Die Messlatte liegt hoch für die sächsisch-tschechische Allianz

Die Motorrad-WM startet Anfang März in die neue Saison. Im sächsischen Team in der Moto3-Klasse will man den Erfolg aus dem vergangenen Jahr bestätigen - mit neuem Personal und einem altbekannten Glücksbringer.

Hohenstein-Ernstthal.

Ganz verschmerzt hat Florian Prüstel das bittere Ende der Saison 2018 noch nicht. "Natürlich haben wir unsere Erwartungen und Ziele weit übertroffen. Aber: So nah am Weltmeistertitel dran zu sein und ihn dann nicht zu holen, das tut immer noch sehr weh", sagt der Teamchef von PrüstelGP Monate, nachdem die grandiose Saison endete und kurz bevor die neue startet. Marco Bezzecchi katapultierte das sächsische Team 2018 in der Moto3-Klasse nach langer Durststrecke auf Platz drei in der Endabrechnung.

Nun ist der Italiener in die Moto2 aufgestiegen. Es bleibt seine Nummer, die rote 12. "Das ist meine Zahl und sie hat uns Glück gebracht. Deswegen habe ich sie sofort wieder beantragt", verrät Prüstel. Filip Salaè erbt die 12. Die Fußstapfen für den 17-jährigen Tschechen könnten in seiner ersten WM-Saison größer nicht sein. "Das ist nicht der Anspruch an Filip", meint Prüstel.

Der junge Pilot selbst setzt sich hohe Ziele. "Ich will mich an jedem Tag auf der Maschine weiterentwickeln und bester Rookie der Saison werden", sagt Salaè. Die Konkurrenz unter den Neulingen ist groß. Can Öncü beispielsweise ließ den Tschechen vergangene Saison im Rookies-Cup weit hinter sich. Der Türke sorgte zudem im letzten Moto3-Rennen der vergangenen Saison für Furore, als er bei seinem Debüt mit einer Wildcard gleich die Stammpiloten düpierte und den Grand Prix gewann. Salaè zur Seite steht Stefan Kirsch. Der Bayer betreute zuletzt den deutschen WM-Starter Philipp Öttl, der gemeinsam mit Bezzecchi den Sprung von der Mot03 in die Moto2 schaffte. Kirsch ist gleichzeitig neuer Technischer Direktor des gesamten Rennstalls. Getrennt hat man sich vom Hohenstein-Ernstthaler Dirk Reißmann, der zuletzt als Sportdirektor fungierte.

Während Salaè für die Zukunft aufgebaut werden soll, muss sein Landsmann Jakub Kornfeil dieses Jahr die Punkte einfahren. Denn eines stellt Prüstel klar: "Auch wenn es schwierig wird: Das Ziel ist, das Niveau von 2018 zu halten." Kornfeil fuhr die vergangenen zwei Jahre für das Team vom Sachsenring, seit 2009 dreht er seine Runden in der Moto3. Kein Pilot in der kleinsten WM-Klasse hat mehr Erfahrung als der 25-Jährige. "In meinem Kopf schwirrt die Top3 als Ziel herum. Ob das realistisch ist, lässt sich vor dem Saisonstart schwer einschätzen. Aber Marco hat es vergangenes Jahr geschafft, also warum soll ich es nicht diese Saison schaffen?"

Kornfeils Problem war die Konstanz. In den vergangenen Jahren zeigte er ein ganze Reihe starke Rennen, allerdings verhagelte er sich häufig mit schwachen Qualifikationstrainings und damit hinteren Startplätzen das Wochenende. Seine Aufholjagden waren spektakulär, schlussendlich sprang für Kornfeil 2018 lediglich bei seinem Heimrennen in Brünn ein Podestplatz heraus. In seinen acht Jahren als Stammfahrer in der Moto3 stand er insgesamt viermal auf dem Treppchen. "Er ist unser Hoffnungsträger. Es sind zum Jahreswechsel viele Fahrer in die Moto2 aufgestiegen - es könnte seine Saison werden", zeigt sich Prüstel zuversichtlich.

Dass gleich zwei Tschechen für PrüstelGP an den Start gehen, ist nicht zwingend nach dem Geschmack des Teamchefs. "Wenn in Deutschland ein Talent da wäre, hätten wir es gern genommen", so Prüstel. Die Konstellation hilft den Sachsen aber bei der Sponsorensuche im Nachbarland. "Dort wird Motorradsport gelebt, die Entfernung zum Sachsenring ist auch nicht groß. Wir haben zwei Heim-Grands-Prix: in Sachsen und Brünn", sagt Prüstel, fügt aber an: "Etwa 80 Prozent der Sponsoren kommen aus der Region. Wir bleiben ein sächsisches Team und sind froh, dass die WM auch dieses Jahr am Sachsenring steigt."

Am ersten Juli-Wochenende gastieren die besten WM-Piloten auf dem Traditionskurs nahe Hohenstein-Ernstthal. Acht Grands Prix gehen vorher über die Bühne, der erste des Jahres am 10. März in Katar. Zum Heimrennen dürfte sich also bereits abzeichnen, ob die Messlatte des Vorjahres zu hoch liegt.

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