Ungewisser Zukunft: Tour de Ski ohne deutschen Etappenort

In diesem und im nächsten Winter muss die Serie der Skilangläufer ohne deutsche Station auskommen. Und auch für 2022 deuten sich Probleme an. 13 Jahre nach der Erstauflage sind neue Ideen gefragt. Der mörderische Schlussanstieg fasziniert aber immer noch.

Lenzerheide (dpa) - Lucas Bögl neigt zum Masochismus. «Meine Lieblingsetappe ist der harte Schlussanstieg», sagt Deutschlands derzeit bester Skilangläufer vor der Tour de Ski, die am Samstag im Schweizer Lenzerheide anfängt und am 5. Januar hoch über dem italienischen Val die Fiemme endet.

3,7 Kilometer lang, 425 Höhenmeter, drei 28 Prozent steile Passagen - die mörderische Rampe bleibt das Alleinstellungsmerkmal der Serie, die in ihre 14. Auflage geht.

Doch die Tour hat an Schwung verloren, seit sich der Schweizer Jürg Capol und der Norweger Vegard Ulvang das Format kurz nach einer Tour de France der Radprofis beim Brainstorming in der Sauna überlegt hatten. Zum zweiten Mal findet eine Tour de Ski ohne einen Gastgeber auf dem für Sponsoren und Sender wichtigen deutschen Markt statt. Oberstdorf beteiligt sich wegen der WM 2021 in diesem und im nächsten Winter nicht.

«2022 stehen wir wieder mit Oberstdorf bereit», kündigte Andreas Schlütter, der Sportliche Leiter im Deutschen Skiverband, im Gespräch mit der Deutschen Presse-Agentur an, doch gerade die Auflage im Olympiajahr hat Tücken. Die Winterspiele in Peking finden ab dem 4. Februar und damit ungewöhnlich früh statt und noch dazu in einer Höhe von rund 1500 Metern. «Viele Athleten werden frühzeitig ins Höhentrainingslager gehen», vermutet er. Der Thüringer ruft deshalb nach neuen Ideen. Innovation in diesem Winter: Die Schlussetappe wird erstmals als Massenstartrennen ausgetragen.

Der eigentlich attraktive Termin zwischen Weihnachten und Dreikönig, an dem sich die Langläufer an die Vierschanzentournee der Skispringer lehnen, hat seine Tücken. «Zu der Zeit vermieten die Hotels ihre Zimmer lieber für zwei Wochen an Urlauber als an zwei Tagen für Sportler», sagte Schlütter. Für die Rennen an Silvester und Neujahr im italienischen Toblach wohnt das DSV-Team 15 Kilometer vom Wettkampfort entfernt.

Im «Mix von verschiedenen Wettkampf-Formaten und den verschiedenen Ländern» als Stationen, sieht der heute für den Internationalen Skiverband Fis als Marketing-Direktor tätige Capul die besondere Qualität der Tour. An Internationalität mangelt es in diesem Jahr, da nur die Schweiz mit Auftaktort Lenzerheide und Italien vertreten sind. Der Versuch, Vaduz in Liechtenstein zu gewinnen, scheiterte in einer Bürgerbefragung zur Finanzierung.

Die deutschen Skilangläufer gehen ohne konkrete Platzierungsziele in die Serie. «Bei den Jungs geht's in erster Linie um die Gesamtwertung und allgemein ansprechende Einzelleistungen, bei den Mädels um gute Leistungen vor allem in den Spezialdisziplinen», teilte Teamchef Peter Schlickenrieder mit. Das zwölfköpfige DSV-Aufgebot führen die im Gesamt-Weltcup am besten platzierten Athleten an: Victoria Carl (Zella-Mehlis/24. Rang) und Bögl (Gaißach/34.).

Anders als in früheren Wintern ohne WM oder Olympia deklariert der DSV die Tour in diesem Jahr nicht als Saisonhöhepunkt. Die Weltcups in Lahti und Oslo Ende Februar und Anfang März nennt Schlickenrieder als «sportlichen Höhepunkt» dieser Saison, weil sie genau ein Jahr vor der Heim-WM liegen und damit ein Gradmesser für die Belastungssteuerung durch den Winter sind.

Erste Anwärter auf die Gesamtsiege sind die Norweger mit den in der Saisonwertung führenden Therese Johaug und Johannes Kläbo.

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