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Die Prognosesoftware "Precobs" berechnet, in welchen Gebieten Einbrüche wahrscheinlich sind. Diese oder eine ähnliche Software soll nun auch in Leipzig getestet werden.

Foto: Bernd Thissen/dpa/Archiv

Polizei-Prognose: Mit Einbrüchen am Abend wird gerechnet

Mit einer speziellen Software soll Sachsens Polizei Wohnungsdiebstähle künftig vorhersagen können. Ein Test in Leipzig ist in Planung. Andere Bundesländer sind schon weiter.

Von Kai Kollenberg
erschienen am 06.11.2017

Dresden/Leipzig. Die Grundidee ist simpel: Wenn man weiß, wo und wann sich eine Straftat ereignet, ist sie einfacher zu verhindern. Viele Science-Fiction-Filme haben mit diesem Sujet gespielt. Nun widmet sich die sächsische Polizei diesem Thema. Bei der Jagd auf Einbrecher soll sie künftig ein spezielles Computerprogramm nutzen und bestimmen können, wo Einbrecher mit hoher Wahrscheinlichkeit zuschlagen werden. Ein Test mit dieser Software wird in Leipzig starten.

Stadt und Land sind sich über den Einsatz einig. Innenminister Markus Ulbig (CDU) hat darüber gemeinsam mit Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD), Landespolizeipräsident Jürgen Georgie und dem Leipziger Polizeichef Bernd Merbitz in der vergangenen Woche beraten. "Wir wollen die Prognosesoftware zur Vorhersage von Einbrüchen erstmals in der Stadt Leipzig testen und dabei sehen, wie sich die Vorhersagen in das dortige Sicherheitskonzept einbringen lassen", sagt Ulbig der "Freien Presse". "Ziel ist es, die Zahl der Wohnungseinbrüche zu senken. Ich habe das Landeskriminalamt bereits beauftragt, das Pilotprojekt jetzt in die Tat umzusetzen."

Dass die Polizei gerade die Einbruchskriminalität in den Fokus rückt, überrascht nicht. Im Freistaat hat sich die Anzahl der Wohnungseinbrüche in den vergangenen zehn Jahren mehr als verdoppelt: 2007 waren es 2297 Delikte, 2016 schon 4684. Leipzig ist dabei der Schwerpunkt in Sachsen. Deswegen soll die neue Technik dort ausprobiert werden. Aber das Innenministerium schließt nicht aus, dass bei positiven Ergebnissen auch andere Großstädte in den Genuss kommen.

Ab wann die Polizei in der Messestadt auf neue Computerhilfe setzen kann, wird derzeit eruiert. Es steht noch nicht fest, welche Software zum Zuge kommt. Denn sie muss mit den bisherigen Computersystemen der Polizei kompatibel sein. Schließlich bereiten Prognose- programme polizeiliche Daten auf - wie das bekannteste mit dem Namen "Pre-Crime Observation System" (Precobs). Tatzeit, Ort sowie Art und Weise des Einbruchs werden so in Beziehung gesetzt, dass sich gegebenenfalls ein Muster ergibt. Das geht zwar theoretisch auch mit der bestehenden Computerausstattung der Polizei, ist aber sehr aufwendig. Die neue Software zeigt darüber hinaus, wo die Täter in der nächsten Zeit voraussichtlich wieder aktiv werden.

Obwohl die Prognose zukünftiger Einbrüche im Freistaat eine Premiere wäre, neu ist das Verfahren nicht: Die Innenministerkonferenz hat die Einsatzmöglichkeiten des "Predictive Policing" (zu deutsch: "vorausschauende Polizeiarbeit") erst jüngst untersuchen lassen. Im Ergebnis sei es ein geeignetes Instrument, um vorhandene Ansätze zu unterstützen, teilt das sächsische Innenministerium mit. Aktuell nutzen sechs Bundesländer - Baden-Württemberg, Bayern, Berlin, Hessen, Niedersachsen und Nordrhein-Westfalen - derartige Programme. In weiteren vier Bundesländern werden sie getestet.

Der Mehrwert der Prognosesoftware ist aber umstritten. Das Max-Planck-Institut in Freiburg hat in einer Studie festgestellt, dass der Effekt eher gering sei. Auch die sächsische Opposition sieht das Leipziger Pilotprojekt skeptisch. "Eine Software schafft keine Sicherheit. Die Vorhersage von Straftaten ist nur hilfreich, wenn anschließend genug Polizeikräfte zur Stelle sind, um Täter durch Streifentätigkeit zu stören oder sie direkt zu erwischen", sagt der innenpolitische Sprecher der Linken-Landtagsfraktion, Enrico Stange. Die Software dürfe nicht dazu führen, dass Personal nur in bestimmten Gebieten konzentriert wird. Der Innenpolitik-Experte der Grünen, Valentin Lippmann, nennt das geplante Pilotprojekt eine "riesengroße Datenschleuder": Das sei teuer investiertes Geld mit wenig Nutzen.

 
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