Corona erschüttert Carsharing-Geschäft

Die Beschränkungen in der Corona-Krise haben sich massiv auf das Carsharing-Geschäft ausgewirkt. Der Chef von Teilauto sieht allerdings trotzdem Licht am Horizont.

Leipzig (dpa) - Der Carsharing-Anbieter Teilauto rechnet in der Corona-Krise mit einer langsamen Normalisierung seines Geschäftes. Einer Prognose zufolge werde das Unternehmen im Dezember wieder bei 90 Prozent des Vorjahresniveaus liegen, sagte Geschäftsführer Michael Creutzer. Dafür dürfe aber kein zweiter «Lockdown» kommen. Wegen der Corona-Pandemie sei das Carsharing-Geschäft um bis zu 80 Prozent eingebrochen.

Teilauto ist in Sachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen mit einer Flotte von mehr als 1000 Fahrzeugen aktiv. Die Kunden hätten sich in der Krise als überaus treu erwiesen und das Unternehmen mit einer Solidaritätswelle regelrecht überrollt.

Wegen der Corona-Beschränkungen habe sich die Mobilität der Menschen verändert. «Für unsere privaten Nutzer sind die Ziele und Zwecke der Fahrten weggefallen - am Wochenende zur Oma fahren, in den Urlaub, an den Badesee», sagte Creutzer. Bei den gewerblichen Kunden seien die Dienstfahrten deutlich zurückgefahren worden. Für den Monat April bezifferte Kreuzer die Umsatzeinbußen auf rund 500 000 Euro. Während die Fahrzeugbuchungen ausblieben, liefen die Kosten etwa für die Standplätze der Autos, Versicherungen und die Buchungssoftware weiter.

Der Bundesverband Carsharing berichtete, dass die Branche landesweit mit massiven Buchungsrückgängen zu kämpfen habe. Einige Anbieter befürchteten sogar, Insolvenz anmelden zu müssen. Nach Angaben des Verbands gibt es zurzeit in 840 Orten 226 Anbieter - das sind Carsharing-Unternehmen, -Genossenschaften und -Vereine. Das Angebot war in den vergangenen Jahren immer mehr gewachsen.

Teilauto hat alle 23 Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Damit seien die Personalkosten auf 30 bis 40 Prozent des üblichen Niveaus gesunken. «Kurzarbeit ist ein Mosaiksteinchen», sagte Creutzer. Das Unternehmen habe auch einen KfW-Kredit beantragt, der sehr schnell bewilligt worden sei. «Der KfW-Kredit bringt uns über die Krise hinaus», sagte der Geschäftsführer.

Die Carsharing-Kunden hätten das Unternehmen zudem mit Hilfsangeboten überschüttet. Viele hätten ihre monatliche Grundgebühr aufgestockt. Zudem übernahmen Menschen als Stationspaten die Standplatzmieten oder buchten rund 350 virtuelle Fahrten in einem Auto, das es nicht gibt. So seien rund 50 000 Euro zusammengekommen. «In dieser Intensität hätten wir das nicht erwartet», sagte Creutzer. «Das ist ungeheuer aufbauend und motiviert die Kollegen, zusammenzustehen.»


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