Offene Stellen in Sachsens Jobcentern

So viele unbesetzte Arbeitsplätze in den Arbeitsagenturen wie im Freistaat gibt es in keinem anderen Bundesland. Haben Jobsuchende das Nachsehen?

Chemnitz.

Sie sollen sich um die Jobvermittlung von Hartz-4-Beziehern kümmern, doch in den Jobcentern ist derzeit so manche Stelle unbesetzt. Bundesweit betrifft das jede 20. Jobcenterstelle der Bundesagentur für Arbeit (BA). In Sachsen ist es sogar jede zehnte, wie aus einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der linken Bundestagsabgeordneten Sabine Zimmermann hervorgeht. So viele unbesetzte Jobcenter-Stellen wie im Freistaat gibt es in keinem anderen Bundesland.

In Sachsen existieren acht Jobcenter, die gemeinsam von der BA und den Kommunen betrieben werden, für fünf weitere sind die Kommunen allein verantwortlich. Die Zahlen beziehen sich lediglich auf die gemeinsamen Center, und nur auf die Beschäftigten der BA, die zwei Drittel des Personals, das sind rund 2380 Stellen, ausmachen. Davon sind nach Angaben der Regionaldirektion der BA 272 unbesetzt - vor allem aufgrund von Langzeiterkrankungen und Erziehungsurlaub. Für die Regionaldirektion der BA in Chemnitz, stellt das allerdings kein Problem dar. Durch die unbesetzten Stellen komme es zu keinen Einschränkungen bei der Vermittlungsarbeit - "im Gegenteil". Aufgrund einer "besonders guten Betreuungsrelation" könnten sich die Vermittler "noch intensiver und individueller um ihre Kunden kümmern", heißt es. Aktuell sei ein Vermittler für durchschnittlich 128 arbeitssuchende Hartz-4-Bezieher verantwortlich, laut Direktion eine Folge der geringen Arbeitslosigkeit. Damit sei der Betreuungsschlüssel besser als gesetzlich vorgeschrieben (1:150). Die Entwicklung auf dem Arbeitsmarkt habe letztlich auch Auswirkungen auf den "Personalkörper" der Jobcenter, heißt es. "Wir passen uns auch in den Jobcentern an die Änderungen auf dem Arbeitsmarkt an", sagte Ralph Burghart, Geschäftsführer in der Regionaldirektion. Dass Sachsen im Bundesvergleich so schlecht dasteht, führt Pressesprecher Frank Vollgold auf unterschiedliche Statistiken zurück. In einigen anderen Bundesländern würden Jobcenterstellen, die etwa wegen Langzeiterkrankungen unbesetzt sind, nicht gezählt. Ab 2019 werde dies auch in Sachsen so sein.

Für Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin ihrer Bundestagsfraktion kommen die Zahlen nicht überraschend: Offensichtlich gebe es Probleme, Personal für die Jobcenter zu finden. Ein Grund dafür dürften die Arbeitsbedingungen sein, sagte sie. Personell seien die Jobcenter "von Beginn an" unterausgestattet, sodass "eine hohe Arbeitsbelastung besteht". Dass Sachsen den höchsten Anteil unbesetzter Stellen hat, sei "eine besondere Ironie". Zimmermann: "Es ist gar nicht lange her, dass Stellen abgebaut, befristete Beschäftigte nicht verlängert und vermeintlich überflüssiges Personal in andere Länder versetzt werden sollte."

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