"Wir kannten Krieg bislang nur aus Filmen"

Eiskunstlauf-Weltmeisterin Aljona Savchenko unterstützt ihre ukrainischen Landsleute. Sie sammelt Geld und warme Kleidung und versteigert ihre Weltmeister-Schlittschuhe.

Chemnitz.

Auf dem Handydisplay von Aljona Savchenko lacht keck ein knapp zweijähriger dunkler Lockenkopf. "Es ist mein Neffe, ich sehe ihn und meine ganze Familie leider viel zu selten", sagte die in Chemnitz lebende gebürtige Ukrainerin. Das Foto entstand erst vor wenigen Tagen bei einem Besuch in der alten Heimat. Für die 30-Jährige waren diese Tage glücklich und bedrückend zugleich.

Ihre Eltern und Brüder leben in der Nähe von Kiew. Nach den Protesten und Unruhen auf dem Maidan, dem zentralen Platz der ukrainischen Hauptstadt, läuft das Leben dort einigermaßen geordnet. Jedoch ist fast alles deutlich teurer geworden, vier Monate lang gab es nur kaltes Wasser. Was sie jedoch von ihren Verwandten aus der Ost-Ukraine hört, beunruhigt sie sehr. Der Krieg habe das Leben dort unberechenbar und die Menschen arm gemacht. "Mein Onkel und seine Familie leben aus Angst vor den Schüssen im Keller, die Kinder gehen nicht zur Schule, Separatisten schießen vor Kindereinrichtungen." Es fehlt mitunter am Nötigsten, an Verbandsmaterial und Medikamenten sowieso. Die Menschen in den Kriegsgebieten fliehen nur mit Habseligkeiten aus ihren Häusern in eine ungewisse Zukunft. "Wir kannten Krieg bislang nur aus Filmen, jetzt ist er täglich bei uns", sagt Savchenko. Die sonst so fröhliche und ausgelassene junge Frau blickt ernst bei ihren Erzählungen. "Ich habe täglich Angst."

Aljona Savchenko hat mit ihrem langjährigen Eislaufpartner Robin Szolkowy bislang vor allem hochgradige sportliche Erfolge gesammelt: vier Europameister- und fünf Weltmeistertitel sowie zwei olympische Bronzemedaillen. Jetzt nutzt sie ihre Prominenz und sammelt für humanitäre Hilfsprojekte. So unterstützt sie die Spendenaktion "Ukraine Hilfe - Spenden Sie Menschlichkeit" des Deutschen Roten Kreuzes. Das Geld kommt der Bevölkerung und den Opfern militärischer Auseinandersetzungen zugute.

"Die Menschen auf der Flucht und in den Kriegsgebieten brauchen jetzt aber neben Nahrung vor allem warme Sachsen, denn der Winter steht vor der Tür", sagte Veronika Smalko, die gemeinsam mit Aljona Savchenko ein Hilfsprojekt von in der Region Chemnitz lebenden gebürtigen Ukrainern unterstützt. Schon seit einigen Wochen ist deshalb ein Raum in der Chemnitzer Eishalle als Sammelstelle für Kleiderspenden reserviert. Hier türmen sich Säcke mit warmen Westen, Jacken, Pullovern und Socken. Auch Plüschtiere sind dabei. "Die Hilfe muss schnell ankommen, fast wöchentlich geht ein Transport in die Ukraine", sagte Smalko. "Gut wäre es aber auch, wenn man die Verletzten nach Deutschland bringen und hier heilen könnte."

Auch in der Ukraine selbst gibt es große Hilfsbereitschaft. "Die Menschen verkaufen persönliche Gegenstände und spenden das Geld", weiß Savchenko. Sie selbst hat ihre Schlittschuhe, mit denen sie ihren ersten Weltmeistertitel errang sowie Kleidung, mit denen die Athleten für die olympischen Winterspiele zu Jahresbeginn ausgerüstet wurden, für eine internationale Versteigerung freigegeben. Wie vielerorts auf der Welt ist sie auch in ihrer Heimat ein Star. Deshalb hat sie bei ihrem Besuch vergangene Woche in Kiew diese Versteigerung bei einem ukrainischen TV-Sender beworben. Sie hofft darauf, dass ihre Fans sie und das humanitäre Anliegen tatkräftig unterstützen.

