Offiziell: Ex-Weltmeister Rocchigiani bei Unfall in Italien verstorben

Der frühere Box-Weltmeister Graciano Rocchigiani ist bei einem Autounfall in Italien ums Leben gekommen. Einen entsprechenden Bericht der Bild-Zeitung und der B.Z. bestätigte die Polizei Brandenburg dem SID. Nähere Einzelheiten wurden nicht bekannt gegeben. "Rocky" wurde nur 54 Jahre.

Wie die Bild berichtete, ereignete sich der Unfall in der Nähe von Catania auf Sizilien. Dort soll seine italienische Freundin gewohnt haben. Rocchigiani soll zu Fuß am Rand der vierspurigen Schnellstraße unterwegs gewesen sein und um 23.30 Uhr von einem Smart erfasst worden sein. Am Steuer saß laut Polizeibericht ein 29-Jähriger. Der Aufprall war so heftig, dass die Windschutzscheibe des Kleinwagens durchschlagen wurde. "Rocky" war wohl auf der Stelle tot.

1988 wurde der Sohn eines sardischen Eisenbiegers bei den Profis IBF-Weltmeister im Supermittelgewicht. Zehn Jahre später gewann er im Halbschwergewicht den Titel der WBC. Insgesamt bestritt Rocchigiani 48 Profikämpfe und siegte 41-mal. 19-mal gewann er durch K.o.

Er galt über Jahre als einer der besten Profiboxer Deutschlands, fiel aber auch durch seine flotten Sprüche auf. Anfang des Jahres stieg er beim Fernsehsender Sport1 als Experte ein. "Es wird Zeit, dass mal wieder ein bisschen frisches Blut in die ganze Box-Geschichte kommt", hatte er sein Kommen angekündigt.

Rocchigiani war aber auch deshalb regelmäßig in den Medien, weil er ein Leben in Saus und Braus führte. Der Sohn eines sardischen Eisenbiegers erlernte im Westteil Berlins das Boxen, wurde zweimal Weltmeister, scheffelte Millionen, verprasste alles, stürzte ab und lebte lange von Hartz IV.

"In der Vergangenheit habe ich mich oft wie auf einer Achterbahn gefühlt. Für kurze Zeit ganz oben, als strahlender Sieger, und dann plötzlich wieder ganz unten, am Boden zerstört. Einmal fand ich mich im Straßengraben wieder und dreimal auch im Knast", sagte der Bad Boy des deutschen Boxsports einmal.

Am 22. März 1998 hatte sich der Rechtsausleger vor 9000 Zuschauern in der Berliner Max-Schmeling-Halle durch einen Sieg gegen den Amerikaner Michael Nunn den WM-Titel der WBC im Halbschwergewicht gesichert. Als erster deutscher Boxer widerlegte er das Motto "They never come back" und wurde zum zweiten Mal in seiner Karriere Champion.

Vier Monate später sorgte das World Boxing Council (WBC) für einen Eklat. Der Verband, in dem bereits Muhammad Ali Weltmeister war, ernannte plötzlich den Amerikaner Roy Jones zum neuen Champion. Rocchigiani fühlte sich bestohlen und zog in den USA vor Gericht. Am Ende wurden ihm 31 Millionen Dollar Schadenersatz zugesprochen. Dem WBC drohte der Konkurs, 2004 ging Rocchigiani auf ein Vergleichsangebot ein und bekam 4,5 Millionen Dollar. Es dauerte aber nicht lange, da war auch diese Summe durchgebracht.

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