Leipzig erhält Innovationsagentur

Eine neue Einrichtung soll Top-Innovationen zum Durchbruch verhelfen. Für ihren Chef hat der Standort Leipzig eine besondere Bedeutung.

Chemnitz.

Leipzig hat sich im Rennen um eine bundesweite neue Agentur für Innovationen durchgesetzt. Das gaben Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier und Forschungsministerin Anja Karliczek (beide CDU) am Mittwoch in Berlin bekannt. Insgesamt gab es dafür 17 Bewerber, zum Schluss waren neben Leipzig noch Potsdam und Karlsruhe im Rennen. "Wir haben uns bewusst für einen Standort in einem ostdeutschen Bundesland entschieden -ohne Abstriche bei den anderen Kriterien zu machen", sagte Altmaier. Leipzig sei bereits heute ein innovationspolitischer Leuchtturm, die Agentur werde die Strahlkraft noch erhöhen.

Mit der Einrichtung geht die Bundesregierung einen neuen Weg in der Forschungsförderung. Sie soll bahnbrechenden Innovationen "made in Germany" zum Durchbruch verhelfen. Vor allem für Erfinder außerhalb der universitären Forschungseinrichtungen war das oftmals schwierig. Sie scheiterten am Geld, an notwendigen Kontakten oder fanden kein Unternehmen, das die Erfindung mit in die Produktion überführt. Laut Bundesministerium ist die Agentur zunächst befristet als Experimentierphase für eine Laufzeit von zehn Jahren geplant. Für diesen Zeitraum wird mit einem Mittelbedarf von insgesamt rund einer Milliarde Euro gerechnet.

Die Agentur wird als GmbH geführt und in der Zentrale voraussichtlich 30 bis 50 Personen beschäftigen. Gründungsdirektor Rafael Laguna de la Vera ist in Leipzig geboren und mit zehn Jahren mit seinen Eltern in die Bundesrepublik übergesiedelt. Der Start-up-Unternehmer kennt die Probleme der Gründer und Forscher. Mit 16 Jahren gründete er sein erstes Software-Unternehmen, mit 21 programmierte er ein komplettes Kassensystem für die Getränkewirtschaft, mit 31 verkaufte er seine erste Firma. Mittlerweile Gründer und Chef der Open-Xchange AG, entwickelt er mit mehr als 150 Mitarbeitern Software für die Internetwirtschaft. "Diese Entscheidung ist auch ein politisches Signal. Für mich persönlich schließt sich hier ein Kreis: 45 Jahre, nachdem ich die DDR verlassen habe, kann ich nun mithelfen, die enorme Aufbruchsstimmung in Leipzig zu verstärken."

Darauf hofft auch Sachsens Ministerpräsident Michael Kretschmer (CDU). Die Stadt sei ein international gefragter und dynamischer Innovationsplatz. Zudem verwies er auf die zahlreichen Forschungseinrichtungen und Unternehmen in Sachsen, die an Zukunftsthemen wie Mikroelektronik, Leichtbau oder Künstlicher Intelligenz arbeiten. "Wir hoffen durch die Ansiedlung der Agentur auf starke Impulse für ganz Deutschland", so Kretschmer. Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) verspricht sich vor allem für die Erfinder und Forscher im Freistaat einen Motivationsschub. "Das Innovationsland Sachsen wird einen weiteren großen Sprung nach vorn machen", sagte er.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung (SPD) punktet nach Leipzigs Transformation von einer Medienstadt zu einem Wirtschaftsstandort und der Ansiedlung von unter anderem BMW, DHL und Porsche nun erneut mit seiner Ansiedlungspolitik. Hinter dem zunächst sperrig klingenden Namen verberge sich etwas ganz Entscheidendes: technische Quantensprünge erkennen, fördern und in der Gesellschaft verankern, sagte Jung.

Auch für die Forscher in der Region Chemnitz wird die Agentur große Bedeutung haben. Starke Impulse könnte die als besonders transferstark geltende Universität Chemnitz davon erhalten. "Wir freuen uns sehr auf eine fruchtbare Zusammenarbeit", hieß es dazu.

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10Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

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    Zeitungss
    21.09.2019

    @Mike: Wenn Sie ihre eigen Zeilen beruhigen, ich habe kein Problem damit. Der Dartpfeil konnte sich dieser Meinung allerdings nicht anschließen, warum das so ist, könnte man nachdenken oder es ganz einfach lassen.

