Eine Chemnitzer Firma bringt Bewegung ins Kinderzimmer

Die Unterlagen sollen Kindern beim Kreieren eigener Spielwelten helfen. Idee und Produkt stammen aus der Stadt, der Grundstoff aber nicht.

Sonnenberg.

Es war Weihnachten 2015, als Ronny Graupner beim Spielen mit der Tochter eine Idee kam. Er hatte ihr einen Bauernhof mit kleinen Figuren geschenkt, doch auf dem 55 mal 55 Zentimeter großen Tisch, auf dem sie Gebäude und Tiere gruppierte, sei der Hof nicht so zur Geltung gekommen, erinnert sich Graupner. "Es passte nicht richtig." Also habe er sich kurzerhand an den Computer gesetzt und auf einem DIN-A4-Blatt und mit Hilfe eines Bildbearbeitungsprogrammes "was zusammengemalt". Es entstand eine grüne Landschaft - "eine Kulisse, auf der meine Tochter gespielt hat, eine neue Spielwelt, in die sich der Bauernhof gut einpasste", so der Chemnitzer.

Zwölf Monate später rollt Graupner auf einer Tischplatte eine 55 mal 55 Zentimeter große Matte aus. Sie ist grün, dünn und rutschfest und zeigt eine Wiesenlandschaft. Mit Benjamin Graupner, seinem Bruder, und Thomas Schaatschneider, einem Geschäftskollegen, hat er die Spielidee vom Weihnachtsfest 2015 in die Tat umgesetzt und die Firma Playmatt - Quadratische Spielwelten gegründet, deren Geschäftsführer er ist. Neben der grünen Matte entstanden bisher weitere 18 Versionen, darunter Spielunterlagen für einen Flughafen, den Straßenverkehr und eine Insel. Die Matten können auf dem Boden und auf Tischen ausgebreitet und miteinander kombiniert werden. Zudem seien die Quadrate aus Naturkautschuk und Polyester, die leicht eingerollt werden können, elternfreundlich, meint Graupner. Sie reduzierten nicht nur Spielgeräusche und seien frei von Schadstoffen, sondern könnten nach einem Malheur auch mal in die Waschmaschine gesteckt werden, so der Geschäftsführer. "Sie sind hinterher wie neu", betont er nach eigenen Tests.

Doch erst die laut Graupner guten Urteile von Eltern aus dem Familien- und Freundeskreis des Chemnitzer Unternehmers haben ihn und seine zwei Mitstreiter auf die Idee gebracht, die Unterlagen herzustellen und zu verkaufen. "Wir hatten Prototypen der Spielmatten angefertigt und diese in die Kinderzimmer gegeben. Dort kamen sie bei den Drei- bis Zehnjährigen super gut an", erinnert sich Graupner.

Seit November des vergangenen Jahres werden die Spielmatten nun verkauft, und obwohl sie von der Firma Playmatt unter dem Slogan "Made in Germany" hergestellt werden, könnte es fast genauso gut "Handmade in Chemnitz" heißen, sagt Graupner.

Bis auf den Naturkautschuk, den es in Deutschland nicht gibt und der importiert werden muss, seien die Matten ein Produkt aus Chemnitz, so der Geschäftsführer. Nicht nur die Idee zu dem Spiel-Accessoire entstand in der Stadt. Graupners Vorstellungen zu den Spielewelten setzt eine Chemnitzer Illustratorin um. Die Zeichnungen werden anschließend in eine Werkstatt an der Dresdner Straße weitergeleitet. Dort bedruckt Thomas Schaatschneider die dünnen Kautschuk-Polyester-Matten. Der Vertrieb der Spielwelten, das Marketing sowie der Online-Auftritt www.playmatt.de liegen in den Händen von Ronny Graupner. Für technische Herausforderungen, beispielsweise mit Internet-Suchmaschinen oder dem Online-Shop, ist sein Bruder, ein Programmierer, zuständig.

Bisher läuft das Geschäft mit den Unterlagen noch nebenbei. Drei bis vier Bestellungen täglich seien vor Weihnachten in der Firma eingegangen, hinzu kommt der Verkauf in einem Spielzeugladen in der Sachsen-Allee, sagt Graupner. Ihm sei wichtig, dass die Matten nicht nur im Internet, sondern auch klassisch im Einzelhandel angeboten werden. Vor allem deshalb, weil die Eltern das Produkt im Laden in die Hand nehmen können. Zwar habe er mit seinem Haupterwerb, einem Designstudio, jede Menge zu tun, doch Graupner will das Marketing für Playmatt intensivieren und liebäugelt zudem damit, demnächst eine Stelle in dem Jungunternehmen zu schaffen. Vertrieb, Kundenmanagement, Versand - es gebe viel zu tun. Auch der Tüv soll die Spielmatten prüfen.

Und Ronny Graupner hat weitere Ideen. Noch im Laufe dieses Monats will er eine Matte anbieten, die von Kunden am Computer selbst gestaltet werden kann - ganz nach den Spielvorlieben des jeweiligen Kindes.

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