Premiere und ein hoffnungsvoller Weg

In der Gewichtheber-Bundesliga hatte der Chemnitzer AC wie erwartet gegen den mehrfachen Titelträger AV Speyer keine Chance. Dennoch gab es beachtliche Leistungen.

Chemnitz.

Die höchste Punktzahl im Team - Julian Pianski feierte beim Vergleich der Gewichtheber-Bundesliga gegen den AV Speyer eine Premiere: Mit 139 Relativpunkten steuerte er die meisten Zähler im Team des Chemnitzer AC (CAC) bei. Die Gastgeber mussten zwar ohne die lettischen Gaststarter (bei einem Qualifikationsturnier für Olympia im Einsatz) wie erwartet gegen den mehrfachen Titelträger (zwischen 2015 und 2018 viermal in Folge), der zudem mit zwei starken Ausländern antrat, eine Niederlage (661,4:788) hinnehmen. Doch sie präsentierten sich ihren Möglichkeiten entsprechend vor den heimischen Fans mit beachtlichen Auftritten.

Allen voran der Torgauer, der seit 2012 am Bundesstützpunkt Chemnitz trainiert und die vierte Saison zur ersten Mannschaft gehört. So an der Spitze stand er aber bisher noch nie, wobei er auch mehrfach Ausfälle zu beklagen hatte. Doch aktuell befindet sich der 21-Jährige in starker Form. Er konnte sich zuletzt wieder kontinuierlich steigern, brachte sogar mehr Lasten (Reißen: 146 kg; Stoßen 180 kg) zur Hochstrecke als am vergangenen Wochenende bei den Deutschen Meisterschaften in Obrigheim. Da hatte er mit Silber (144; 179) in der Klasse bis 96 Kilogramm seine erste Medaille bei den Männern erkämpft.

Trotz der selten schönen Momentaufnahme in der Bundesliga zeigte sich Julian Pianski selbstkritisch. "Ich wollte eigentlich etwas mehr machen, noch näher an meine Bestleistungen herankommen", meinte er und haderte mit seinem einen Fehlversuch im Stoßen. Doch auch fünf gültige Auftritte schafft er nicht so oft, da sich technisch immer wieder Probleme einschleichen. Aber dieses Mal trat er ebenso kämpferischer auf. "Wenn es beim Aufwärmen nicht so läuft, bekommst du dann aber auf der Bühne immer ein ganz anderes Gefühl. Das Publikum pusht", schwärmt der Hoffnungsträger. Auch CAC-Trainer Andreas Rehwagen fand lobende Worte: "Es geht bei Julian endlich wieder aufwärts. Er kommt in die erhofften Regionen, wirkt stabiler."

In den zurückliegenden Jahren musste Julian Pianski mehrfach Rückschläge verkraften, stand nicht eine Saison lang kontinuierlich dem Team zur Verfügung. International konnte er sich im Nachwuchsbereich bereits sehr gut behaupten, kam bei EM der Jugend sowie Junioren jeweils auf Rang fünf, wurde bei der Junioren-WM 2018 Sechster. Sorgte 2013 das Pfeiffersche Drüsenfieber für einen längeren Ausfall, konnte er in der vergangenen Saison wegen zweier Daumenverletzungen (eine beim Volleyball zugezogen) und einer Erkrankung (Gürtelrose) nur einen Wettkampf bestreiten. Erst seit Sommer trainiert er unter den Fittichen von Petr Hrubý wieder kontinuierlich. Deshalb war der Zug für internationale Einsätze abgefahren. Umso mehr will er im nächsten Jahr wieder angreifen, sich als nächsten Schritt für die U-23-EM qualifizieren. Nach erfolgreichem Abitur absolviert er derzeit ein Bundesfreiwilligenjahr im Verein, hat sich für einen Platz in der Sportfördergruppe der Polizei beworben.

Denn Julian Pianski hat noch viel vor, möchte sich später auch bei den Männern für Topereignisse qualifizieren. Ehe der Countdown im Januar aufs Neue beginnt, verbringt er über den Jahreswechsel mit Freundin Maria ein paar Urlaubstage auf Teneriffa.

Abschied nach sechs Jahren und ein unverhoffter Start

Philip Kudzik (Foto) erhielt dieses Mal auf der Bühne Geschenke: als Dank ein Räuchermännchen und seinen CAC-Heberanzug. Denn er wurde feierlich aus der Mannschaft verabschiedet. Seit 2013 war der gebürtige Schwedter eine zuverlässige Stütze in der Bundesliga. Das Highlight mit den Team erlebte er beim Gewinn des Meistertitels 2014, dazu kamen Silber und Bronze.

Der 25-Jährige berichtete danach, dass ihm der Abschied emotional sehr berührte. "Es war schon komisch, als mein Name nicht mehr auf der Liste erschien. Und es kribbelte, als die anderen gehoben haben", meinte der dreifache Junioreneuropameister von 2013 und sprach von einer tollen Zeit in familiärer Atmosphäre, die er beim CAC erlebte.

Im Frühjahr hatte er sich entschieden, beruflich einen neuen Weg zu gehen. Er verpflichtete sich für zwölf Jahre bei der Bundeswehr, gehört einem Panzergrenadierregiment an. Nebenbei sich intensiv den Hanteln zu widmen, ist da nicht mehr möglich.

Hendrik Wetzel, mit 37 Jahren der Routinier im Team, sprang kurzfristig ein, da Leonie Mercedes Martin erkrankte. Eigentlich waren seine Einsätze erst für 2020 geplant. Nach nur drei Wochen Vorbereitungszeit begeisterte er wieder auf Anhieb.

CAC-Einzelergebnisse: Pianski 139 Punkte (R.: 146; St.: 180); Friedrich 126,2 (136; 165); Janta 119 (115; 143); Perthel 111 (142; 166); Wetzel 85,2 (120; 128); Pichler 81 (88; 117). (mm)

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