So bewertet der "Gault & Millau" Sachsens Wein-Jahrgang 2018

Die Kritiker zeigten sich von der Qualität zuletzt nicht immer restlos überzeugt. Sie haben dennoch viel Empfehlenswertes gefunden.

Meißen.

Martin Schwarz steht nicht mehr allein auf dem Podest. Der Winzer aus Meißen markierte zuletzt die Qualitätsspitze im Elbtal. Nun hat sich das Staatsweingut Schloss Wackerbarth dazugesellt. So jedenfalls sieht man das beim "Vinum Weinguide". Damit sei neben dem kleinen Weingut nun ein großer Betrieb an der Spitze der Region zu finden, heißt es in der gerade erschienenen 2020er-Ausgabe.

Der Guide ist einer von drei Führern, die alljährlich die Arbeit der Winzer unter die Lupe nehmen und im November ihre Einschätzungen veröffentlichen. "Eichelmann" und "Gault & Millau" (GM) sind die anderen zwei; alle drei geben den Ton in der Weinkritik hierzulande an. Die drei Führer sind im Detail nicht immer der gleichen Meinung, unterscheiden sich hier und da bei der Bewertung der Weine. Auch ist nicht jedes Gut in jedem Guide vertreten.

In einem Punkt aber sind sich alle drei einig: 2018 war für Sachsens ein herausfordernder Jahrgang. Er werde als "besonderes Jahr in die Weinhistorie eingehen", formuliert der "Gault & Millau", bei dem der Freiberger Weinexperte Janek Schumann das Gros der Weine verkostet hat. Der früheste Erntebeginn, neue Temperaturrekorde und so wenig Niederschläge wie noch nie hätten den Winzern zu schaffen gemacht. Die Balance zwischen Extrakt, Alkohol und Säure "war sicherlich eine der wesentlichsten Herausforderungen", heißt es im GM. Die 2018er- Weißweine seien wenig homogen, einige litten unter recht hohem Alkohol, anderen merke man den Trockenstress an, finden die "Eichelmann"-Verkoster. Und für den GM markiert der Jahrgang gar den Beginn einer neuen Ära bei der Bewirtschaftung der Weinberge.

Sollte man den aktuellen Jahrgang also schnell abhaken? Auf keinen Fall. Bei Martin Schwarz etwa zeige sich, was mit akribischer Weinbergsarbeit möglich sei, schreibt Vinum-Verkoster Matthias Dathan. Schon der kleine weiße Einstiegswein habe Format und Klasse. Und bei Schloss Wackerbarth konnten die Weine vom Gutswein bis zur Lageninterpretation der Rieslinge überzeugen. Die Rieslinge seien "von bester Güte, die höheren Alkoholgehalte sind perfekt eingepackt". Und der rote Blaufränkisch könne gut und gerne aus dem Burgenland stammen", meint Dathan.

Schloss Proschwitz hat laut Vinum Weine gekeltert, die Frische und Säurestruktur zeigen. Mit "diskreter Frucht und feiner Textur" sei der Weißburgunder einer der "leisesten Weine" des 2018er-Jahrgangs, während der Grauburgunder viel Schmelz und herbe Frucht biete, schreibt der GM zu Proschwitz. Zum Spitzenfeld in der Region gehören für den Führer aber auch die Weine des Radebeulers Karl Friedrich Aust ("sachsentypische subtile Frucht"). Dathan hält Austs duftig und kraftvolle Traminer Spätlese gar für den besten Wein des Jahres aus der Rebsorte im Elbtal. Beim Weingut Drei Herren, das nur einen Katzensprung von Aust entfernt liegt, fand GM-Verkoster Schumann eine "wunderbar animierende und balancierte" Muskateller Auslese, eine "expressive" Scheurebe und einen kraftvoll trockenen Traminer. Zu den "besten Adressen in der Region" zählt der Guide das Meißner Weingut Vincenz Richter. Die Kerner Spätlese, die Inhaber Thomas Herrlich gekeltert hat, gehöre "sicherlich zu den sächsischen Highlights dieser oft unterschätzten Rebsorte". Auch die "Eichelmann"-Tester sind davon angetan - es ist ihr Favorit im Sortiment. Eine "sehr schöne Neuentdeckung" ist für Vinum der Winzer Karsten Lindhardt, der Weinberge in Pillnitz bewirtschaftet. Hier entstünden Weine "mit feiner Textur und würzigem Finish".

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