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René Kahle, Projektmitarbeiter, schaut nach den Batteriemodulen, die in zwei Etagen übereinander gestapelt sind.

Foto: Toni Söll

Sachsens größter Akku soll das Stromnetz stabilisieren

Rund zehn Millionen Euro wurden in den Bau des Batteriespeichers in Chemnitz investiert. Ob damit Geld verdient wird, ist nicht sicher.

Von Christoph Ulrich
erschienen am 04.08.2017

Chemnitz. Ein Stück sächsischer Energiegeschichte wurde gestern in Chemnitz geschrieben. Der Energieversorger Eins und die Thüga Erneuerbare Energie (THEE) nahmen den größten Energiespeicher Sachsens offiziell in Betrieb. Mit einer Kapazität von knapp 16 Megawattstunden zählt die Anlage zu den größten dieser Art in Deutschland.

Der Riesen-Akku soll Netzschwankungen ausgleichen, die durch das Einspeisen von Strom aus Windkraft- und Photovoltaikanlagen entstehen können. "Für uns steht die Gewährleistung der Versorgungssicherheit mit Energie an oberster Stelle", sagte Stefan Brangs (SPD), Staatssekretär im sächsischen Wirtschaftsministerium bei der Inbetriebnahme. Der Freistaat hat den Bau des Batteriespeichers mit einer Million Euro gefördert.

Das Projekt Stromspeicher wurde durch die Batteriespeicher Chemnitz GmbH & Co. KG realisiert, an der Versorger Eins mit 51 Prozent und THEE mit 49 Prozent beteiligt sind. Der Batteriespeicher besteht aus 4008 Batteriemodulen von Samsung mit Lithium-Ionen-Technik und steht in der Nähe des Chemnitzer Heizkraftwerkes. Die Gesamtkapazität von 15,9 Megawattstunden entspricht der Kapazität von rund 18.000 Autostarterbatterien oder der Menge an Strom, die 1800 Haushalte durchschnittlich an einem Tag verbrauchen. Die gespeicherte Energie soll Stromschwankungen so ausgleichen, dass die normale Netzfrequenz von 50 Hertz beibehalten werden kann.
Für diesen ständigen Ausgleich zwischen Stromerzeugung und Stromverbrauch wird sogenannte Regelleistung genutzt, von der es drei Arten gibt, die sich vor allem durch die Reaktionszeit unterscheiden. Für die Primärregelleistung (PRL) muss der Strom innerhalb von 30 Sekunden zur Verfügung stehen. Dafür ist der Chemnitzer Batteriespeicher geeignet. Weitere Regelleistungen gibt es mit einer Reaktionszeit von fünf und 15 Minuten.

Der Strom würde für 1800 Haushalte einen Tag lang reichen: Blick in die Halle des Batteriespeichers mit den über 4000 Batteriemodulen.

Foto: Toni Söll

Nach Auskunft von Eins werden derzeit wöchentlich etwa 1400 Megawatt PRL ausgeschrieben. Der Markt umfasst dabei die Länder Deutschland, Belgien, die Niederlande, Frankreich, Schweiz und Österreich, die in einem Verbundsystem gekoppelt sind. Der Chemnitzer Batteriespeicher kann davon knapp ein Prozent der Leistung zur Verfügung stellen. Die kaufmännische und technische Betriebsführung übernimmt Eins. Der Energieversorger kümmert sich auch um die Vermarktung der Energieleistung.

Ob sich die 10 Millionen Euro teure Anlage rechnet, muss sich allerdings erst noch herausstellen. Nach den Worten von Roland Warner, Vorsitzender der Eins-Geschäftsführung, wurde der Strom für die Primärregelleistung vor einem Jahr auf dem Markt noch deutlich höher vergütet. "Wir kratzen derzeit an der Wirtschaftlichkeit", sagte Warner. Doch der Eins-Chef zeigte sich für die Zukunft optimistisch. Er geht davon aus, dass nach dem Abschalten der Atomkraftwerke die Nachfrage nach Regelleistung deutlich steigen wird. Auch der weitere Ausbau der Anlagen mit erneuerbarer Energie sorge für eine entsprechende Nachfrage. Warner kann sich deshalb vorstellen, noch in weitere Batteriespeicher zu investieren. "Dieser Batteriespeicher ist ein wichtiger Baustein für die Energiewende in der Region", versicherte der Eins-Chef.

Für das Gelingen der Energiewende sind Speicherlösungen für das Ausgleichen der Netzschwankungen wichtig. Neben schnell anfahrenden Kraftwerken sind Batterien aufgrund der sofortigen Verfügbarkeit der Energie gut geeignet. Der Speicher kann seine volle Leistung in wenigen Sekunden abrufen.

Der kommunale Energiedienstleister Eins mit Sitz in Chemnitz versorgt rund 400.000 Haushalts- und Gewerbekunden mit Erdgas, Strom, Wärme und Kälte sowie Wasser und energienahen Dienstleistungen. Das Unternehmen beschäftigt rund 1100 Mitarbeiter und erzielte 2016 einen Jahresumsatz von 982 Millionen Euro. Mit insgesamt 51 Prozent sind zu zwei gleichen Anteilen die Stadt Chemnitz und der Zweckverband "Gasversorgung in Südsachsen", ein Zusammenschluss von 117 Städten und Gemeinden, beteiligt. Weitere Gesellschafter sind die Thüga AG und Envia M.

 
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