Sachsen auf der Suche nach einem regionalem Schlachthof-Konzept

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Im Freistaat fehlt es an Kapazitäten. Doch eine schnelle Lösung ist nicht in Sicht. Noch vor Jahresende soll feststehen, wie es weitergeht.

Chemnitz/Dresden.

Seit Monaten wird hinter den Kulissen an einem Konzept für eine oder mehrere regionale Schlachtstätten im Freistaat gearbeitet. Sogar einen sächsischen Schlachthofgipfel gab es dazu bereits. Vor gut einem Monat trafen sich Vertreter aus Politik, Landwirtschaft, Weiterverarbeitung und Handel per Videokonferenz zu einem ersten Spitzengespräch. Doch klar ist inzwischen: Eine schnelle Lösung wird es nicht geben. Noch im Sommer vorigen Jahres hatte sich Torsten Krawczyk, Präsident des Sächsischen Landesbauernverbandes (SLB), zwar optimistisch gezeigt, gemeinsam mit Partnern "in der nächsten Zeit" ein Konzept vorstellen zu können. Damit dürfte es aber wohl vor Herbst dieses Jahres nichts werden.

Welche Art von Lösung es überhaupt geben könnte, soll nun erst in einer Machbarkeitsstudie geprüft werden. Nach den Worten von SLB-Hauptgeschäftsführer Manfred Uhlemann wird sich die Studie nicht direkt mit der Schlachthofproblematik befassen, sondern umfassender angelegt sein. Es gehe darum, die gesamte Wertschöpfungskette zu beleuchten und zu ermitteln, wie sich diese regional vom Erzeuger bis zur Ladentheke schließen lasse. Im Fokus soll nicht nur stehen, wie mehr Verbrauchernähe geschaffen werden kann. Man wolle auch schauen, wie Verbesserungen beim Tierwohl erreicht werden könnten. Die Schlachthoffrage sei dabei ein Bindeglied, so Uhlemann. Ihm zufolge sind, was die Schlachtstätte angeht, mehrere Lösungen möglich: Denkbar wären einen oder zwei Schlachthöfe, ebenso dezentrale betriebliche Schlachtstätten, bei denen sich jeweils mehrere Betriebe zusammentun, oder rollende Schlachtmobile, die vor allem kleinere Erzeuger anfahren. "Das muss untersucht werden", so Uhlemann.

Finanzieren wollen die Beteiligten - der Landesbauernverband wird sich federführend um das Projekt kümmern - die Studie über das Konjunkturprogramm des Landes "Nachhaltig aus der Krise". Die Bewerbungsfrist dafür endet laut dem Landwirtschaftsministerium in Dresden am 31. März, bis dahin muss der Antrag eingereicht sein. Ob das Vorhaben förderwürdig ist, soll spätestens im Juni feststehen. Erst dann kann die Studie in Auftrag gegeben werden. Uhlemann geht davon aus, dass in der späteren zweiten Jahreshälfte Ergebnisse vorliegen.Im Landwirtschaftsministerium steht man dem Vorhaben wohlwollend gegenüber. "Wir arbeiten daran, die regionale Wertschöpfung in Sachsen zu stärken und Wertschöpfungsketten zu schließen", sagte Ministeriumssprecher Robert Schimke. Beim Schlachthofgipfel sei deutlich geworden, dass es dem SLB und Partnern um regionale Kreisläufe insgesamt gehe.

Im Freistaat existieren schon seit längerem keine größeren Schlachtstätten mehr. Gut 70 Prozent der Schweine aus den Mastbetrieben werden inzwischen außerhalb des Freistaates geschlachtet - laut SLB sind das etwa 1400 Tiere pro Tag. Der letzte große Schlachthof hatte 2011 in Chemnitz dicht gemacht. In Belgern (Landkreis Nordsachsen) existiert noch ein Betrieb, der aber vergleichsweise klein ist. Der Schlachthof hat nach SLB-Angaben eine Kapazität von 240 Tieren am Tag. Hinzu kommen noch 210 kleine Schlachtstätten, in denen pro Tag insgesamt 400 Tiere verarbeitet werden. 2020 hatte sich die Situation noch verschärft, nachdem der Vion-Konzern angekündigt hatte, die Schweineschlachtung am Standort Altenburg (Thüringen) aufzugeben. Etliche sächsische Betriebe haben ihre Tiere zur Lohnschlachtung nach Altenburg geschafft.

Die deutsche Schlachthofwirtschaft hat in den vergangenen Jahren einen Konzentrationsprozess erlebt. Gründe dafür waren, wie Albert Hortmann-Scholten von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen beim Schlachthofgipfel schilderte, etwa steigende Hygieneauflagen durch die EU, unterschiedliche hohe Veterinärgebühren in den Landkreisen, Synergieeffekte bei Schlachtung und Zerlegung, die Automatisierung, die Kapital- und Größenwachstum erforderte, sowie Discounter, die leistungsfähige Vorlieferanten benötigten. Dem Experten zufolge werden inzwischen über 80 Prozent der Rinder und Schweine in den jeweils zehn größten deutschen Schlachthöfen verarbeitet.

In Sachsen produzieren 169 Betriebe gut 492.000 Schlachtschweine im Jahr. Gegessen wird im Freistaat sehr viel mehr Schweinefleisch. Der Bedarf liegt laut SLB bei etwa 1,5 Millionen Tieren.

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22 Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    3
    Vogtlander3110
    13.03.2021

    In Anbetracht des immer stärkeren Trends zu mehr pflanzenbasierten Lebensmitteln, stellt sich die Frage ob ein großer Schlachthof in Sachsen überhaupt sinnvoll ist.
    Da wären mehrere kleinere bestimmt besser. Noch besser wäre es vielleicht sogar nur mobile Schlachtung zu fördern. Hier besteht viel mehr Flexibilität wenn die Schlachtzahlen zurückgehen.
    Und das ist aus verschiedenen Gründen eine erstrebenswerte und schon jetzt durchaus absehbare Entwicklung.

  • 8
    2
    Ohm
    13.03.2021

    Na sowas, hier fehlen Schlachthöfe im Osten! Wenn man hier nicht alles platt gemacht hätte und sich nicht komplett an den Westen verkauft hätte, wären auch noch Schlachthöfe da. Aber es mußte ja alles weg.
    Nun ham wir die EU mit sinnlosen Vorschriften am Hals, und was da rauskommt, na Gott beware uns vor Pest und Cholera.