport

Dass die Formel E bewusst andere Wege als die klassischen Rennserien geht, das zeigt sich auch bei der Streckenwahl. Anstatt normaler Strecken entschied man sich hier nur Stadtkurse zu befahren. Die besondere Auswahl ziehe eine andere Zielgruppe an, als etwa die DTM oder die Formel 1, meint Abt: "Das trifft den Zahn der Zeit. Viele wollen nicht extra erst weit fahren und dann ein ganzes Wochenende an der Strecke verbringen." Doch die Rundkurse in großen Innenstädten stellen die Verantwortlichen auch vor Herausforderungen. "Sie zu finden und auch zu behalten ist nicht so leicht", stellt Abt fest. Doch mit der Zeit würde sich das einspielen, davon ist er überzeugt.

Für den Formel E-Fahrer liegen die Stärken der Rennklasse aber nicht nur in, sondern auch auf den Strecken. "Bei uns gibt es viel Action und Unterhaltung", meint Abt. Tatsächlich gibt es auf den Stadtkursen enge Duelle zwischen den Fahrern und auch vor Berührungen müssen diese keine Angst haben, da die Wagen stabiler sind und weniger empfindliche Teile besitzen. Außerdem sind die Rennen hier deutlich ausgeglichener als etwa in der Formel 1, wo Teams wie Mercedes und Ferrari die Saison dominieren und andere chancenlos sind. Das liegt daran, dass die Rennställe in der Formel E nichts an der Aerodynamik der Fahrzeuge ändern dürfen - einzig der Antrieb kann von den Teams modifiziert werden.

Den Zahn der Zeit zu treffen, das ist das Ziel und die Stärke der Formel E. "Ich bin selbst großer Formel-1-Fan. Ich hoffe, dass wir irgendwann genauso groß sind", meint Abt. "Leicht wird dies aber nicht. Der Motorsport begeistert nicht mehr so automatisch wie früher. Die Wahrnehmung von Autos und Rennsport hat sich einfach verändert", sagt er. Deshalb wagt Daniel Abt keine Aussage über die Zukunft der Elektro-Serie. Das Potenzial, die Formel 1 sogar abzulösen, habe die Formel E aber.

Das macht die Formel E anders 

Der erste E-Prix startete am 13. September 2014 in Peking. Von Anfang an setzten die Verantwortlichen der Formel E auf Rennen in Metropolen dieser Welt, um sich von der Konkurrenz abzuheben. Neben Berlin finden so auch Rennen in New York, Paris oder Hongkong statt.

Neben Einheitschassis gibt es auch eine begrenzte Höchstgeschwindigkeit von 225 Kilometern in der Stunde. Modifizieren dürfen die Teams an den Fahrzeugen nur die Antriebsstränge. Dadurch entstehen engere und mehr durch die Leistungen der Fahrer geprägte Rennen.

Die Veranstaltungen erstrecken sich in der Formel E über nur einen Tag. Trainings, Qualifikationen und Rennen finden alle am Samstag statt. Nur der erste Saisonlauf in Hongkong und der letzte in New York machen da eine Ausnahme. Dort finden je zwei Rennen statt, weshalb an diesen Orten auch am Sonntag gefahren wird.

Ein Fahrzeugwechsel während der Rennen ist derzeit noch notwendig, da die aktuellen Batterien keine ganze Renndistanz aushalten. Mit den neuen Autos, die ab der kommenden Saison an den Start gehen, wird dieses Problem aber gelöst. (luka)

 
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