Kristin Gierisch mit Spaß bei der Sache

Obwohl die Form (noch) nicht passt, stellt sich die Chemnitzerin bei den Deutschen Hallenmeisterschaften in Leipzig und gewinnt Silber. Doch um die Medaille ging es nicht.

Leipzig.

Es war ein Sprung ins kalte Wasser, doch Kristin Gierisch ist nicht untergegangen. Bei ihrem Comeback auf der Wettkampfbühne kam die Chemnitzer Dreispringerin bei den Deutschen Hallenmeisterschaften der Leichtathleten in Leipzig auf Rang zwei. Ein Platz, mit dem eine völlig fitte Kristin Gierisch wohl gehadert hätte, doch am Sonnabend strahlte die Vizeeuropameisterin: "Ich bin superglücklich. Es ging hier überhaupt nicht um eine Medaille oder deren Farbe. Es ging darum, mal wieder einen Wettkampf zu springen, mal voll draufzuballern und zu gucken, ob man die Sprünge halten kann", sagte die 29-Jährige vom LAC Erdgas.

Bei 14,03 Metern landete sie in der ausverkauften Quarterback Arena, sechs Zentimeter kürzer als die siegreiche Nele Eckhardt (LG Göttingen). Die beiden befreundeten Athletinnen fielen sich nach dem Wettkampf in die Arme, wobei das Duell auf der Kippe gestanden hatte. "Mein Trainer und ich haben lange überlegt, ob wir uns der Sache überhaupt stellen", meinte Kristin Gierisch, die sich dann doch für einen Start entschied. "Meine Eltern haben sich extra Karten gekauft, viele Freunde sind hier. Ich wollte sie nicht enttäuschen und zeigen, dass ich wieder da bin und Spaß haben kann, auch wenn die Form eigentlich nicht so ist wie gewünscht."

Dass sie mit Spaß bei der Sache ist, sah man der Sächsin an. Mimik und Körpersprache signalisierten, dass sie ihr Comeback genoss. Kein Wunder, denn der letzte Wettkampf, in dem sie wirklich Spaß hatte, liegt lange zurück - im Juni 2019 war Kristin Gierisch in Garbsen zu einen neuen deutschen Rekord (14,61 Meter) geflogen. Doch seitdem plagten sie fast permanent gesundheitliche Probleme, die sogar zur WM-Absage führten. Den letzten Wettkampf hatte sie am 9. September absolviert.

Erst Ende November stieg die Bundespolizistin wieder ins Training ein. Der Körper meldete sich jedoch erneut. Bei ihrem Heimspiel, dem Chemnitzer Meeting am 7. Februar, lag sie krank im Bett und musste Antibiotika nehmen. "Unter diesen Umständen bin ich sehr zufrieden, was Kristin hier abgeliefert hat und eine 14 vor dem Komma steht", wertete Trainer Harry Marusch.

Defizite gibt es in erster Linie in puncto Schnelligkeit, was sich negativ auf den ersten Sprung auswirkt. "Wäre der Hop nicht gewesen, wäre ich heute deutlich weiter gesprungen. Das ist momentan mein Problem", weiß die ehrgeizige Athletin, woran sie neben ein paar "anderen Baustellen" arbeiten muss. Andererseits sagte sie: "Es ist beruhigend zu wissen, dass ich in schlechter Form 14 Meter springen kann. Dann kann ich in guter Form wahrscheinlich 14,50 und weiter springen." Mit Blickrichtung Tokio sicher keine schlechten Aussichten.

Doch bevor Kristin Gierisch die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele in Angriff nimmt - die Norm dafür hat sie mit ihrem Rekordsprung von Garbsen in der Tasche - steht erst einmal eine Woche frei auf dem Programm. "Die werde ich bei meinem Freund in München verbringen", verriet sie. Die Vorfreude darauf stand ihr ins Gesicht geschrieben, wobei das mit dem "frei" nicht ganz hinhaut. "Ich gebe ihr schon einen Trainingsplan mit", sagte Harry Marusch und fügte an: "Denn für eine optimale Olympia-Vorbereitung darf nicht mehr viel dazwischenkommen."

Bestleistungen und Medaillen

Katharina Maisch holte in Leipzig Silber im Kugelstoßen. Die 22-Jährige vom LV 90 Erzgebirge stieß 17,98 Meter und damit neue persönliche Bestleistung. "Darüber freue ich mich sehr, auch wenn es etwas ärgerlich ist, die 18 Meter verpasst zu haben. Das war eigentlich das Ziel für die Hallensaison", sagte Maisch, die Deutschland beim Winterwurf-Europacup in vier Wochen in Portugal vertreten wird. Der Sieg ging an Abwesenheit von Christina Schwanitz, die keine Hallensaison absolviert, an Alina Kenzel (Sindelfingen/18,14 m).

Vincent Vogel (Foto) steuerte mit Bronze im Dreisprung die dritte Medaille aus regionaler Sicht bei. Der LAC-Athlet sprang beim Sieg des Potsdamers Felix Wenzel (15,74 Meter) gleich im ersten Versuch mit 15,47 Meter persönliche Bestleistung. Vogel hatte bereits bei der Hallen-DM 2019 an gleicher Stelle Bronze gewonnen.

Lokalmatador David Storl (DHfK Leipzig) ließ bei den Kugelstoßern nichts anbrennen. Mit der Saisonbestleistung von 20,58 Metern untermauerte der gebürtige Rochlitzer, der wegen Rückenproblemen auf die Weltmeisterschaft 2019 in Doha verzichten musste, dass er auf dem aufsteigenden Ast ist.

Weitsprung-Weltmeisterin Malaika Mihambo (LG Kurpfal ) feierte nicht nur einen Sieg in ihrer Paradedisziplin, die sie mit 6,77 Meter für sich entschied. Auch über 60 Meter stand sie auf dem Podest. In 7,22 s belegte die 26-Jährige Platz zwei hinter Titelverteidigerin Lisa Marie Kwayie (Neuköllner SF), für die 7,21 s gestoppt wurden. Bemerkenswert: Mihambo stellte bei drei Starts jeweils neue persönliche Bestleistungen auf.


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