Rund um Zschopau: Franzose lässt Team aus Flöha jubeln

Theo Espinasse gewann Rund um Zschopau. Für Marcus Kehr, selbst dreifacher Sieger der traditionsreichen Enduro-Veranstaltung, bedeutete der Erfolg eine Premiere. Er war aber nicht nur als Teamchef gefordert.

Zschopau.

Dreimal hatte Marcus Kehr als Enduropilot über einen Erfolg bei Rund um Zschopau gejubelt, am Samstagabend stieß er im Festzelt auf dem ehemaligen Kinoplatz erstmals als siegreicher Teamchef an. "Wir haben Theo gesagt: Er darf nur mit zur Party gehen, wenn er gewinnt", erklärte der Flöhaer lachend. Theo Espinasse hatte sich das kühle Kaltgetränk am Abend redlich verdient. Den Prolog am Freitag hatte der Franzose bereits für sich entschieden, am Sonnabend distanzierte der 21-Jährige die gesamte deutsche Enduro-Elite. "Es war ein guter Tag für mich auf einer anspruchsvollen Strecke. Ich möchte mich sehr bei Marcus bedanken", resümierte der Sherco-Pilot.

1:28,89 Minuten Vorsprung auf den zweitplatzierten Dennis Schröter (Crinitz/Husqvarna) fuhr Espinasse heraus. Eine Überraschung war der Sieg im klassenübergreifenden Championat und in der E2-Klasse nicht: Der Youngster aus Albi war der einzige waschechte Profi im Fahrerfeld. Der Sherco-Werksfahrer hatte erst vor zwei Wochen die Saison in der Juniorenklasse der WM als Vizemeister beendet. "Wir arbeiten sehr intensiv mit Sherco zusammen. Und so eine Marke möchte natürlich auch auf dem deutschen Markt punkten. Und Rund um Zschopau ist einfach die Vorzeigeveranstaltung", erklärte Kehr, warum der französisch-spanische Motorradhersteller einen seiner Topfahrer zu einem Lauf der Deutschen Enduro-Meisterschaft schickt.

Eine knappe Woche hatte sich der künftige WM-Pilot Espinasse im Erzgebirge mit Kehr auf Rund um Zschopau vorbereitet. "Wir haben auf unserer Hausstrecke vom MC Flöha ein bisschen getestet. Ein paar kleine Tipps habe ich ihm gegeben. Aber solchen Jungs, die regelmäßig WM-Läufe absolvieren, muss man nicht mehr viel helfen", sagte der Teamchef und Besitzer der Marco-Kehr-Scherco-Academy.

2015 hatte Kehr, der ein Motorradgeschäft in Flöha betreibt, seinen eigenen Rennstall gegründet. Am Sonnabend freute sich der mehrfache Deutsche Meister und einstige WM-Pilot aber nicht nur über den Sieg seines kurzzeitigen Schützlings aus Frankreich. "Wir sind auch sehr glücklich mit unseren anderen Fahrern, allen voran mit Luca Fischeder. Er hat die Juniorenklasse in der Deutschen Meisterschaft gewonnen und im Championat einen starken sechsten Platz geholt. Das ist eine sensationelle Leistung", sagte Kehr. Am Freitag im Prolog hatte das 20 Jahre alte Talent aus Geringswalde zudem die deutlich erfahrenere Konkurrenz lange angeführt, bis Espinasse noch einen draufsetzte.

Das gute Abschneiden seines Teams verfolgte Kehr während des Rennes aber nur sporadisch. Der Flöhaer saß nämlich nicht vor dem Zeitenmonitor, sondern selbst auf der Maschine. Als Vorfahrer absolvierte der 36-Jährige die kompletten drei Runden vor dem Feld. "Ich bin seit diesem Jahr im Vorstand des MSC Rund um Zschopau und als Streckenmacher mit dabei. Wir haben von der Schwierigkeit her ein bisschen angezogen. Und um Kritikern aus dem Fahrerfeld im Vorhinein den Wind aus den Segeln zu nehmen, bin ich vornweg gefahren. Wenn ich das packe, dann muss es für die deutschen Spitzenpiloten auch machbar sein", meinte Kehr.

Auch der Sieger schob nach den 255 Kilometern seine Maschine erschöpft in den Parc Fermé. "Die Strecke ist anspruchsvoll - wie bei einer WM", schätzte Espinasse ein. "Es war für mich auch ein guter Test für nächstes Jahr." Vom 8. bis 10. Oktober 2020 kommen wieder alle Weltklassepiloten ins Erzgebirge, denn Rund um Zschopau ist dann Finallauf der Enduro-WM. "Da wir werden uns im Vergleich zu diesem Jahr sicher noch einmal etwas einfallen lassen", versprach Kehr. "Wir haben ja bei Theo gesehen, was WM-Piloten zu leisten imstande sind - und er ist noch ein Juniorenfahrer."


Erzgebirger zweimal auf dem Podest 

Andi Beier aus Krumhermersdorf entschied die Klasse E1 für sich. "Ich habe mich in der ersten Runde nicht so wohl gefühlt, habe mich dann aber reingekämpft", sagte der Erzgebirger. Der 32 Jahre alte KTM-Pilot baute seinen Vorsprung in der Deutschen Enduro-Meisterschaft (DEM) auf 19 Zähler aus. In zwei Wochen steht der letzte DEM-Lauf in Tuchheim an.

Im klassenübergreifenden Championat durfte der Erzgebirger vom Zschopauer Sturm-Team am Samstagabend ebenso auf das Podium steigen. Hinter Theo Espinasse und Dennis Schröter wurde Beier Dritter. "Wenn man bedenkt, dass ein WM-Fahrer am Start war, kann ich mit dem Ergebnis leben - auch, wenn ich mir andere Zeiten vorgenommen habe", lautete das Fazit des Lokalmatadors, dem die Zuschauermassen auffielen. "Normalerweise bin ich so fokussiert, dass ich nicht viel davon mitbekomme. Aber dieses Jahr war der Zuspruch gigantisch."

Edward Hübner aus Penig verpasste das Treppchen im Championat denkbar knapp. 6,18 Sekunden lag er hinter seinem Teamkollegen Beier zurück. "Ich bin überall gut durchgekommen und bin nur in einem Endurotest kurz gestürzt, was aber nichts Wildes war. Klar wäre ich lieber Dritter als Vierter geworden. Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden", erklärte Hübner. Der 31 Jahre alte KTM-Pilot belegte in der E2-Klasse hinter Espinasse den zweiten Rang. Da der Franzose aber nicht in der DEM startet, nahm der Peniger für die Meisterschaft die maximale Punktausbeute mit.

Vorjahressieger Dennis Schröter konnte am Sonnabend seinen Erfolg zwar nicht wiederholen, festigte aber im klassenübergreifenden Championat als bester deutscher Pilot seine Spitzenposition in der DEM. Das galt auch für die Gesamtwertung in der E1-Klasse, in der der Husqvarna-Piloten aus dem brandenburgischen Crinitz den Tagessieg holte. (sesi)

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...