2020 kein F1-Rennen in Deutschland - Vettel: Schwachsinn

Wie befürchtet macht die Formel 1 im Jahr 2020 einen Bogen um Deutschland. Ein Heimrennen für Sebastian Vettel gibt es in seinem vielleicht letzten Ferrari-Jahr nicht. «Schwachsinn», sagt der viermalige Weltmeister.

Spa-Francorchamps (dpa) - Das Formel-1-Aus 2020 für den Hockenheimring hat den Totalschaden für Deutschland im Rekordjahr der Motorsport-Königsklasse besiegelt - zum großen Unverständnis von Sebastian Vettel.

«Es ist Schwachsinn eigentlich, Deutschland da abzuwinken», betonte der viermalige Weltmeister ein paar Stunden nach Veröffentlichung des Rennkalenders für das kommende Jahr. 22 Grand Prix sind geplant, so viele wie noch nie. Vietnam ist neu dabei, die Niederlande kehren zurück. Deutschland ist raus, wie zuletzt 2017. «Ich denke dass die Formel 1 Deutschland braucht», meinte Vettel, der 2020 in seinem letzten Vertragsjahr für Ferrari fahren wird.

Ob Landsmann Nico Hülkenberg als einer von nur noch zwei deutschen Piloten auch im nächsten Jahr noch dabei sein wird, ist zudem offen: Seinen Platz bei Renault bekommt künftig der junge Franzose Esteban Ocon, wie das Team am Donnerstag bekanntgab. Der wie Vettel 32-jährige Hülkenberg gilt allerdings als Kandidat beim US-Rennstall Haas, wie dessen Teamchef Günter Steiner sagte.

Vettel will die Hoffnung nicht aufgeben, «dass wir bald wieder dabei sind», wie er im Fahrerlager von Spa-Francorchamps sagte. Alles, was ihm und vor allem den Betreibern der Strecke in Nordbaden bleibt, ist die auch nur noch minimale Hoffnung, vielleicht als Ersatzausrichter nachzurücken. «Sollte es bei anderen Rennstrecken Schwierigkeiten geben, wären wir für 2020 gesprächsbereit», sagte Jochen Nerpel, der neben Jorn Teske die Geschäfte auf dem Traditionskurs führen wird, der Deutschen Presse-Agentur am Donnerstag.

Bis zuletzt gab es Gespräche zwischen den Hockenheim-Verantwortlichen und den Formel-1-Bossen, den Zuschlag erhielten aber doch andere. Schon Ende Juli hatte der scheidende Geschäftsführer Georg Seiler befürchtet, dass Deutschland einer der Streichkandidaten im Mammut-Kalender sei. Offene Fragen für das nächste Jahr gibt es aber weiter: Der Vertrag für den Grand Prix von Italien in Monza ist noch nicht unterschrieben, auf den Strecken für die neuen Rennen in Hanoi und dem niederländischen Zandvoort laufen noch die Arbeiten.

Der Hockenheimring kann sich aufgrund gesunkenen Zuschauerinteresses die Antrittsgebühr nicht mehr leisten. In den vergangenen Jahren richteten die Betreiber bereits nur noch alle zwei Jahre den Großen Preis aus. Der Nürburgring steht bereits seit einiger Zeit aus finanziellen Gründen nicht mehr als Alternative zur Verfügung.

«Für uns war die Konstellation 2020 nicht darstellbar», sagte Nerpel und verwies auf die hohen Zuschüsse anderer Kurse durch Sponsoren oder den Staat. «In diesen Dimensionen können wir nicht mitspielen. Wir können uns als Hockenheimring kein Defizit leisten.» Das spektakuläre Rennen in diesem Jahr konnte erst durch eine Sponsorschaft von Mercedes gerettet werden. «Da haben wir gesehen, wie schnelllebig das Geschäft sein kann», sagte Nerpel. Gespräche mit potenziellen Partnern für die Zukunft laufen bereits. «Wir stecken den Kopf nicht in den Sand», versicherte Nerpel.

Während die Auto-Nation Deutschland leer ausgeht, wird nach einer späten Einigung wieder in Spanien und auch Mexiko-City gefahren. Am 4. Oktober muss der vorgeschlagene Terminkalender vom Weltrat des Internationalen Automobilverbandes FIA zwar noch offiziell verabschiedet werden. Die Bestätigung gilt aber als Formsache. Der Plan habe «einstimmig die Unterstützung von der FIA und allen Teams», sagte Formel-1-Geschäftsführer Chase Carey in der Mitteilung vor dem Beginn der zweiten Saisonhälfte.

Am 1. September wird der Große Preis von Belgien auf dem Traditionskurs in Spa-Francorchamps ausgefahren. Rennen wie das in den Ardennen sollten erhalten werden, gleichzeitig sei es aber wichtig, auch in neue Regionen vorzudringen, sagte Carey: «Das bestätigt unsere Langzeitstrategie.»

Starten wird die WM-Saison 2020 am 15. März wie gewohnt im australischen Melbourne, enden wird sie am 29. November in Abu Dhabi. Das Vietnam-Rennen bei Hanoi ist für den 5. April terminiert, die Fans von Hollands Supertalent Max Verstappen dürfen sich auf den Heimauftritt ihres Idols am 3. Mai in Zandvoort freuen.

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1Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 5
    0
    Freigeist14
    29.08.2019

    Da es nur um den Sport und nicht ums Geld geht , ist es zu begrüßen , das traditionellen Motorsport-Länder wie Bahrain und Vietnam Ausrichter der Formel 1 sein dürfen .



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