Siemens verordnet sich eine schlankere Konzernstruktur

Statt fünf Sparten wird der Elektrokonzern nur noch drei operative Einheiten haben. Zwei der Bereiche werden vom Ausland aus gesteuert.

Siemens verlegt bei der nächsten Runde des Konzernumbaus die Führung wichtiger Unternehmensbereiche ins Ausland. Die bisher fünf Sparten werden in drei operative Einheiten für Gas und Energie, smarte Infrastruktur und digitale Industrie aufgeteilt. "Siemens ist gegenwärtig in einer sehr starken Position", sagte Vorstandschef Joe Kaeser gestern in München.

Die Energiesparte mit weltweit 71.000 Mitarbeitern und 21 Milliarden Euro Umsatz soll ihren Sitz im Zentrum der US-Ölindustrie in Houston (Bundesstaat Texas) haben. Diese Entscheidung dürfte auch mit der aggressiven Handelspolitik von Präsident Donald Trump zu tun haben. "Mit diesem ganzen Handelszeug sind Unternehmen gezwungen, lokal zu werden", kommentierte Kaeser die Weltlage. Zur Energie- sparte wird auch das zunächst von der Schließung bedrohte Siemens-Werk in Görlitz gehören, das zum 1. Oktober die Verantwortung für das internationale Geschäft des Elektrokonzerns mit Industrie-Dampfturbinen übernehmen soll.

Der neuen Infrastruktur-Einheit in Zug in der Schweiz werden ebenfalls 71.000 Mitarbeiter und 14 Milliarden Euro Umsatz zugeordnet. Von Nürnberg aus soll zudem das digitale Industriegeschäft - von Kaeser als "Diamant" bezeichnet - geleitet werden. Diese Einheit hat 78.000 Mitarbeiter und 14 Milliarden Euro Umsatz. Neuester Zukauf ist für 600 Millionen Euro das US-Software-Unternehmen Mendix. Zu diesem Bereich wird auch das Chemnitzer Siemens-Werk für Kombinationstechnik (WKC) mit rund 1000 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von rund 450 Millionen Euro gehören.

Die Siemens-Zentrale bleibt in München, soll aber "schlanker" werden. Daneben gibt es noch die internen Dienstleistungen fürs Geschäft, die Finanzen und Immobilien, die zusammengefasst werden sollen. Ein neuerliches Personal-Abbauprogramm ist mit der neuen Strategie "Vision 2020 plus" nicht verbunden. Kaeser ließ anklingen, dass er eher an zusätzliche Mitarbeiter denkt. Der Siemens-Chef lobte die weltweit 377.000 Kollegen.

Beim letzten Strategieprogramm habe Siemens "nicht großartig" dagestanden. Führung sei notwendig gewesen. Heute ist das aus Kaesers Sicht anders: "Wir sind so stark, dass der größte Faktor, der den Erfolg behindern könnte, wir selbst sind."

Weniger begeistert gaben sich indes die Arbeitnehmer. "Die neue Ausrichtung darf nicht dazu führen, dass Marke und Identität von Siemens als vernetzter Technologiekonzern verloren gehen", mahnte Birgit Steinborn, die Chefin des Siemens-Gesamtbetriebsrats und stellvertretende Aufsichtsratsvorsitzende. Der Siemens-Vorstand hatte die Umorganisation in den vergangenen Monaten mit dem Betriebsrat und der IG Metall abgesprochen. Die Arbeitnehmervertreter erteilten weitergehenden Überlegungen, den Konzern in eine Holding umzuwandeln, bei der die Münchner Zentrale nur noch als Dach dreier eigenständiger Gesellschaften fungiert hätte, eine Absage. (mit dpa)

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1Kommentare
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  • 1
    1
    Interessierte
    11.08.2018

    Dieser Herr Kaeser kümmert sich jetzt auch um Ausländerfeindlichkeit , sollte er sich nicht besser um die deutschen Arbeitnehmer kümmern , damit die in Lohn und Brot bleiben ... , das wäre dann demokratisch in dieser Demokratie , was aber sonst wohl die Wirtschaftsinteressen nicht interessiert ...
    Wenn der Mann so viele Menschen entläßt , ist das vielleicht nicht Rassismus und Nationalismus , aber zumindest - Ausgrenzung ......



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