Volle Auftragsbücher verhelfen Gießerei zu Wachstumskurs

Trompetter Guss hat 2018 den Umsatz gesteigert. Doch der Trend zur Elektromobilität wird zu einer unternehmerischen Herausforderung.

Chemnitz.

Das vor allem als Zulieferer für die Automobilindustrie tätige Chemnitzer Gießereiunternehmen Trompetter Guss hat im vergangenen Jahr den Umsatz um sechs Prozent auf 62 Millionen Euro gesteigert. Und auch für das laufende Jahr sind die Aussichten positiv. "Das Unternehmen befindet sich in einer stabilen Situation und ist für die Zukunft gut aufgestellt. Wir haben volle Auftragsbücher und einen Rekordauftragsbestand", sagte Geschäftsführer Markus Trompetter der "Freien Presse". Sein Ziel sei es, vernünftig weiterzuwachsen, meinte er. Das Gießereiunternehmen beschäftigt 360 festangestellte Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie derzeit etwa 60 Zeitarbeiter.

Die gute Lage des Unternehmens ist keine Selbstverständlichkeit. Ende Juli 2017 hatte die Trompetter Guss GmbH (TGC) ein Insolvenzverfahren in Eigenverwaltung anmelden müssen. Das Gießereiunternehmen hatte in der Vergangenheit erheblich investiert, um Auftragsanfragen zu bewältigen. Doch dann schlug die Finanzkrise zu und ein Teil der Aufträge kam nicht zustande. Auch die Debatte um die Zukunft des Dieselmotors wirkte sich negativ auf das Geschäft aus. Eine bereits weitgehend verhandelte Umschuldung mit einem entsprechenden Vergleich scheiterte an einem taiwanesischen Geschäftspartner, der an Trompetter beteiligt war. Um die notwendige finanzielle Restrukturierung zu erreichen, begab sich TGC in das sogenannte Schutzschirmverfahren. Dabei bleibt die unternehmerische Verantwortung weiterhin in den Händen des Unternehmens selbst.

Das Verfahren sei gut vorbereitet gewesen, sagte Trompetter: "Sämtliche Kunden und auch die Lieferanten sind bei der Stange geblieben." Auch die Belegschaft hat nach den Worten des Geschäftsführers voll zum Unternehmen gestanden. "Das hat mich sehr beeindruckt", sagte der Diplom-Ingenieur. Das Unternehmen habe deshalb im Jahr 2017 ohne Unterbrechung voll weiterarbeiten können. Bereits nach sieben Monaten konnte die finanzielle Neuordnung erfolgreich abgeschlossen werden. Damals, im März 2018, sagte Restrukturierungsexperte Rüdiger Wienberg, der als Generalbevollmächtigter die TGC-Geschäftsführung während des Verfahrens verstärkt hatte: "Ich freue mich, dass die TGC nun finanziell wieder auf einem gesunden Fundament steht und zuversichtlich in die Zukunft blicken kann."

Diese Zukunft bietet einige Herausforderungen für das Gießereiunternehmen. Der Umbruch der Automobilindustrie in Richtung Elektromobilität wird bereits im Geschäft mit Teilen für Pkw deutlich. "Der Dieselmarkt läuft schlechter, die etwas höhere Nachfrage von Teilen für Benzinmotoren gleicht das aber nicht aus", erklärte Trompetter. Hinzu komme ein aggressiver Preiskampf vor allem von Zulieferern aus Asien. "Der Preisdruck ist verrückt und zehrt an der Marge", meinte der TGC-Chef.

Gelassener sieht er den Trend zur Elektromobilität im Bereich des Lkw-Marktes. Dort ist die Gießerei vor allem mit Bauteilen für Bremsen von Nutzfahrzeugen vertreten. "Die stehen nicht so im Fokus des Wandels", sagte Trompetter. Um auf die Veränderung in der Automobilbranche zu reagieren, hat Trompetter eine Marktstudie in Auftrag gegeben, um ein weiteres Standbein für die Produktion von Gussteilen aufzubauen. Chancen sieht der TGC-Chef unter anderem noch bei komplexen Gussteilen für hydraulische Ventile sowie im allgemeinen Maschinenbau. Derzeit wird die Auftragslage noch zu 85 Prozent von der Fahrzeugindustrie bestimmt, doch das kann sich nach Ansicht von Trompetter auch ändern. "Wir sind ein hochproduktives und flexibles Unternehmen mit einer Top-Belegschaft und werden auf die Marktveränderungen reagieren", erklärte der TGC-Geschäftsführer. Schließlich habe man in den vergangenen 20 Jahren rund 56 Millionen Euro in die Gießereilinien investiert.

Einige Rahmenbedingungen, die der einzelne Unternehmer nicht selbst beeinflussen kann, beobachtet Trompetter allerdings mit Sorge. Exemplarisch nannte er die Energiepreisentwicklung, die durch die nicht zu Ende gedachte Energiewende entstehe. Die deutsche Industrie zahle schon jetzt mit die höchsten Preise in Europa. Dazu kämen Genehmigungshemmnisse, erhöhte Deponiekosten und Umweltauflagen, die der Wettbewerbsfähigkeit entgegenlaufen. "Deutschland als eines der innovativsten Länder der Welt muss technologieoffen bleiben", forderte der Unternehmer.

Die Entwicklung in der Automobilindustrie verfolgt der Ingenieur daher auch mit einer gehörigen Portion Skepsis. Seiner Meinung nach ist die Lobby für die Elektromobilität derzeit etwas zu dominant. "Wir dürfen zum Beispiel das Thema synthetische Kraftstoffe nicht vernachlässigen", meinte Trompetter. Er wünsche sich eine offenere Diskussion über die Zukunft der Dieseltechnologie und alternativer Antriebstechniken. Die politische Diskussion sollte nicht außer Acht lassen, dass die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie von zentraler Bedeutung für Deutschlands Zukunft sei, meinte der TGC-Geschäftsführer.

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