Jobmotoren Leipzig und Dresden hängen Rest des Landes ab

Zusätzliche Arbeitsplätze sind in Sachsen seit 2010 vor allem in den beiden größten Metropolen entstanden. Der Südwesten Sachsens fällt zurück.

Chemnitz.

Gut zwei Millionen Menschen waren 2017 im Jahresdurchschnitt im Freistaat erwerbstätig. Das sind 81.100 mehr als 2010. Mehr als drei Viertel dieser zusätzlichen Jobs entstanden aber in Leipzig und Dresden. Im Rest des Landes kamen nur rund 20.000 hinzu, davon lediglich 500 in Chemnitz. Selbst im Erzgebirgskreis lief es besser. In den Landkreisen Mittelsachsen, Zwickau und Vogtland sank die Anzahl der Erwerbstätigen hingegen sogar. Das geht aus Zahlen des Statistischen Landesamtes hervor.

Insgesamt sei das Ungleichgewicht in Sachsen zwischen den beiden größten Städten und dem restlichen Land weiter gewachsen, kritisiert Markus Schlimbach, Chef des Deutschen Gewerkschaftsbundes (DGB) im Freistaat. "Während die Städte Jobs gewinnen, bleibt der ländliche Raum zurück." Für eine nachhaltige Entwicklung Sachsens müssten aber auch auf dem Land Stellen geschaffen werden. Gerade im Wahljahr 2019 sehe er Wirtschaftsförderung und Arbeitgeber deshalb besonders in der Pflicht. "Auch die Menschen auf dem Land haben das Recht auf ein lebenswertes Umfeld", sagt DGB-Sprecherin Marlis Dahne.

"Die Landespolitik muss sich auf die Entwicklung des ländlichen Raums und des Mittelstands fokussieren", fordert auch die Vereinigung der Sächsischen Wirtschaft. Schließlich seien vier von fünf Industriebetrieben in den Landkreisen ansässig, sagt Arbeitgeberpräsident Jörg Brückner. Drei Viertel des Wachstums im verarbeitenden Gewerbe seien seit 2007 in ländlichen Regionen des Freistaates erzielt worden. "In den kreisfreien Städten wird das Wachstum dagegen zu fast 40 Prozent von öffentlichen und sonstigen Dienstleistungen getragen, die überwiegend aus Steuern und Abgaben finanziert sind. Wenn sich über 70 Prozent der Forschungs- und Technologieförderung des Freistaates auf meist öffentliche Institute in den kreisfreien Städten konzentrieren, besteht bereits jetzt ein klares Missverhältnis zur Wirtschaftsstruktur in Sachsen", sagt Brückner.

Die Wirtschaft dringt deshalb auf den Ausbau der Infrastruktur im ländlichen Raum. Dazu gehörten auch flächendeckend schnelles Internet, wohnortnahe Kindergärten, Schulen und Berufsschulen, ein leistungsfähiger ÖPNV, die Erreichbarkeit einer Autobahn von überall aus in höchstens 30 Minuten und die schnellstmögliche lückenlose Elektrifizierung der Bahn vor allem in Südwestsachsen, sagt Brückner.

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4Kommentare
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    0
    Mike1969
    20.01.2019

    Nunja, dass ist ja keine Überraschung! Das die sächsische Landesregierung und damit jetzt stellvertretend die CDU mit Herrn Kretzschmar die Städte Dresden und Leipzig favorisiert merkt doch auch jeder wenn er mit dem Zug fahren will. Wieso aber hier die Arbeitgeber in die Pflicht genommen werden sollen, kann ich nicht erkennen. Diese haben auch Personalprobleme in Südwestsachsen. Und ja, gut dass dieses Jahr Wahljahr ist.

  • 10
    0
    VaterinSorge
    19.01.2019

    Das sind so einige Faktoren, die seit fast 30 Jahren falsch liefen und heute leider nicht mehr korrigierbar sind. Angefangen von demographischen Problemen, weil fast eine Million Menschen weggegangen sind, deren Kinder heute erwachsen sind, aber nicht hier sind, über den tragischen Umstand, dass 50 % der jungen Leute heute studieren wollen, obwohl es gar keine Jobs hier für sie gibt, bis zu der Tatsache, dass in Kürze über 40 % der Bevölkerung Sachsens in Rente ist und auch irgendwie versorgt werden möchte. Je weiter man von Dresden oder Leipzig weg ist, um so höher wird die Quote.Also fehlen für Neuansiedlungen von wertschöpfenden Produktionsbetrieben neben qualifizierten Arbeitskräften auch entsprechende Absatzmärkte in der Nähe. Schnelles Internet, Verkehrswege, ÖPNV und günstige Wohnlagen mit wichtigen Grundversorgungselementen wie KiTas, Schulen, Ärzten usw. wären langfristig hilfreich, doch müssten es wenigstens junge Fanilien erst einmal begreifen und verstehen, um gegenzusteuern. Das wird so seine Zeit dauern.

  • 10
    0
    Klemmi
    19.01.2019

    Die Folgen einer einseitigen Förderpoliktik der Landesregierung. Während seit 1990 massiv in die Städte Leipzig und Dresden investiert wurde, sollte man erwarten, dass dies Früchte trägt. Wenn auch nur im Dienstleistungsgewerbe oder auf Basis von Zeitarbeit. Neustes Geschenk für Leipzig, dank des Ostbeauftragten Dulig: Die neue Autobahnbehörde. Engagement für den Südwesten/Chemnitz- Fehlanzeige.

  • 1
    1
    CPärchen
    18.01.2019

    Im Bereich Forschung bringt es halt nichts, quotentechnisch die Aufträge zu verteilen. Des Weiteren gewinnen die zwei Städte an Einwohner, so dass automatisch mehr Arbeitsplätze entstehen.

    Aber einer Förderung bin ich natürlich positiv aufgeschlossen



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