Maschinenbau mit Tiefbohrer, Lasertisch und Cyberbrille

Bis Freitag läuft in Leipzig mit der Intec die wichtigste Messe der Branche in Ostdeutschland. Zu sehen gibt es jede Menge Maschinen, aber auch Einblicke in die Produktionssteuerung von morgen.

Leipzig.

Willkommen auf dem Holodeck: Am Stand der N+P Informationssysteme in Messehalle 2 kann man eintauchen in virtuelle Welten. Die Softwarefirma aus Meerane wirft auf der Maschinenbaumesse Intec einen Blick in die Zukunft der Fabriksteuerung - mithilfe eines Roboters, einer vernetzten Kaffeemaschine und einer Holo-Lens-Brille. Mit der Brille kann der Besucher Daten und Darstellungen abrufen - vom Wartungstermin über die Anzahl der gebrühten Kaffees bis zu Reparaturanweisungen für den Roboter. Alles wird in 3D in die Brille eingespiegelt, die dem Nutzer simuliert, die Darstellungen würden als Hologramm in der Luft schweben.

"Es ist gut vorstellbar, dass irgendwann der Produktionsleiter die Brille aufsetzt, sich in die Halle stellt und sich so einen Überblick über Produktionszahlen, Prozesse und Fehlerquellen verschafft", erklärt N+P-Marketingleiter Paul Hertwig.

An Schlagworten wie Industrie 4.0 und Digitalisierung kommt natürlich auch die Intec nicht vorbei. Darüber wird gesprochen auf dem wichtigsten Branchentreff Ostdeutschlands. Bei vielen Anbietern ist die digitale Vernetzung von Produktionsabläufen ohnehin Realität. Doch digitale Daten hin oder her - auf der Intec steht natürlich Gegenständliches im Vordergrund: Maschinen. Es surrt an vielen Ecken, es drehen und bewegen sich Teile und hier und da riecht es auch wie in echten Werkhallen nach Schmiermittel und Maschinenöl.

Späne fallen etwa bei der Metrom Mechatronische Maschinen GmbH aus Hartmannsdorf (Mittelsachsen). Die Firma demonstriert auf einer Fünfachs-Werkzeugmaschine die Bearbeitung einer Pressstempelform zur Fertigung von Motorhauben in der Autoindustrie. Der Koloss mit einem Gewicht von gut fünf Tonnen ist ein Anziehungspunkt. "Es ist die größte Maschine, die wir jemals auf einer Messe hatten", sagt Geschäftsführerin Susanne Witt. Trotzdem sei die PM 1000 eine mobile Maschine, die in ein Flugzeug passe, in wenigen Stunden aufgebaut sei und auf der man große Bauteile bearbeiten könne, die schwierig zu transportieren seien, erläutert Witt. "Das, was wir hier zeigen, kann außer uns keiner", meint sie.

"Einzigartig" ist laut Marketingleiter Thilo von Grafenstein auch das Kamerasystem, das die Acsys Lasertechnik aus Mittweida in ihre Anlagen eingebaut hat. Mit den Maschinen können Teile per Laser geschweißt, geschnitten, beschriftet und graviert werden. Die Kamera erzeugt dabei Vorschaubilder und beschleunigt so Vorbereitungsarbeiten. Zum Einsatz kommt die Technik etwa in der Medizintechnik-, Schmuck- und Werkzeugindustrie. Die Geschäfte laufen gut, die Firma ist seit dem Start vor 15 Jahren von 15 auf über 100 Mitarbeiter gewachsen. Potenzielle Kunden trifft von Grafenstein auch auf der Intec. "Die Messe ist für uns immer stärker und wichtiger geworden. Wir haben jedes Mal mehr Kontakte gehabt."

Es herrscht gute Stimmung auf der alle zwei Jahre stattfindenden Schau. Viele Unternehmen berichten über gut gefüllte Auftragsbücher, Wachstum und einen ordentlichen Start ins Jahr 2017. Aber auch über eine Intec, die sich gut entwickelt habe und an der für viele sächsische Firmen kein Weg mehr vorbeiführt - auch wenn sie sich noch auf anderen, teils größeren Schauen präsentieren. Die Beteiligung ist groß: 341 der gut 1400 Aussteller auf der Intec und Zulieferschau Z kommen aus Sachsen. Am Stand des Chemnitzer Maschinenbauers Heckert etwa verweist Geschäftsführer Marcus Otto auf das ideale Einzugsgebiet der Messe. Für Kunden aus den angrenzenden Bundesländern sei die Intec praktisch. Sie könnten für einen Tag auf die Messe fahren, was Zeit spare. Zudem sei die Intec traditionell ein Anlaufpunkt für Branchenvertreter aus Osteuropa.

Auch für die Ermafa Sondermaschinen- und Anlagenbau GmbH mit Werken in Auerbach/Vogtland und Chemnitz ist das Auslandsgeschäft wichtig. Die Tiefbohrmaschine, die der Hersteller in Leipzig zeigt, geht nach der Messe an einen Kunden in Dänemark. Wichtig ist Geschäftsbereichsleiter Thomas Gemeinhardt aber auch, potenzielle Kunden vor der eigenen Haustür auf sich aufmerksam zu machen. Es gebe viele Firmen, in denen Manager säßen, die nicht aus Sachsen kämen. Und häufig seien denen die alteingesessenen Maschinenbauer gar nicht bekannt. Die kauften dann ihre Technik irgendwo auf der Welt ein - obwohl es auch Anbieter im näheren Umkreis gebe.

Preis für Niles-Simmons

Zu den Gewinnern der Intec-Preise 2017 gehören auch zwei sächsische Firmen. In der Kategorie "Unternehmen über 100 Mitarbeiter" gingen sie an Niles-Simmons Industrieanlagen, Chemnitz, und Profiroll Technologies, Bad Düben. Niles-Simmons bekam den Preis für die Entwicklung eines innovativen Bearbeitungszentrums, mit dem Räder für Hochgeschwindigkeitszüge bearbeitet werden können. Ausgezeichnet wurde zudem auf der Messe Z die Freiberger CEP Compound Extrusion Products. (jdf)

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