Lebensmittel: Ministerin kann nicht immer helfen

Barbara Klepsch wurde gestern durch die Friweika in Weidensdorf geführt. Und warf eine Frage in die Runde: Was brennt unter den Nägeln?

Weidensdorf.

Er habe sich wohl etwas über die E-Mail mit der Besuchsankündigung gewundert, fragte Barbara Klepsch Friweika-Vorstandsmitglied Marko Wunderlich. Die Sächsische Staatsministerin für Soziales und Verbraucherschutz (CDU) machte gestern Halt bei dem Weidensdorfer Kartoffelbetrieb. Die Visite ist Teil ihrer Sommertour. Auf Tuchfühlung mit der Basis gehen, ungefilterter Kontakt - das war das offizielle Motto. Nicht zu vergessen: Das Ministerium ist auch für Lebensmittelüberwachung zuständig.

Seine Verwunderung ließ sich Wunderlich jedenfalls nicht anmerken. Weil Vorstandschef Andreas Kramer im Urlaub ist, führte er Klepsch durch das Gelände, erklärte Abläufe im Betrieb, technische Hintergründe und wie sich das Unternehmen in den letzten Jahren entwickelt hat. Alles begleitet "In den 90ern und zum Teil auch in den 2000er-Jahren haben wir einige Fördergelder für Investitionen erhalten", so Wunderlich. "Da wollen wir natürlich auch gerne zeigen, dass etwas daraus geworden ist."

Klepsch hörte zu, fragte unter anderem, ob auch Menschen mit Behinderung im Betrieb arbeiten. Wunderlich verwies auf eine Zusammenarbeit mit der Behindertenwerkstatt "Lebensbrücke".

Schließlich drehte Klepsch den Spieß um: "Was brennt Ihnen denn noch so unter den Nägeln?" Marko Wunderlich kam auf das Thema Lebensmittel-Zertifizierung zu sprechen. "Jedes Jahr kommen neue Grenzwerte für bestimmte Stoffe", sagte er. "Da stellt der Handel zum Teil auch seine eigenen Regeln auf. Wir wissen manchmal nicht mehr, wo wir als Betrieb noch ansetzen können." Der Hintergrund: Solche Zertifizierungen werden von privaten Dienstleistern für Handelsketten ausgeführt. Marktwirtschaftliche Konkurrenz sorgt dafür, dass Grenzwerte für bestimmte Stoffe nach oben geschraubt werden. "Diese Entwicklung sehen wir auch sehr kritisch", sagte Rüdiger Henning, der in Klepschs Ministerium den Bereich Lebensmittelüberwachung leitet. Allein: Außer Hinweise und Mahnungen könne das Ministerium nicht viel machen.

Auch Bringfried Berger vom Friweika-Aufsichtsrat hatte zwei Fragen im Gepäck: Bei der Ernte greife man auch auf Arbeiter zurück, die vom Arbeitsamt zugewiesen werden. Mit denen habe man gute Erfahrung. "Aber wenn es drei Tage regnet und sie nicht arbeiten können, müssen wir sie wieder abmelden. Dann scheint die Sonne und wir melden sie wieder an." Diese Bürokratie kann er nicht nachvollziehen und schaffe viel Mehrarbeit. Hinzu kommt: Während der Ernte müsse auch mal 14 Stunden am Tag gearbeitet werden. Die Beschäftigen wissen und wollten das. Das Gesetz aber verbietet so etwas. Klepsch versprach, dem Chef der Arbeitsagentur zu schreiben und auf das Problem aufmerksam zu machen. Das zweite Problem sei Bundesangelegenheit. "Das können wir nur weitertransportieren."


Kartoffelveredler Friweika

Im Jahr 1970 wurde der Betrieb von mehreren Agrarbetrieben gegründet. Bereits damals ging es um die Lagerung, Aufbereitung und Verarbeitung von Kartoffeln.

135.000 Tonnen Kartoffeln und Zwiebeln gehen jedes Jahr über die Bänder des Unternehmens. 40.000 Tonnen davon lagern in 13.000 Kisten.

Rund 350 Mitarbeiter sind bei Friweika beschäftigt.

Ein neues Logistikzentrum mit einer Fläche von 5000 Quadratmetern soll bis zum Spätherbst entstehen, in dem unter anderem mehrere Kühlzonen vorhanden sind.

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