Höllenritt: Franzose Alaphilippe krönt starkes Solo mit Gelb

Erstmals siegt der Favorit: Frankreichs Bergkönig Alaphilippe gewinnt die erste hügelige Etappe bei der Tour de France. Nach dem Soloritt bekunden selbst die größten Rivalen des Lokalmatadors ihren Respekt.

Épernay (dpa) - Emotional überwältigt sackte Julian Alaphilippe auf dem Boden zusammen, auf dem Siegerpodium küsste er später lächelnd das Gelbe Trikot.

Der französische Hoffnungsträger hat den Gastgebern mit einem Höllenritt durch die Weinberge den ersten Etappensieg bei der diesjährigen Tour de France beschert. Auf der 215 Kilometer langen dritten Etappe von Binche nach Épernay trat Alaphilippe an der letzten Bergwertung unwiderstehlich an und fuhr allen Favoriten davon. «Ich bin sprachlos. Ich kann nicht fassen, was heute passiert ist. Von diesem Szenario habe ich geträumt», sagte der neue Gesamtführende, der auf dem Podium mit den Tränen zu kämpfen hatte.

Die Konkurrenz war indes verblüfft. «Er ist extrem stark. In diesem Jahr ist er bei diesen Anstiegen nicht zu schlagen», lobte der deutsche Meister Maximilian Schachmann vom Team Bora-hansgrohe. Der Berliner hatte am Côte de Mutigny versucht, den Angriff zu kontern, war aber chancenlos. Alaphilippe ist nach seiner Alleinfahrt der erste Franzose im «Maillot Jaune» seit Tony Gallopin vor fünf Jahren. Sein Teamchef bei Deceuninck-Quick-Step, Patrick Lefevere, versprach dem 27-Jährigen als Lohn Champagner.

«Ich habe mich gut gefühlt, also habe ich attackiert. Ich hätte nicht gedacht, dass ich alleine wegkomme», erklärte Alaphilippe, dessen Polster auf seinen belgischen Verfolger Wout Van Aert nun 20 Sekunden beträgt. Die Favoriten um Vorjahressieger Geraint Thomas und Egan Bernal kamen mit knapp einer halben Minute Rückstand ins Ziel, in dieser Gruppe blieben auch Schachmann und die deutsche Berghoffnung Emanuel Buchmann. «Ich war in der ersten Gruppe und hatte dort keine Probleme», sagte Buchmann sichtlich zufrieden.

Gelb-Träger Mike Teunissen von Tony Martins Team Jumbo-Visma musste seinen Siegen am Wochenende in Brüssel Tribut zollen und fiel fast fünf Minuten zurück. Rang zwei belegte Michael Matthews aus Australien, Dritter wurde der Belgier Jasper Stuyven.

Sie konnten dem starken Alaphilippe genauso wenig folgen wie die Mitfavoriten Van Avermaet aus Belgien und Grün-Träger Peter Sagan aus der Slowakei, die auf den Plätzen vier und fünf landeten. «Unser Schlusssprint war der Kampf um den ersten Verliererplatz», räumte Sagan ein. «Ich war überrascht, wie er das gemacht hat. Er war sehr stark.» Teamchef Lefevere lobte Alaphilippe: «Ziel war es, im Sprint zu gewinnen. Er hat den Plan aber über den Haufen geworfen. 15 Kilometer vor dem Ziel so anzutreten, das ist unglaublich.»

Die bisher schwierigste Etappe mit vier kurzen, aber steilen Anstiegen auf den letzten 42 Kilometern ließ den reinen Sprintern wie Dylan Groenewegen (Niederlande), Elia Viviani (Italien) oder dem Deutschen André Greipel keine Chance. Das Auf und Ab durch die Weinberge machte selbst routinierten Favoriten zu schaffen, bei den vier Bergprüfungen wurde viel attackiert und immer wieder das Tempo verschärft. Der kolumbianische Herausforderer Bernal nahm Vorjahressieger Thomas am Ende gar fünf Sekunden ab.

Das Jahr 2019 gehört zweifellos Alaphilippe, der bei der dritten Etappe der Tour schon seinen elften Saisonsieg einfuhr. «Ich war sehr motiviert. Der Parcours hat mir gelegen», bewertete der Franzose, der schon bei Mailand-Sanremo und beim Flèche Wallonne überzeugend gesiegt hatte. Alaphilippe räumte ein, dass es schon in den Vogesen schwer für ihn werde, im Gelben Trikot zu bleiben.

Am Dienstag (12.10 Uhr/One und Eurosport) bietet sich nach der ersten hügeligen Etappe die nächste Chance für die Sprinter. Auf den 213,5 Kilometern von Reims nach Nancy sind gerade einmal zwei Bergwertungen der vierten Kategorie zu bewältigen. Jumbo-Visma will dann nach dem Verlust des Gelben Trikots mit Top-Sprinter Groenewegen, der zum Auftakt böse gestürzt war, den dritten Etappensieg am vierten Renntag einfahren.

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