Unterdessen geht für die zierliche Blondine das Leben hier weiter. Nach dem Sommertraining in Florida ist sie gestern nach Dortmund gereist. "Ich lerne für meine Zukunft und beginne die Trainerausbildung", sagt sie. Gut möglich, dass sie dort auch ihren langjährigen Partner Robin Szolkowy trifft, der das ebenfalls vorhat. In einigen Tagen beginnt dann wieder das Training mit ihrem neuen Partner Bruno Massot. Es wird aber nicht einfach, denn ganz ausblenden kann sie die Ereignisse in ihrer Heimat nicht. "Mein Herz und meine Seele bleiben ukrainisch."

Streit um Sonderstatus

In Kiew wächst der Widerstand gegen den überraschend verabschiedeten Sonderstatus für die Ostukraine. Ministerpräsident Arseni Jazenjuk sagte gestern bei einer Kabinettssitzung, seine Regierung werde die selbst ernannten "Volksrepubliken" Donezk und Lugansk nicht anerkennen. Mehrere Abgeordnete beantragten die Rücknahme des Gesetzes. Das russische Außenministerium begrüßte indes die Initiative von Präsident Petro Poroschenko als "Schritt in die richtige Richtung". Mit dem neuen Sonderstatus räumt Kiew den Gebieten Donezk und Lugansk für drei Jahre Selbstverwaltungsrechte ein. (dpa)

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24Kommentare
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    2
    Schinderhannes
    19.09.2014

    Ich glaube, da kaufen Sie mir den Schneid nicht ab, Herr „kartracer“.

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    3
    Schinderhannes
    19.09.2014

    Aber, Herr „kartracer“, wer versteht denn hier meine Grammatik nicht…Vielleicht müssen Sie noch einmal in die Schule gehen… Deutsch, Geschichte? Über Herrn „aussaugerges“ regen Sie sich auf…
    Ja, …und ich weiß nicht von wo sie Ihre Kommentare schreiben. Aus Mali? Haben Sie zwei Staatsbürgerschaften?
    Ich schreibe jedenfalls meine Kommentare aus Deutschland. Und das ist mein Land, wo ich lebe… Vielleicht fehlt Ihnen ja auch noch ein Nachholbedarf am Ausdruck.

  • 1
    2
    kartracer
    19.09.2014

    Schinderhannes, da Sie der Meinung sind Ihnen gehört
    ein Land, und wünschen einem Menschen, KZ Insasse des Deutschen Reiches zu sein, bin ich der Meinung, Sie müssen schnellstmöglich in eine psychiatrischen Einrichtung verbracht
    werden!

  • 0
    3
    Schinderhannes
    19.09.2014

    Und dann kommen ständig noch die Russen und Chinesen und legen in der UNO noch ihr Veto ein...

  • 2
    3
    Schinderhannes
    19.09.2014

    Herr „aussaugerges“, ich könnte mir vorstellen zu wünschen, Sie wären ein Mensch in Srebrenica oder Vukovar, ein KZ-Insasse des Deutschen Reiches (z.B. Jude), ein hungernder Einwohner des Westsektors in Berlin nach 1945, ein hungernder Somalier gewesen oder momentan ein verfolgter Jesid. Nur ein paar Beispiele. Dann hätten oder würden Sie flehend in den Himmel schauen, wo denn die Luftwaffe der Allianzen oder der Nato bleibt. Außer reinen Populismus, haben Sie nichts zu bieten! Und da gibt es schon genug in meinem Land.

  • 2
    1
    ez70
    19.09.2014

    Was ist "Schitt"???
    Vielleicht "Shit" gemeint? Mir wird schlecht ... Niveau wo wo?!!

  • 0
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    Interessierte
    19.09.2014

    Ich glaube , das ist sächsisch : wie der Bush
    Das ist das Gleiche , wie wenn jemand sagt :
    Wir gehen den anderen Weg entlang , wegen die Bäume !

