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Mit Plakaten und Transparenten zogen die Teilnehmer durchs VW-Werksgelände in Mosel. (3)

Foto: Andreas Wohland Bild 1 / 3

Metall-Gewerkschaft: Ära der 38-Stunden-Woche ist vorbei

Gut 3000 Mitarbeiter von VW Sachsen, des VW-Bildungsinstituts und von Automobilzulieferern der Region sind gestern in den Warnstreik getreten. Ihre Forderungen sind nicht neu: wenigerArbeitszeit und mehr Lohn.

Von Viola Martin
erschienen am 13.01.2018

Zwickau. Weiße Nebelschwaden zogen gestern Vormittag durch die Muldenlandschaft. Im VW-Fahrzeugwerk im Zwickauer Stadtteil Mosel dagegen stieg roter Nebel auf - aus einer Maschine, die IG-Metaller zur großen Kundgebung mitgebracht hatten. Andere Gewerkschafter forderten auf Transparenten die 35-Stunden-Woche und auf einer zum Schwein stilisierten rosafarbenen Tonne fette sechs Prozent Lohnerhöhung. Laut IG Metall strömten mehr als 3000 Gewerkschafter aus dem VW-Werk, dem VW-Bildungsinstitut, von Radsysteme Mosel, SAS Autosystemtechnik und Schnellecke Logistik vor die Rednerbühne gleich neben dem VW-Eingangtor.

Nachdem bereits Montagnacht Mitarbeiter von GKN Driveline den Forderungen der IG Metall in der aktuellen Tarifrunde Nachdruck verliehen hatten, wurden diese gestern noch einmal untermauert. Stefan Kademann, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Zwickau, sagte unter großem Beifall: "Die Ära der 38-Stunden-Woche ist auch im Osten vorbei." Man wolle wie im Westen die 35-Stunden-Woche. Zurzeit würden die Arbeiter hier einen Monat pro Jahr umsonst arbeiten. Man wolle Arbeitszeitmodelle, die zum Leben passen, und nicht umgekehrt. Wenn die Arbeitgeber den Forderungen nicht gerecht werden, "wird es Krawall geben in dieser Republik, der schon lange nicht da war", so Kademann. Die Wirtschaftsentwicklung sei gut. Deshalb könnten die Arbeitgeber froh sein, dass die Gewerkschaft nur sechs und nicht 16 Prozent verlange.

Olivier Höbel, Bezirksleiter der IG Metall Berlin-Brandenburg-Sachsen, betonte, dass die Arbeitgeber auch eine sozialpolitische Verantwortung haben. Sie müssten mit dazu beitragen, dass Beschäftigte die Pflege von Angehörigen und die Kinderbetreuung mit ihrer Arbeit vereinbaren können. Um erhebliche finanzielle Einbußen zu vermeiden, müsse es in diesen Fällen einen Entgeltzuschuss geben.

Jens Rothe, Gesamtbetriebsrat-Chef von VW Sachsen, unterstrich, dass die Gewerkschaftsforderungen im siebten Jahr des wirtschaftlichen Aufschwungs in Deutschland "mehr als gerechtfertigt und eine Selbstverständlichkeit sind". Jugendausbildungsvertreterin Kristin Oder sagte, dass man den Auszubildenden, die nach der Wende geboren worden sind, hier im Osten nicht erklären könne, warum sie drei Stunden pro Woche länger arbeiten müssen als Lehrlinge in Wolfsburg.

Als Kademann am Ende der Kundgebung fragte, ob die Metaller bereit sind, zur Durchsetzung ihrer Forderungen in 24-Stunden-Streiks zu treten, bekundeten sie ihre Bereitschaft mit ohrenbetäubendem Beifall, Trillerpfeifen und Tröten.

VW Sachsen wollte sich nicht zum Warnstreik und den Forderungen äußern. Man sei Mitglied im Arbeitgeberverband der Metall- und Elektroindustrie Berlin-Brandenburg, der als Tarifpartei für zuständig sei, so Pressesprecher Gunter Sandmann. Im Rahmen der Tarifgespräche äußere sich daher auch nur der Verband zur aktuellen Situation.

 
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Metall-Gewerkschaft: Ära der 38-Stunden-Woche ist vorbei
Erstmals Warnstreik bei Schnellecke in Glauchau
 
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