Sachsens Export boomt trotz Einbruch des Russlandgeschäfts

Die Metall- und Elektrobranche im Freistaat hat in den ersten neun Monaten dieses Jahres ein Fünftel des Umsatzes in Russland verloren. Das Embargo setzt diesen Firmen massiv zu. Zwei Hemmnisse hat die EU jetzt korrigiert.

Chemnitz.

Sächsische Unternehmen haben nach Angaben des Statistischen Landesamtes von Januar bis September Waren im Wert von insgesamt fast 27 Milliarden Euro ausgeführt - das ist eine Steigerung um 2,65 Milliarden im Vergleich zum Vorjahreszeitraum. Zugleich ist das Russlandgeschäft der sächsischen Maschinenbauer und der Elektrotechnik-Unternehmen aber weiter eingebrochen. Ein Fünftel weniger als im Vorjahreszeitraum setzten diese beiden Branchen dort bislang in den ersten neun Monaten dieses Jahres um. Landesweit sank das Exportvolumen nach Russland in diesem Zeitraum um 16 Prozent.

Franz Voigt, Präsident der Chemnitzer Industrie- und Handelskammer, will das genau wie seine ostdeutschen Kollegen nicht länger hinnehmen. "Wir sind uns einig, dass wir nochmals eine gemeinsame Stellungnahme abgeben werden, dass Wirtschaftssanktionen kein geeignetes Mittel sind, um politische Konflikte zu lösen", sagt er.

Sanktionen treffen Mittelstand

"Die Sanktionen sind für unsere Mittelständler besonders schädlich", sagt der Präsident des Unternehmerverbands Sachsen, Hartmut Bunsen. Denn Russland sei für die sächsische Wirtschaft ein wichtiger Markt. Seit 2005 sind die Exporte dorthin, die vom Fahrzeug- und Maschinenbau dominiert werden, um 375 Prozent auf 1,3 Milliarden Euro jährlich gewachsen. Dabei hat mehr als die Hälfte der Maschinenbauer im Freistaat weniger als 20 Beschäftigte. Kleinstunternehmen sind besonders anfällig bei starken Umsatzschwankungen. "Das Interesse russischer Firmen an unseren Produkten ist zwar nach wie vor da", sagt Bunsen. "Ich höre aus dem Chemnitzer Raum aber immer wieder, dass russische Interessenten nicht mehr das Geld haben, um sie zu kaufen."

Ein Grund: Der Rubelverfall um 30 Prozent gegenüber dem Euro in den vergangenen zwei Jahren hat deutsche Produkte verteuert. "Zum anderen vergeben russische Banken aber ohnehin schon wegen der seit dem zweiten Halbjahr 2013 schwächelnden Konjunktur nur noch eingeschränkt Kredite", sagt Jens Böhlmann, Sprecher der deutsch-russischen Auslandshandelkammer in Moskau. Inzwischen stecke die Mehrheit der russischen Geldinstitute auch selbst in der Klemme, weil sie sich wegen der Sanktionen nicht mehr wie vorher zum Großteil über die europäischen und amerikanischen Finanzmärkte refinanzieren könnten. Aber auch für russische Unternehmen ist es schwieriger geworden, im Ausland selbst Darlehen aufzunehmen. Laut Wirtschaftsmagazin "The Economist" stehen sie bereits mit rund 408 Milliarden Euro im Ausland in der Kreide, wobei 106 Milliarden bis Ende 2015 fällig sind.

Finanzierungshemmnis beseitigt

Ein Finanzierungshemmnis hat die EU allerdings am vergangenen Freitag beseitigt. Bis dato hatte sie durch einen Formulierungsschnitzer auch völlig legale Handelsgeschäfte mit Drittländern blockiert, an denen eine sanktionierte russische Bank beteiligt war. Das hatte Projekte in den GUS-Ländern, der Türkei und in China lahmgelegt.

Auch die sächsischen Pumpenhersteller können aufatmen. Die EU hat fünf Positionen ihrer Sanktionen gegen die russische Erdölindustrie enger gefasst. Der Verband Deutscher Maschinen- und Anlagenbau VDMA geht davon aus, dass viele Hersteller und Ersatzteilexporteure nun keine Genehmigung mehr für den Export ihrer Pumpen benötigen "Es darf aber keinesfalls das Missverständnis aufkommen, die EU hätte Sanktionserleichterungen erlassen", betont Monika Hollacher vom VDMA. Es seien nur offensichtliche Fehler korrigiert worden, die politische Linie der EU und der Bundesregierung sei unverändert. Gerade bei Exportgütern für die russische Luftfahrtindustrie und den Fahrzeugbau, die oft sowohl zivile als auch militärische Produkte herstellen, gebe es unverändert erhebliche Schwierigkeiten bei der Ausfuhr.

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