Sophie Scheder meldet sich eindrucksvoll zurück

Die Chemnitzerin zeigte bei der zweiten Qualifikation für die Heim-WM nach ihrer Verletzungspause einen fehlerfreien Vierkampf. Ob es für sie und für Pauline Schäfer für ein Ticket reicht, bleibt bis zur Entscheidung spannend.

Worms.

Auf ihr Bauchgefühl will sich Ulla Koch nicht verlassen. Der Computer allein soll entscheiden, welche Athletinnen Deutschland bei den Heim-WM vom 4. bis 13. Oktober in Stuttgart vertreten dürfen. "Wir haben ein System, da gebe ich von jeder Turnerin ein Best of ein. Dann drücke ich auf einen Knopf, und die Mannschaft ist da", erklärte die Bundestrainerin nach dem Länderkampf am Sonnabend in Worms, den die eigene Riege mit 163,80 Punkten vor Belgien (161,25) und Frankreich (161,15) gewann.

Wie das Team aussehen wird, darauf war die 64-Jährige selbst so neugierig, dass sie noch auf der Heimfahrt von der auch als zweite nationale WM-Qualifikation geltenden Vergleich die Auswertung starten wollte. Die Kandidatinnen selbst, zu denen mit Sophie Scheder, Pauline Schäfer und Lisa Zimmermann gleich drei Chemnitzerinnen zählen, werden am Dienstag telefonisch informiert. Öffentlich bekanntgegeben wird das Quintett, das bei der WM auch das Ticket für die Olympischen Spiele lösen soll, bei einem Medientag am Donnerstag.

Sophie Scheder blickt nach ihren Auftritten vor 1100 Zuschauern etwas ruhiger auf die Wahl. Wegen eines Muskelfaserrisses im Oberschenkel hatte die Olympiadritte am Stufenbarren die erste Qualifikation zwei Wochen zuvor in Stuttgart verpasst und somit nur die eine Chance, sich für einen Platz im Team zu empfehlen. Diese wusste die 22-Jährige bestens zu nutzen. An allen Geräten zeigte sie eine souveräne Leistung und ordnete sich mit 53,85 Punkten hinter Mehrkampfsiegerin Elisabeth Seitz aus Stuttgart (54,60) und der Belgierin Aline Friess (54,40) auf dem dritten Platz ein. "Ich freue mich mega, dass ich so eine konstante Leistung abgeliefert habe", meinte die 22-Jährige und fügte hinzu: "Im Großen und Ganzen bin ich zufrieden. Und ich habe eigentlich noch mehr drauf." Wegen der unfreiwilligen Pause durfte sie drei Wochen nur am Barren turnen, die anderen Geräte gar nicht. Deshalb musste sie die Schwierigkeiten in ihren Übungen auch herunterschrauben. Erst am Donnerstag konnte sie beispielsweise wieder ihr komplettes Bodenprogramm absolvieren. "Der Einsatz stand auf Messers Schneide. Ich bin stolz, wie Sophie das nach dem wenigen Training gemacht hat, einfach toll", zeigte sich ihre Heimtrainerin Gabi Frehse begeistert.

Ein großes Lob verteilte auch Ulla Koch: "Ein super Comeback von Sophie. Sie hat sich mental sehr verbessert und arbeitet sehr hart." Eine halbe Stunde bevor andere die Halle betreten, sitzt die ehrgeizige Gerätkünstlerin schon auf dem Ergometer und hängt am Ende der Einheiten auch noch zusätzliches Krafttraining dran. "Alles, was sie machen kann, macht sie so intensiv wie möglich", erzählte die Teamchefin, sodass die seit 2016 immer wieder von Verletzungen und Krankheiten zurückgeworfene Athletin stets auf hohem Niveau wieder einsteigen kann. Durch die jüngste Schonung der Oberschenkelmuskulatur machen sich zwar die Knieprobleme wieder bemerkbar. Aber diese sollen sie ebenso wenig wie andere Rückschläge von ihrem Ziel, WM-Teilnahme, abhalten.

Weniger zufrieden verließ Pauline Schäfer die Wettkampfhalle. Zwar konnte sich die 22-Jährige im Vergleich zur ersten Qualifikation an Sprung (13,90) und Boden (12,50) steigern. Doch ausgerechnet an ihrem Paradegerät, dem Schwebebalken, musste die Weltmeisterin von 2017 kämpfen und beim Seitwärtssalto absteigen (12,10). "Ich weiß nicht, warum. Ich habe mich eigentlich gut gefühlt und auch gut eingeturnt", ärgerte sich die 22-Jährige, die mit 51,80 Punkten im Mehrkampf erneut den vierten Platz in der nationalen Rangliste belegte, wobei die Stuttgarterin Kim Bui und die Kölnerin Sarah Voss aus gesundheitlichen Gründen nicht an allen Geräten antraten. Die Hoffnung von Pauline Schäfer, trotzdem für die WM berücksichtigt zu werden, ruht jetzt vor allem auf der starken Leistung (13,85), die sie bei der ersten Qualifikation auf dem nur zehn Zentimeter schmalen Balken präsentiert hatte. "Es wird knapp", sagte Schäfer. "Mal seh'n, was Frau Koch mit dem Computer noch zaubert."

Fest steht derweil, auch ohne Technik, dass es für Lisa Zimmermann noch kein WM-Debüt geben wird. Die 16-Jährige, die in einem Mixed-Team stand, verbuchte Stürze an Barren und Balken, zeigte aber eine überragend Bodenübung. "Lisa hat sich in kurzer Zeit so stark entwickelt, ihre Zeit kommt noch", meinte Gabi Frehse. mit mm

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