Warum Volkswagen eigene Batteriezellen produzieren will

Noch ist die Dieselkrise nicht verdaut, das wurde auf der Hauptversammlung deutlich. Doch längst stellt der Autobauer die Weichen für die Zukunft.

Wolfsburg/Berlin.

Das ist schon eine Hausnummer: Knapp eine Milliarde Euro hat der Aufsichtsrat des Volkswagenkonzerns für Investitionen in eine Batteriezellfertigung bewilligt. "Wir haben wesentlichen strategischen Weichenstellungen für den Volkswagenkonzern zugestimmt. Bei unserer umfangreichen Elektro-Offensive wollen wir unsere Batteriekapazitäten im Rahmen von strategischen Partnerschaften absichern", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende Hans Dieter Pötsch.

Der Einstieg in die Batteriezellfertigung sei in Salzgitter zunächst mit rund 700 Mitarbeitern geplant, sagte VW-Einkaufsvorstand Stefan Sommer am Dienstag vor der Hauptversammlung des Konzerns in Berlin. Derzeit beschäftigt der Konzern in der niedersächsischen Stadt gut 7000 Mitarbeiter und baut dort vorwiegend Verbrennermotoren. "Salzgitter ist ein Standort, wo wir schon heute etwa 200 Forscher und Entwickler mit dem Thema Batteriezelle beschäftigen, und ist deshalb auch ein natürlicher Standort für weitere Investitionen in eine Zellfabrik", sagte Konzernchef Herbert Diess.

Fehlende Kapazitäten im Batteriebereich drohten zur Achillesferse beim Systemwechsel zur Elektromobilität zu werden. Ohne eigene Fertigung wäre der derzeit weltweit größte Autobauer komplett abhängig von Batterieherstellern in Asien.

"Der heutige Beschluss ist ein Durchbruch für die Batteriezellproduktion in Niedersachsen. Für das Autoland Nr. 1 ist die Produktion von Batteriezellen zwingend notwendig", sagte der niedersächsische Ministerpräsident Stephan Weil (SPD). Jetzt besteht die Herausforderung darin, eine mit der asiatischen Konkurrenz wettbewerbsfähige Produktion aufzubauen. "Wir rechnen damit, dass wir Ende 2022 beziehungsweise 2023 so weit sind, dass wir die Produktion dort starten können", sagte Sommer. "Wir sind nah dran an unserer Entwicklung, auch nah dran an den Fahrzeugwerken, die wir für Elektromobilität vorsehen", meinte der Einkaufschef. Derzeit befindet sich das VW-Werk in Zwickau in der Anlaufphase für das neue Elektromodell ID.3, für das nach Angaben von Volkswagen bereits 15.000 Vorbestellungen vorliegen. Auch das Werk in Emden soll auf Elektrofahrzeuge umgerüstet werden. In den nächsten zehn Jahren will der VW-Konzern fast 70 neue E-Modelle auf den Markt bringen, geplant ist für den Zeitraum eine Stückzahl von 22 Millionen Autos. VW-Chef Diess sieht die Zukunft von Volkswagen in der Elektromobilität.

Auf der Hauptversammlung am Dienstag in Berlin musste sich Diess allerdings erst noch einmal mit der Vergangenheit rumschlagen. Milliardenkosten für "Dieselgate", zigtausende Kundenklagen vor Gericht, Anklagen und Untersuchungen gegen ehemalige Vorstände: Auch mehr als drei Jahre nach dem Auffliegen der Dieselmanipulationen hält der Skandal den Autobauer im Griff. Aktionäre sparten daher auf der Hauptversammlung nicht mit Kritik, auch wenn VW mit seinen Geschäftszahlen in der aktuellen Branchenflaute und angesichts der milliardenschweren Herausforderungen noch vergleichsweise gut dasteht."Volkswagen ist weiter getrieben durch die Justiz", kritisierte Fondsmanager Ingo Speich von der Sparkassen-Fondsgesellschaft Deka, die auch Musterklägerin im Anlegerverfahren um eine angeblich zu späte Information des Kapitalmarkts ist.

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1Kommentare
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  • 1
    2
    cn3boj00
    14.05.2019

    Wenn man will, kann man also auch gute Entscheidungen treffen. Das Gejammer um den Verlust von Arbeitsplätzen durch die Elektrisierung war ja schon nicht mehr mit anzuhören. Natürlich passiert das, wenn man nichts mehr selber herstellt, sondern nur noch Autos aus China-Teilen montiert. Wenn man keine Auspuffe mehr braucht muss man eben statt dessen andere Dinge herstellen, und der Akku als Kernstück ist hier besonders gefragt, zumal hier sehr viel Forschungspotenzial und Knowhow-Aufbau drinsteckt. Da kann es nicht sein, alles den Chinesen zu überlassen!
    Aktuell muss man auf ein E-Auto bis zu einem Jahr warten, weil die paar Hersteller guter Akkus in China und Korea überlastet sind.



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