Debütantin lässt aufhorchen

Sprinterin Lea Sophie Friedrich vom Chemnitzer Erdgasteam hat bei ihrer ersten Elite-WM einen beeindruckenden Einstand gegeben. Ihr Vorbild Kristina Vogel traut ihr eine große Karriere zu.

Pruszkow.

Den Ritterschlag für Lea Sophie Friedrich gab es schon vor den Finalläufen im Sprint. "Wenn sie so weitermacht, steht ihr die Welt offen", sagte Kristina Vogel. Die seit ihrem Unfall querschnittsgelähmte Ausnahmeathletin verfolgt die WM-Wettbewerbe in Pruszkow seit Donnerstag in ihrer neuen Rolle als Kommentatorin für den Weltverband UCI und schwärmt förmlich von der 19-Jährigen. "Es macht einfach Spaß, ihr zuzusehen. Ich erkenne mich ein bisschen in ihr wieder", fügte die Erfurterin hinzu. Deren Weg ist bekannt: Zwischen 2012 und 2018 wurde die 28-Jährige zweimal Olympiasiegerin sowie Rekordweltmeisterin (11 Titel). Die meisten Erfolge gelangen ihr zwischen 2013 und 2018 für das Team Erdgas - für das seit Anfang des Jahres auch Friedrich startet.

Die Vorzeichen für eine Bilderbuchkarriere à la Vogel stimmen bei Friedrich. 2018 gewann die aus Dassow stammende Sprinterin bei der Junioren-WM vier Titel (Sprint, Keirin, Teamsprint, 500 Meter) - ein Kunststück, das selbst der Ausnahmesprinterin nicht gelang. Bei ihrer ersten Elite-WM 2009 - kurioserweise ebenfalls in Pruszkow - fuhr sie auf Platz neun. Auch hier setzte die Blondine, die im Herbst 2018 eine Ausbildung bei der Bundespolizei begonnen hat, mit Platz vier am Freitagabend schon neue Maßstäbe.

Den ersten Turniertag bewältigte sie scheinbar mühelos, trotz eines spektakulären Trainingssturzes am Mittwoch, als sie von einer Kanadierin einfach umgefahren wurde. Nach persönlicher Bestzeit in der 200-Meter-Qualifikation (10,712 s; Platz vier) bezwang sie mit dem einen oder anderen Tipp per SMS von ihrem Vorbild mühelos Katy Marchant (Großbritannien) und Tania Calvo Barbero (Spanien). Stephanie Morton aus Australien, die später hinter der Chinesin Wai-Sze Lee zum dritten Mal Vizeweltmeisterin wurde, zeigte im Halbfinale Friedrich erstmals die Grenzen auf und siegte 2:0. Und im "kleinen Finale" verlor sie gegen die renommierte Französin Mathilde Gros ebenfalls 0:2. "Dass ich so weit gekommen bin, davon bin ich selbst überrascht. Ich bin total happy", sagte Friedrich.

Michael Hübner, Sportlicher Leiter im Erdgasteam, stören inzwischen die Vergleiche von Friedrich mit Vogel. "Lea ist ein ganz anderer Typ. Sie wird eine ganz andere Sprinterin - schon von den körperlichen Voraussetzungen her", sagte der 59-Jährige über Friedrich, die deutlich größer und athletischer ist. "Lea tritt noch völlig unbedarft auf. Solange sie ihre Lockerheit behält, wird es für sie weiter richtig nach vorne gehen. Sie hat das Zeug zum Supergirl", glaubt der siebenmalige Weltmeister, der mit Pauline Grabosch ein weiteres heißes Eisen im Feuer hat. Die 21-Jährige wurde 2018 WM-Dritte, musste diese Saison aber ihre Ansprüche zurückschrauben. "Ich denke, ,Paula' fokussiert sich jetzt wieder. Unser Traum wäre natürlich, wenn Lea und Pauline bei Olympia 2020 in Tokio zusammen im Teamsprint starten."

In der 4000-Meter-Einerverfolgung belegte Felix Groß vom RSV Venusberg in 4:19,937 Minuten den elften Platz. Teamkollege Domenic Weinstein stellte in der Qualifikation in 4:09,091 min einen deutschen Rekord auf, unterlag dann im Finale (4:12,571) wie schon 2016 dem Italiener Filippo Ganna (4:07,992).

Am heutigen Samstag steigt Stefan Bötticher wieder in die WM ein. Nach einem Ruhetag ist der Keirindritte im Sprintturnier dabei. "Es war wichtig, dass ich mich erhole, gerade auch nach dem Teamsprint mit drei Läufen. Ich habe die Beine hochgelegt und viel geschlafen", berichtete der zweifache Weltmeister von 2013 und fügte hinzu: "Diesen Winter habe ich nicht so die Rennhärte, trotzdem aber Bums. Das Training ist gut aufgegangen. Trotzdem wird es eine harte Aufgabe, in die Top acht zu fahren. Das ist mein Ziel. Schöner sind aber die Top vier."

Chemnitzer Joachim Eilers verzichtet auf Startplatz im Zeitfahren 

Sprinter Joachim Eilers vom Chemnitzer PSV fehlte am Freitagmorgen plötzlich in der Startliste für das 1000-Meter-Zeitfahren. "Ich bin bei der WM nicht ansatzweise in der Verfassung, mein volles Leistungspotenzial auszuschöpfen. Daher sehe ich von meinem Startplatz ab und gebe einem anderen Sportler die Möglichkeit, sich zu behaupten", meinte der 27-Jährige gegenüber "Freie Presse". Näher wollte er jedoch nicht auf seine Beweggründe eingehen.

Der Chemnitzer informierte am Morgen Bundestrainer Detlef Uibel über seine Entscheidung. Der Coach nominierte daraufhin Marc Jurczyk vom Chemnitzer Erdgasteam, der im Endklassement Rang acht belegte.

Die Titelkämpfe waren für Joachim Eilers bis dahin enttäuschend verlaufen. Im Teamsprint blieb ihm nur die Rolle des Ersatzmannes, im Keirin schied er am Donnerstag im Hoffnungslauf aus. Am späten Abend telefonierte er mit seinem Heimtrainer Ralph Müller. "Er schilderte, dass er gesundheitliche Probleme bekommen hat, kaum schlafen konnte", berichtete der Coach. Er bedauerte die Situation sehr, da sein Schützling trotz nicht optimaler Vorbereitung für die WM ansprechende Form besaß.

Bundestrainer Detlef Uibel sagte: "Joe hat uns einige Male gerettet, hatte deshalb bisher einen gewissen Bonus. Nach diesen indiskutablen Ergebnissen steht er aber am Scheideweg seiner Leistungssportkarriere."

Bei der WM 2016 hatte Joachim Eilers mit zweimal Gold (Keirin, Zeitfahren) geglänzt. 2017 war nach dem Pfeiferschen Drüsenfieber die WM-Teilnahme schon ein Erfolg, 2018 musste er wegen einer Viruserkrankung beim Zeitfahren passen. (mm)

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