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    Mike1969
    21.09.2019

    @Zeitungss: Dann sage ich es auch etwas brutal. RB hat das Geld von hinten und vorn reingeschossen bekommen. Da kann man Fehler machen, die mit soviel Geld kein Problem darstellen. Auch wieder etwas, was Leipzig geschenkt bekommen hat und sich selbst nicht erarbeiten musste. Den ihre alten Traditionsvereine wie Lok Leipzig und Chemie Leipzig, wo stecken die? Die haben die selben Probleme wieder der CFC. Nur das der RB dies überdeckt, so dass es keiner wahrnimmt…
    Sie haben keine Angriffsfläche. Die Menschen in Chemnitz haben sich alles selbst erarbeitet, egal ob gut oder schlecht. Sie hingegen, machen das schlecht. Warum ziehen Sie nicht dort hin wo es besser aus Ihrer Sicht ist? Ich bin Stolz auf Chemnitz und die gesamte Region! Die Leisten wenigstens was und schmarotzen nicht. Dennoch zahlen alle hier auch Steuern und sollten dafür auch Anerkennung bekommen!

  • 2
    2
    Zeitungss
    21.09.2019

    @Mike 1969: Ich beantworte Ihre Sache einmal etwas brutal. Chemnitz hat seine ganze Kraft bisher in den CFC verschossen und füllt damit täglich die Medien. Einen besseren Beitrag für die "Stadt der Moderne" kann man sich in der Öffentlichkeit nicht vorstellen und was die Verkehrsanbindung angeht, reden wir nicht darüber. Es ist demnach nicht verwunderlich, wenn der abgeschossene Dartpfeil sich sein Ziel selbst gesucht hat. In welche Richtung sich die Stadt farblich darstellt, kann und will ich nicht beurteilen, dazu fehlt mir der Bezug und der Einblick. Wer wann wo in der Stadtregierung versagt hat, wird lautstark in die Öffentlichkeit gebracht, wer will sich unter solchen Voraussetzungen schon ansiedeln.
    Wenn Sie sich für Chemnitz stark machen, ist das Ihr gutes Recht, unterlegen Sie den Gedankengang aber einmal mit den Gegebenheiten, welche ich kurz angerissen habe.

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    2
    Mike1969
    21.09.2019

    @Zeitungss: Was für Ausbildungsrichtungen gibt es denn in Leipzig, außer Kunst und Kultur? In Chemnitz werden Tüftler und Bastler ausgebildet, die Innovatives schaffen können. Doch dieses Innovationsagentur kommt nach Leipzig, weg von den Menschen die es brauchen könnten. Wir krank ist das eigentlich. Hat man da in Dresden und Berlin mit dem Dartpfeil einfach auf die Landkarte geschossen und zufällig Leipzig getroffen?

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    1
    Zeitungss
    20.09.2019

    @Mike: Der kleine Wink mit dem Zaunpfahl kam demnach nicht an. @Delux hat freundlicherweise mit der Erklärung schon einmal begonnen. Wer was wohin vergeben oder verschoben hat, liegt nicht in meiner Hand. Die Anspielung mit der Strombörse (sie ist nun einmal in Leipzig angesiedelt) hatte schon einen Sinn, jeder private Stromkunde in Deutschland kann das bestätigen, wenn er will und seine Stromkosten einmal mit dem europäischen Ausland vergleicht.

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    2
    Mike1969
    20.09.2019

    @Zeitungss: Und warum hat nicht die Regierung in Berlin oder Dresden die Strombörse nach Chemnitz gegeben? Die Leipziger haben diese nicht erarbeitet, sondern wie alles geschenkt bekommen. Was hat den Leipzig selbst geschafft? Na dann zähle mal auf … Wir sind alle hier gespannt.

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    Malleo
    20.09.2019

    Warum siedelt man eine solche Agentur nicht in Jänschwalde, Hagenwerder oder Weißwasser an?
    Warum in urbanen Zentren, wo Grüne ihre besten Ergebnisse erzielen, abseits von Atommeilern und bedrohten Regenwäldern, mit hervorragender Verkehrsinfrastruktur, hipper Kultur, Szenevierteln usw.
    Vielleicht deshalb?
    "Wer mir Milch gibt, darf meine Mutter sein"
    (chinesisch)

  • 4
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    Deluxe
    20.09.2019

    Walter Ulbricht.

    Der kam auch aus Leipzig.

    :-)

  • 1
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    Zeitungss
    20.09.2019

    Nur Gutes kommt bisher aus Leipzig, z.B. die Strombörse. Es merkt jeder, der seine Abrechnung in der Hand hält. Wenn der Privatkunde schon nichts davon hat, dann wenigsten der Staat. So etwas hat Chemnitz und Südwestsachsen nun einmal nicht zu bieten.

  • 5
    2
    Mike1969
    20.09.2019

    "die enorme Aufbruchsstimmung in Leipzig zu verstärken" … Es wäre doch auch mal schön, wenn diese Landesregierung die sich nun gerade neu erfindet, mal diese Aufbruchstimmung nach Chemnitz und Südwestsachsen bringen würde. In Leipzig ist die Industrie nicht zuhause. Aber in Südwestsachsen und Chemnitz. Manchmal denke ich, dieses Bundesland verblödet langsam.



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