Envia M will mit neuen Produkten Lust auf Energiewende machen

Jeder fünfte Ostdeutsche empfindet einer Umfrage zufolge die Energiewende als Last. Der ostdeutsche Energieversorger Envia M will das ändern - zum Beispiel mit einem neuartigen Stromzähler.

Chemnitz.

Envia M hat vor Kurzem einen neuen digitalen Stromzähler auf den Markt gebracht, der es dem Kunden erlaubt, seinen Stromverbrauch sofort auf seinem Smartphone oder seinem Tablet abzulesen. Eine kleine Empfangsbox, an die die Daten per Funk übertragen werden, und eine App machen das möglich. Zusätzlich wird dem Kunden angezeigt, wie viel er gerade fürs Kochen oder Waschen, für den Kühlschrank oder seine Beleuchtung verbraucht und wie viel er dafür zahlen muss. Darüber hinaus erhält er einmal monatlich einen Energiebericht.

"Mit dieser App kann ich auch sehen, ob ich zum Beispiel vergessen habe, den Herd auszustellen, oder was es bringt, nicht alle Geräte im Standby laufen zu lassen", sagt Projektleiter Thoralf Ehnert. "Ziel ist es, den Stromverbrauch transparent zu machen." Stromfresser können so ausgetauscht werden. Der Kunde kann sein Verbrauchsverhalten ändern - und spart so nicht nur Geld, sondern trägt auch zum Klimaschutz bei.

160 Bestellungen für diesen Zähler, der als Paket mit dem Namen "Mein Tarif digital" angeboten wird, liegen Envia M bislang vor. "Und täglich werden es mehr", sagt Ehnert. Einen Aufschlag berechnet Envia M für das Gerät nicht. "Das alles kostet den Kunden nicht mehr als der normale Stromtarif in der Grundversorgung", sagt Ehnert.

Erhältlich ist dieses Angebot in weiten Teilen Sachsens, aber bisher noch nicht flächendeckend. "Zunächst fokussieren wir uns auf unser eigenes Netzgebiet der Mitnetz Strom", sagt Ehnert. "Wir arbeiten aber an einer Erschließung weiterer Gebiete."

Hintergrund ist, dass der Gesetzgeber bis 2032 flächendeckend den Austausch aller analogen Messgeräte gegen digitale Zähler fordert. "Die breite Mehrheit der Privatkunden wird aber lediglich eine sogenannte moderne Messeinrichtung erhalten, die kaum Mehrwert bietet", sagt Envia-M-Vertriebschef Andreas Auerbach. Die Kunden wünschten sich hingegen einfache und kostengünstige Produkte, die Spaß machen, sagt Envia-M-Chef Stephan Lowis. "Wir liefern diese. Wir wollen so wieder Lust auf die Energiewende machen, die momentan für viele Energieverbraucher eher eine Last ist." Die Envia M versorgt in Ostdeutschland und Berlin 1,3 Millionen Kunden mit Strom und Gas. Die neuen Stromzähler sind nur ein Baustein einer Digitalisierungsoffensive der Unternehmensgruppe, mit der Stromerzeugung und Verbrauch optimal aufeinander abgestimmt werden sollen. So werden Kunden mit mehr als 6000 Kilowattstunden künftig ihre Verbrauchsdaten verschlüsselt an ihren Versorger oder Messstellenbetreiber senden müssen. Das ist vom Gesetzgeber so festgelegt. Beim Envia-M-Zähler für Privatkunden bleibe der Verbraucher aber Herr über seine Daten, sagt Ehnert. "Er kann selbst entscheiden, ob er sie übermittelt."

Für Envia-M-Chef Lowis steht die Energiewende gerade an einem Wendepunkt. "Deutschland wird die bis 2020 gesteckten Klimaschutzziele klar verfehlen", sagt er. "Schon jetzt steht fest, dass der beschlossene Kohleausstieg allein nicht ausreichen wird, um die Vorgaben zu erfüllen." Deshalb sei neben der Dekarbonisierung vor allem eine Digitalisierung der Energieversorgung erforderlich., in die die Envia-M-Gruppe in den kommenden fünf Jahren 250 Millionen Euro investieren werde. So werde das Unternehmen zum Beispiel im zweiten Halbjahr 2019 einen Online-Marktplatz für Strom aus erneuerbarer Energie starten, eine neue digitale Steuerung für Wärmespeicherkunden im Herbst 2019 auf den Markt bringen sowie den Ausbau der Eigenerzeugung erneuerbarer Energien und des Glasfaserkabelnetzes vorantreiben. Grundlage dafür seien gute Unternehmensergebnisse.

Gewinn, Strom- und Gasabsatz sowie die Anzahl der Mitarbeiter sind 2018 bei der Envia-M-Gruppe zwar leicht geschrumpft, wie aus der am Dienstag der Öffentlichkeit vorgestellten Jahresbilanz hervorgeht. Lowis bewertet dieses Ergebnis aber trotzdem als positiv: "Damit können wir die Energiewende weiter kraftvoll vorantreiben."

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