Das Formel-1-Reife(n)zeugnis des SID: Spa

SEBASTIAN VETTEL: Er hat geliefert, und das nach einem Qualifying, das für Ferrari alles andere als rund lief. Die Bilder von Vettel, der halb unter seinem Auto liegt um zu checken, ob nach der etwas unglücklichen Aktion seiner Mechaniker beim Reifenwechsel alles heil geblieben ist, waren bemerkenswert. Im Rennen blendete der viermalige Weltmeister dann alles aus, was in den Tagen und Wochen zuvor nicht geklappt hatte. Er düpierte Polesetter Lewis Hamilton bei der allerersten Gelegenheit und fuhr seinen 52. Karrieresieg souverän nach Hause. Es ist angerichtet für die große Ferrari-Party am kommenden Sonntag in Monza.

LEWIS HAMILTON: Wow, da hat es dem stets eloquenten Weltmeister aber gehörig die Laune verhagelt. Hatte Hamilton im Qualifying noch die Gunst der Stunde - sprich: des Regens - genutzt, war er im Rennen praktisch chancenlos. Bis auf ein paar Sektoren-Bestzeiten hatten Hamilton und Mercedes der Urgewalt des Ferrari-Motors wenig bis gar nichts entgegenzusetzen. Dass er anschließend von "ein paar Tricks" im Ferrari sprach, hatte einen faden Beigeschmack, auch wenn Hamilton bemüht war, seine Aussage abzuschwächen. Verlieren ist eben nicht jedermanns Sache.

NICO HÜLKENBERG: Oh je, der Hülk. Fast ungebremst donnerte Hülkenbergs Renault ins Heck von Fernando Alonsos McLaren, der abhob und nach einem kurzen Tiefflug über den Sauber von Charles Leclerc auf dem Seitenstreifen abwrackte. Hülkenberg, der deshalb in der Startaufstellung von Monza zehn Plätze nach hinten strafversetzt wird, wusste selbst nicht, wie ihm da geschehen war. "Als ich auf die Bremse bin, hat alles blockiert", versuchte er das Unglaubliche zu erklären. Wer hat das nicht schon mal selbst erlebt?

RACING POINT (FORCE INDIA): Die Autos sehen so aus wie immer, aber doch ist alles anders. Die Hauruck-Aktion der FIA, die mit Zustimmung aller Teams aus Force India mal eben schnell Racing Point machte, hat an der Performance von Sergio Perez und Esteban Ocon absolut nichts geändert. Die beiden belegten die Plätze fünf und sechs und sammelten damit die ersten Punkte für das "neue" Team. Ob Ocon noch lange im pinken Auto sitzt, ist mehr als fraglich. Der ungeliebte Lance Stroll könnte, so heißt es, schon in Monza seinem milliardenschweren Vater von Williams zu Racing Point folgen.

DER HALO: Wenn es noch eines Beweises für die Notwendigkeit des Schutzbügels über dem Cockpit bedurft hätte, dann hat ihn der spektakuläre Startunfall von Nico Hülkenberg und Fernando Alonso geliefert. Im Tiefflug schoss Alonsos McLaren über den Sauber von Charles Leclerc hinweg, sichtbare Spuren am Halo zeugten anschließend von der Brisanz der Situation, die für den jungen Monegassen glücklicherweise folgenlos blieb.

SPRÜCHE DES WOCHENENDES: "Das ist mir völlig egal und meinem Vater sicher auch. Das weiß er bestimmt gar nicht mehr." (Red-Bull-Fahrer Max Verstappen auf die Frage, was es ihm bedeute, 24 Jahre nach dem dritten Platz seines Vaters Jos in Spa ebenfalls Dritter geworden zu sein.) - "Beim Auto fahren nicht, beim Vögel beobachten schon." (Ferrari-Pilot Kimi Räikkönen auf die Frage, ob der Halo über dem Cockpit in der Bergauf-Passage der Eau Rouge dem Fahrer die Sicht nimmt)

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