  • 0
    2
    Interessierte
    19.09.2014

    Man kann auch Schitt sagen ...;-)))
    Und was heißt : S............s

    Ansonsten kommt mir das alles bißchen ähnlich vor wie schon einmal , nur heute wurde mit der Eingliederung in die EU alles ´friedlich` erobert ( und siehe mein Beitrag unten )

  • 1
    2
    kartracer
    19.09.2014

    "aussaugerges" auch wenn manches richtig ist, Eines nicht,
    es heißt nicht WIE Bush, sondern ALS Bush.
    Bitte etwas daran arbeiten!

  • 1
    3
    Schinderhannes
    19.09.2014

    Sie werden mit hoher Wahrscheinlichkeit bis zur Wende viel Geld verdient haben, Herr "aussaugerges".

  • 1
    1
    aussaugerges
    19.09.2014

    Das ist ja die Wut der USA mit der Krim und der Ost UA.
    Die dachten der nächste Nato Gipfel findet auf dem Schwalbernest in Jalta statt. Sche..e.
    Und die Ost UA ist so wichtig für Rußland.
    Da sind viele Raumfahrt und Rüstungsbetriebe.
    --------------------------------------------------------
    In Kiew haben sie keine warmes Wasser mehr !!!
    Und die USA läst sich das geborgte Geld mit tausend PROZENT vergolden.
    Wie sie das mit Argentienen gemacht haben.
    Das sind alles elende Freunde.
    Der S............s ist ja auch mit Geld gekauft.

  • 0
    1
    Interessierte
    19.09.2014

    Was den Führer betrifft , da kam gerade gestern in Phönix ein Beitrag : Eva Hitler - die wahre Geschichte
    Da hieß es :
    Wenn wir die Krim und die Ukraine haben , dann benötigen wir die britischen Kolonien nicht mehr !

  • 0
    2
    Schinderhannes
    19.09.2014

    Herr „aussaugerges“, Sie konnten meine Frage nicht beantworten. Das müssen Sie auch nicht, da wir in einem freien Land leben. Aber nun weiß ich, wo ich Sie mit hoher Wahrscheinlichkeit hinstecken kann.
    Herr „aussaugerges“, ein klein wenig kann ich Sie sogar „verstehen“. Sie haben wahrscheinlich keinen Führer mehr und unsere Republik sowie die Europäische Union kann Ihnen so etwas nicht bieten.

    Zum Glück...

  • 1
    1
    aussaugerges
    18.09.2014

    Mir ist der Putin 10 mal lieber wie der Bush oder Obama.
    Die haben immer ein grinsendes Gesicht.
    -------------------------------------------------------------
    Beim Putin sieht man noch Gefühle im Gesicht.
    Und das ist menschlicher.
    Aber die Asgeier (Nato)kreisen über Rußland und sind nicht mehr zu halten. Öl, Gas,Bodenschätze.
    (War ja beim Jelzin schon fast alles verspielt.)
    Es wird Zeit das Rußland seine Atombomben in Südamerika deponiert.
    Denn bei uns sind sie noch immer noch.
    Die USA hat nur Länder überfallen wo es was zu holen gab.
    _____________________________________
    Egon Bahr zu Schülern in Heidelberg:

    Es geht nie um Menschenrechte es geht immer nur um Intressen.
    Merken sie sich das.
    ------------------------------------------------------------
    Lesen sie mal dazu "meta tagesschau.de"da sind "Kommis" die mehr drauf haben wie sie.(G.........e)
    -----Bis zu 98 % für Rußland.!!!!!------
    Da bin ich sehr sehr froh,denn so wird kein Krieg kommen.

    ----------------------------------------------------------------
    Denn solche Scharfmacher wie der Rasmussen sind untragbar.

  • 1
    2
    Schinderhannes
    18.09.2014

    @ kartracer:

    Was glauben SIE, was sie ohne dem "Lügenland" Amerika jetzt wären...
    Sie würden für 8 Renmimbi oder 50 Rubel 12 Stunden am Tag auf dem Feld hart arbeiten oder mit der "richtigen Gesinnung" durch die Reichsmark reich werden (Andersherum gäbe es die speziellen Lager, ohne die Reichsmark). Arbeitslosengeld gebe es in beiden Systemen nicht.
    Denken, vor allem weiter oder zurück denken, ist ausdrücklich erlaubt...

