Gewinnbringer Skoda wagt sich auf neues Gelände

Mit dem Kodiaq mischt die Volkswagen-Tochter nun im boomenden Markt der großen Sportgeländewagen mit. Die Konkurrenz kann schon mal zittern - und zwar auch die aus dem eigenen Konzern.

Mladá Boleslav.

Er ist 4,70 Meter lang, bietet Platz für sieben Personen und gehört zu einer Autoklasse, die seit Jahren wie keine andere boomt. Skoda war in diesem Segment noch nicht vertreten. Kein Wunder also, dass die Premiere des Kodiaq bei der tschechischen Tochter des VW-Konzerns wie ein nationales Ereignis gefeiert wurde. Skoda kann sich das Feiern leisten. Nach Porsche und vor Audi liefern die Tschechen mit 9,6 Prozent die beste Gewinnrendite im VW-Konzern ab. Obwohl der Durchschnittspreis für einen Skoda nur bei 16.500 Euro liegt - ein Porsche kostet im Schnitt 93.400 Euro und ein Audi 37.700 Euro - verdient Skoda rund 1589 Euro an einem verkauften Auto. Bei Volkswagen bleiben lediglich 395 Euro hängen.

"Skoda hat eine Gewinnmarge, von der VW träumen kann", schätzt der Branchenexperte Ferdinand Dudenhöffer, der an der Universität Duisburg-Essen das Zentrum für Automobilforschung leitet, ein. "Ordentliche Kostenmodelle und Autos, die gefragt sind", lautet seine Antwort auf die Frage, was Skoda besser als andere Konzernmarken macht. Um "Lichtjahre besser" aufgestellt sei Skoda etwa im Zuliefererbereich. Die Marke Volkswagen leide dagegen unter "Geldvernichtungsmaschinen", zu denen er neben dem Phaeton auch den Touareg rechnet.

Ein Skoda-Sprecher erklärt die hohe Profitabilität lieber mit dem Erfolg des Superb. Mit der großzügig dimensionierten Limousine und Kombi hat die Marke einen Volltreffer gelandet und lässt aufgrund des Preisvorteils auch Fahrer eines Audi A6 ins Grübeln kommen. Ähnliche Reaktionen könnte jetzt das neue Modell Kodiaq auslösen: Der Sportgeländewagen (SUV) startet bei einem Preis von rund 25.000 Euro und liegt damit deutlich unter dem neuen Tiguan von Volkswagen.

Volkswagen sei in einer "Sandwich-Position" zwischen Skoda und Audi, meint Dudenhöffer. Doch dem Konzern dürfte es Recht sein, wenn Skoda mit dem Kodiaq neue Kunden erschließt. Die werden vor allem in China und in Deutschland, den beiden wichtigsten Märkten, erwartet. Im Auge hat Skoda zum einen Wettbewerber wie Ford, Opel, Hyundai und Kia, aber auch "Aufsteiger" aus dem eigenen Lager, die bisher einen Kombi fahren. Wichtige Zielgruppe sind Dienstwagen-Fahrer. Im Flottengeschäft spielt der SUV im Gegensatz zum Kombi bisher eine untergeordnete Rolle.

Skoda peilt in Deutschland Verkaufszahlen von 200.000 Autos jährlich an. Weltweit waren es zuletzt 1,06 Millionen. Gutes Geld verdient die VW-Tochter mit teuren Ausstattungspaketen. "Die Marke brummt", so Dudenhöffer. Da könne der Konzern gut und gern auf Seat verzichten. "Die paar Autos kann Skoda mitbauen". Doch "die paar Autos" waren im Vorjahr immerhin 477.000, und der Gewinn lag zuletzt bei sechs Millionen Euro.

 Existenz nicht mehr bedroht

Knapp ein Jahr nach Bekanntwerden des Abgas-Skandals sieht VW-Konzernchef Matthias Müller die Gefahr einer existenziellen Bedrohung für den Konzern gebannt. "VW hat die Kunden enttäuscht und zahlt dafür am Ende einen hohen Preis. Aber das Unternehmen wird weiter bestehen, auch wenn die Belastung extrem ist", sagte Müller. Analysten schätzen, dass die Aufarbeitung des Skandals VW am Ende zwischen 20 und 35 Milliarden Euro kosten wird.

Ein langjähriger VW-Mitarbeiter hat sich derweil im Dieselskandal schuldig bekannt und will den US-Behörden bei der Aufklärung helfen. Inwieweit Aussagen des 62-Jährigen VW nun zusätzlich belasten könnten, ist aber schwer einzuschätzen. (rtr/dpa)

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