Wie aus altem Asphalt ein neuer Straßenbelag wird

In Sachsen landet immer mehr Asphalt nach Straßensanierungen als Abfall auf Deponien. Dabei kann er zu großen Teilen wiederverwertet werden. Ein Leitfaden soll nun die Recyclingquote erhöhen.

Chemnitz.

Eine Studie des Landesamtes für Umwelt schreckt auf: Die auf sächsischen Deponien entsorgte Menge an Asphalt, der bei Straßensanierungen ausgebaut wurde, hat sich zwischen 2013 und 2016 mehr als verelffacht - und zwar von etwa 8000 auf rund 93.000 Tonnen. Für die nächsten Jahre schätzt die Behörde das Aufkommen aus Straßenbaumaßnahmen sogar auf jährlich rund 350.000 Tonnen, weil weniger komplett neu gebaut, sondern vor allem instandgesetzt oder erneuert wird.

"Bund und Land verwerten große Teile des ausgebauten Asphalts oft wieder, aber die meisten Städte und Gemeinden haben für ihre Kommunalstraßen noch kein richtiges Recyclingkonzept", sagt Richard Mansfeld. Deshalb hat er mit an einem Leitfaden gearbeitet, der Unternehmen und Behörden helfen soll, den Wertstoff Ausbauasphalt künftig zu einem höheren Anteil im Straßenbau wiederzuverwenden oder wenigstens zu verwerten.

Das Papier, das im Rahmen der Umweltallianz unter Federführung der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) entstanden ist, ist am Mittwoch öffentlich vorgestellt worden. "Wir hoffen, dass sich dieser Leitfaden jetzt deutschlandweit verbreitet - und auch Anwendung findet", sagt IHK-Präsident Dieter Pfortner. Jürgen Rannacher, Vorstandschef des Rodewischer Bauunternehmens VSTR AG, ergänzt: "Wichtig ist jetzt vor allem, dass die Ausschreibungen entsprechend gestaltet werden." Und Umweltminister Thomas Schmidt (CDU) sagt: "Der Leitfaden macht die Regeln in Sachsen sehr transparent."

In Chemnitz-Mittelbach ist derzeit zu sehen, wie eine Fahrbahn mit recyceltem Asphalt erneuert wird. Dort wird ein 460 Meter langer Abschnitt der Hofer Straße erneuert. "Dazu haben wir das ausgebaute Material bei uns aufgearbeitet", erklärt Uwe Loos, Geschäftsführer der Firma Chemnitzer Verkehrsbau, die den Sanierungsauftrag erhalten hat. "In einem Heißmischverfahren wird das Ausbaugranulat dann der Deckschicht hinzugegeben. Dieses Recycling hat den Vorteil, dass sich der Bitumenanteil um bis zu 1,5 Prozent verringert, den wir hinzugeben müssen. Das macht den Asphalt um rund acht Euro je Tonne günstiger."

Für die Wiederverwendung müssen die Schichten beim Ausbau sorgsam getrennt werden. Das aufbereitete Material, das auch dem Schwerlastverkehr widersteht, kann dann beim Wiedereinbau laut Loos in der Deckschicht, aber auch in der Trag- und in der Bindeschicht sowie in Banketten verbaut werden. "Hier in Chemnitz-Mittelbach werden rund 30 Prozent des ausgebauten Asphalts wiederverwendet", sagt IHK-Präsident Dieter Pfortner. "Das ist wirklich ein beispielhaftes Projekt."

Das Chemnitzer Straßennetz umfasst rund 900 Kilometer. "Da haben wir ständig Baubedarf - und da stellt sich schon die Frage, wie man am ressourcenschonendsten damit umgeht", sagt Baubürgermeister Michael Stötzer (Grüne). "Deshalb greifen wir gerne neue Forschungsergebnisse und Materialien auf." So habe die Stadt zum Beispiel auch schon mit Gummibeimischungen gearbeitet. "Die Hofer Straße in Mittelbach ist aber die erste Chemnitzer Straße, die mit Ausbauasphalt erneuert wird." Die Kosten dafür beziffert Stötzer auf rund 300.000 Euro.

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...