  • 0
    2
    kartracer
    18.09.2014

    "Schinderhannes" Sie müssen die Rückführung in Ihr geliebtes
    Lügenland Amerika verpasst haben!
    Zum Thema Verschwörung, kennen Sie ein einziges Foto,
    mit auch nur einem Trümmerteil, einer 757 von der
    vermeintlichen Absturzstelle in Shanksville am 11.September???
    Ich bin auch kein freund von aussaugerges, aber was SIE hier ablassen, ist unterste Schublade!

  • 1
    2
    Schinderhannes
    18.09.2014

    Putin ist ein Despot, Anti-Westler, Karate-Kid, Macho-Bärenjäger, Möchtegern-Rocker, hat seine Matrosen 2000 mit der Kursk absaufen lassen, war KGB-Major, arbeitete mit der Stasi zusammen, hat Kinder und Mütter in Beslan zusammen schießen lassen, hat 2002 in Moskau dilettantisch das Moskauer Theater Dubrowka stürmen lassen und, und, und…

  • 0
    3
    Schinderhannes
    18.09.2014

    @ aussaugerges:

    Ihre Antwort bestätigt mir einiges... Ich habe nicht gefragt, was Sie jetzt sind, sondern was sie waren!

  • 1
    1
    aussaugerges
    18.09.2014

    Ich bin beim CIA & Mossad klar.

  • 0
    3
    Schinderhannes
    18.09.2014

    Aus Focus online:

    Putin: Russische Truppen könnten "in zwei Tagen in Warschau" sein.

    Zum Glück gibt es noch die Amerikaner mit ihren Verbündeten. Ich brauche die Russen nicht an der Odergrenze.

  • 0
    3
    Schinderhannes
    18.09.2014

    Als souveräner Staat hat eindeutig Putin zuerst Soldaten und Waffen in den souveränen Staat Ukraine geschickt.
    Wo Sie Ihre Argumente her haben, weiß ich nicht. Es gibt ja eine Menge Internetseiten mit fiktiven Schlagzeilen. Außerdem gibt es in jeder Gesellschaft ein paar „Schwarze Schafe“. Es gibt deutsche Kriminelle. Es gibt bei uns die NPD.
    Das Ukrainische Volk wollte mehrheitlich mit Wiktor Janukowytsch einen Russlandfreundlichen Diktator los werden und hat rechtens gewählt.

    Nicht auszudenken wäre gewesen, wenn statt Gorbatschow, Putin 1989 an der Macht gewesen wäre. Er hätte alles zusammen geschossen.
    Seine Führung im KGB hatte er 1989 gebeten, die friedlichen Demonstrationszüge mit Gewalt zu beenden. Zum Glück fand seine Bitte keinen Wiederhall.
    Herr "aussaugerges", bitte immer bei der Wahrheit bleiben und sich nicht in Verschwörungstheorien verstricken.
    Herr "aussaugerges", waren Sie bei der Staatsicherheit? Wenn ja, offiziell oder inoffiziell? Wie lange haben Sie in der NVA gedient?

  • 1
    1
    aussaugerges
    18.09.2014

    Schinderhannes: Immer bei der Wahrheit bleiben.!

  • 1
    1
    aussaugerges
    18.09.2014

    Schinderhannes::
    Wer hat denn die russische Sprache verbieten wollen,die Türken???
    Wer Hat den auf den UA Helmen die Nazi Symbole,die Mongolen.???
    Wer wollte den die Russen in Güterwaggons von der Krim nach Sibieren verschleppen die Japaner ???

  • 0
    5
    Schinderhannes
    17.09.2014

    Ich freue mich über Eiskunstlauf Weltmeisterin Aljona Savchenko und bin froh, dass nun auch einmal ein großer Sportler öffentlich für das Menschenrecht Partei ergreift. Denn es gilt unsere persönlichen und wichtigsten westlichen Errungenschaften zu schützen: Die Demokratie, der Schutz der Minderheiten und die Freiheit.
    DIESEN Krieg hat eindeutig Putin angefangen, ein ehemaliger Major des KGB im Dienste der Staatssicherheit, welcher unzählige Verbrechen nachgewiesen werden konnten.



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