Sternquell hat ein neues Sudhaus

Bisher musste Sternquell seine Bier-Würze quer durch die Stadt fahren. Jetzt kochen die Brauer ihren Sud dort, wo sie das Bier gären und abfüllen. Für das alte Firmengelände geht es aufs Ende zu.

Plauen.

Das Plauener Bier kommt nun komplett aus dem Industriegebiet Neuensalz an der A 72. Dort, wo längst gegärt und abgefüllt wird, hat die Brauerei ihr neues Sudhaus in Betrieb genommen - beim Bierchen im Beisein des Staatssekretärs aus dem Wirtschaftsministerium.

Landrat Rolf Keil (CDU) sieht in der Millionen-Investition ein Bekenntnis der Kulmbacher Gruppe zum Standort. "Der Gedanke, Plauen könnte zur Abfüllstation für anderes Bier werden, ist jetzt weit weg." In dem Sudhaus im Industriegebiet wird die Würze des Bieres gekocht. Das spart Arbeit, denn bisher gab es zwei Stationen in Plauen, an denen sich das kühle Blonde zusammenbraute. Der Sud, die Würze, kam aus dem Sudhaus an der Dobenaustraße. Mitarbeiter brachten ihn danach mit Lastern ins Industriegebiet Neuensalz zum Gären und Abfüllen.

Dass das Sudhaus als Herz der Brauerei nun in Neuensalz steht, ist keine Überraschung. Sternquell ist seit den 1990er-Jahren Stück für Stück Richtung Autobahn umgezogen. 1995 war mit dem Logistikzentrum der erste Teil hier in Betrieb gegangen. Auch die Hülle des Sudhauses stand bereits. Die knapp 20 Mitarbeiter der Verwaltung bleiben vorerst in ihren Büros an der Dobenaustraße, heißt es aus der Geschäftsführung. Allerdings suche man Nachnutzer für das Gelände. "Wir sind offen für jede Idee", sagte Manager Thomas Münzer. Eingeschaltet hat sich Plauens Wirtschaftsförderer Eckhard Sorger. Eine Industrieansiedlung sei dort unwahrscheinlich aufgrund der Wohnhäuser in der Nachbarschaft. Man brauche eine Nachnutzung mit wenig Lärm.

Staatssekretär Stefan Brangs, bekannte sich indes als Sternquell-Trinker: "Mein Favorit im Sommer ist Naturradler." Bier sei ein Wirtschaftsfaktor in Sachsen. Der Freistaat braue 50 Prozent mehr Bier als die übrigen Bundesländer im Durchschnitt. Die Branche trage zur Imagebildung bei. "Bei Deutschland denkt man auch an gute Biere", sagte Brangs. Sternquell habe es geschafft, auf neue Technik und Fortbildung zu setzen. Zudem hätten die Plauener gut beobachtet, was sich verkaufen lässt, und eine Reihe Spezialbiere erfolgreich platziert.

In Neuensalz arbeiten die Brauer in zwei bis drei Schichten - je nach Saison. Geschäftsführer Jörg Sachse sprudelte beim Anblick der neuen Technik vor Euphorie. Nach der Wende sei ihm das Herz in die Hose gerutscht. Damals kämpften ostdeutsche Brauereien mit Umsatzeinbrüchen, Ostdeutsche tranken sich durch bekannte Westsorten. "Es gibt genügend große Brauereien, die ihre Pforten schließen mussten", sagte Sachse. Nun stieß er auf die Hightech-Zukunft bei Sternquell an.


Fakten zum Sudhaus

Pro Sud-Durchgang verbraucht die Brauerei vier Tonnen Malz. Daraus entstehen 70.000 Gläser Bier.

Der Läuterbottich als größter Behälter (4,5 Meter Durchmesser) kam übers Dach angeliefert. Alle anderen Gefäße kamen ebenfalls von oben.

Verlegt wurden fünf Kilometer Rohrleitungen und 15 Kilometer Elektro- und Datenkabel. (manu)

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