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Foto: Caroline Seidel/dpa

Sachsen will bei den Schulstunden sparen

Die Rechnung ist einfach: Weniger Unterricht senkt den Bedarf an Lehrkräften. Auch andere Pläne sickern durch.

Von Tino Moritz und Kai Kollenberg
erschienen am 02.03.2018

Dresden. Nachdem es dem Freistaat nicht gelungen ist, zum gerade angelaufenen zweiten Schulhalbjahr alle freien Lehrerstellen zu besetzen, wächst der Druck auf die Landespolitik, die Unterrichtsversorgung abzusichern. Zur Abfederung des Lehrermangels soll nach Informationen der "Freien Presse" nun auch eine Kürzung der Stundentafel beitragen.

Ein gemeinsames Papier von Kultusminister Christian Piwarz und Finanzminister Matthias Haß (beide CDU) sieht vor, ab dem Schuljahr 2019/20 in den fünften Klassen die Fächer Kunst und Musik um eine Wochenstunde zu reduzieren. Sechstklässler wiederum sollen sowohl an Oberschulen als auch an Gymnasien in ihrer zweiten Fremdsprache eine Stunde weniger als bisher unterrichtet werden.

Ebenso ist geplant, das Fach Sport "einheitlich für alle Klassenstufen und Schularten auf zwei Wochenstunden" zu begrenzen. Die bisherigen Stundentafeln planen von den Klassen 1 bis 7 an Grund-, Oberschulen und Gymnasien jeweils drei Wochenstunden Sport ein - an Oberschulen sogar bis zur Klasse 10. Zum Ausgleich soll es ab August 2019 "insbesondere in Abstimmung mit dem Landessportbund flächendeckende Angebote zur sportlichen Betätigung der sächsischen Schülerinnen und Schüler" geben. Dafür könnten die Mittel für Ganztagsangebote um jährlich 17,5 Millionen Euro aufgestockt werden.

Der Vorteil liegt auf der Hand: Fallen Stunden aus dem Pflichtprogramm heraus, braucht es weniger ausgebildete Lehrer. Zum Schuljahr 2019/20 könnten nach Rechnung der Minister etwa 800 Vollzeitstellen eingespart werden - und das, obwohl ihr Modell zeitgleich eine Wochenstunde Gemeinschaftskunde bereits ab Klasse 7 vorsieht.

Eine Ersparnis um weitere 280Stellen soll mit der besseren Bezahlung der Grundschullehrer verbunden sein. An ihre geplante Höherstufung - monatlich bis zu 500Euro brutto mehr - will die CDU die Bedingung knüpfen, die Zahl der zu gebenden Unterrichtsstunden von 27 auf 28 zu erhöhen.

Attraktiver für neue Lehrer soll Sachsen durch die Einführung der Verbeamtung ab 1. Januar 2019 werden. Von ihr würden dann auch Bestandslehrer profitieren, wenn sie jünger als 42 Jahre alt sind. Referendare sollen ab 2019 als Beamte auf Widerruf eingestellt werden. Mit Ausnahme der Gymnasien und berufsbildenden Schulen, wo dies nur für bestimmte Fächer gelten soll, ist für alle anderen Referendare eine Einstiegsgarantie geplant. Wer in den ländlichen Raum geht, könne Sonderzuschläge erwarten. Noch in diesem Jahr soll für sie je eine Ausbildungsstätte in Ost- und Westsachsen gefunden werden.

Noch steht die Einigung zwischen CDU und SPD zum Maßnahmenpaket aber aus. Strittig ist, wie ein geplantes Mentorensystem für die Seiteneinsteiger ausgestaltet wird. Die SPD würde dafür gern Lehrer über 63 Jahre gewinnen, die nicht in den Ruhestand gehen wollen. Sie sollen dann nicht mehr unterrichten müssen, sondern sich nur um Seiteneinsteiger und Referendare kümmern. Die Sozialdemokraten fordern zudem eine "Sächsische Schuldienstprämie" für Bestandslehrer sowie eine komplette Übernahme der Beiträge zur betrieblichen Altersvorsorge für die angestellten Lehrer durch das Land. Dies lehnt die CDU jedoch ab.

 
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Kommentare
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  • 05.03.2018
    09:16 Uhr

    aussaugerges: 1660175
    Um Gottes Willen wo soll sich denn da die Oberschicht zeigen.
    (((An der Tafel)))

    Die wollen nichts bezahlen aber nutzen alle Subvensionen der Kommune,
    Wurde schon so oft angepranget.

    5 0
     
  • 05.03.2018
    07:48 Uhr

    Hinterfragt: Ja Einsparungen, vor allem beim Sport.

    Und dann wundert man sich, dass die "Bundeswehr" nur noch Schönwettersoldaten und Weichei... bekommt. ...

    1 3
     
  • 04.03.2018
    19:09 Uhr

    tbaukhage: @1960...: Das ein Lehrer an verschiedenen Schulen unterrichtet, wird schon lange praktiziert. Mo und Mi an der einen Schule, Do und Fr ander anderen und Di 1.-3. Stunde an der ersten und 5.-8. Stunde an der zweiten Schule. Und wenn er es mit seinem Privat-PKW (nein, Kultus zahlt kein km-Geld) in 45min nicht zur anderen Schule schafft, dann eben 6.-9. Stunde.

    Nennt sich "Abordnung" und wird vom AG schon immer dann angewiesen, wenn zB. ein Ku-Lehrer für drei Schulen herhalten soll.

    0 6
     
  • 04.03.2018
    18:01 Uhr

    1960175: Kürzungen in der Stundentafel bei Kunst und Sport. So sparen wir Lehrer ein. Auch nur theoretisch. Oder soll der Kunstlehrer dann nicht mehr an nur einer, sondern an 2 oder 3 Schulen unterrichten? Oder soll er gar in Teilzeit gehen.
    Und dann hätte ich noch einen Vorschlage an den Kultusminister. Herr Minister schließen Sie doch einfach Theater und Museen. Kunst ist nicht wichtig. Sie können dann zusammen mit Ihrem Finanzminister berichten, dass Sie Millionen einsparen. Aber bitte nur in der Fläche, nicht in Dresden und Leipzig.

    0 5
     
  • 04.03.2018
    14:01 Uhr

    aussaugerges: Nu frei nicht,aber man kann mal den verkrusteten Esthblisment die Meinung sagen.

    2 0
     
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