Handelskonflikte und Brexit bremsen Außenhandel aus

Die deutsche Wirtschaft lebt mehr als andere vom Export. Fünf Jahre in Folge fuhr sie Rekordwerte ein. Doch 2019 gibt es einen kräftigen Dämpfer. Und die Hoffnung auf schnelle Erholung schrumpft.

Die deutsche Wirtschaft lebt mehr als andere vom Export. Fünf Jahre in Folge fuhr sie Rekordwerte ein. Doch 2019 gibt es einen kräftigen Dämpfer. Und die Hoffnung auf schnelle Erholung schrumpft.

Berlin (dpa) - Die internationalen Handelskonflikte und das Chaos um den Brexit haben Deutschlands Exportunternehmen in diesem Jahr kalt erwischt.

«Wir müssen das laufende Jahr 2019 wohl abschreiben und uns mit einer schwarzen Null im Export zufriedengeben», sagte der Präsident des Außenhandelsverbandes BGA, Holger Bingmann, am Dienstag in Berlin. Maximal sei noch mit einem Mini-Wachstum von 0,5 Prozent zu rechnen. Eine Prognose für 2020 wollte Bingmann nicht wagen. Eine Besserung sei frühestens im zweiten Halbjahr 2020 zu erwarten.

Das «konsequente, ständige Foulspielen der US-Administration unter Präsident Trump» beeinflusse besonders die so international ausgerichtete deutsche Wirtschaft, sagte Bingmann. Zudem mache das Hickhack um den anstehenden EU-Austritt Großbritanniens längerfristige Planungen für die Unternehmen unmöglich. Unterm Strich könne die Branche mit dem laufenden Jahr deshalb nicht zufrieden sein.

Zuletzt hatte die exportorientierte deutsche Wirtschaft neun Jahre des Aufschwungs erlebt und fünf Jahre in Folge Rekordwerte beim Export erzielt. Das Tempo hatte sich im vergangenen Jahr zwar schon deutlich verlangsamt, noch in diesem Sommer hatte der BGA aber ein Exportwachstum von 1,5 Prozent prognostiziert.

Die Unternehmen befürchten auch, dass der Streit mit den USA weiter eskaliert, wenn die EU nach der Genehmigung durch die WTO ihrerseits Strafzölle erhebt. Ein Land, das Zölle verlange, schade sich in der Regel selbst, warnte Bingmann. «Am Ende zahlt der Konsument die Zeche.» Zugleich werde der freie Zugang zu den Weltmärkten für deutsche Unternehmen immer weniger selbstverständlich.

Ähnlich sorgenvoll wie in die USA blicken die Exporteure nach China. Zwar stiegen die Ausfuhren in beide Länder im ersten Halbjahr um 4,3 Prozent - das ist aber weit entfernt von den teils zweistelligen Zuwachsraten der vergangenen Jahre. In China mache zudem die starke Überwachung ausländischer Firmen und ein «Absaugen von Knowhow» Sorgen, sagte Bingmann.

Die Exportunternehmen setzten vor diesem Hintergrund besonders auf das umstrittene Freihandelsabkommen zwischen der EU und dem südamerikanischen Staatenbund Mercosur. Besonders kleine und mittlere Unternehmen könnten von der Öffnung dieser bisher recht abgeschotteten Märkte profitieren, betonte Bingmann. «Die wenigen Chancen, die sich uns derzeit bieten, dürfen nicht leichtfertig verspielt werden», forderte er.

Die EU und die Mercosur-Staaten Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay hatten im Sommer eine politische Einigung über den Aufbau der größte Freihandelszone der Welt erzielt. Der Deal wird allerdings von Umweltschützern kritisiert. Sie befürchten, dass europäische Landwirte in einen gnadenlosen Preiskampf gezwungen werden und gleichzeitig die Regenwaldzerstörung in Südamerika befeuert wird. «Ohne das Assoziierungsabkommen wird kein einziger Baum weniger gerodet», betonte Bingmann. Außerdem dürften Klimaschutz und freier Handel nicht gegeneinander ausgespielt werden. «Auf dem freien Handel basiert schließlich unser Wohlstand, der notwendig ist, um die Wirtschaft klimafreundlich umzubauen.»

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