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Blick in die Zukunft: Hans Ulrich Richter hat eine Lösung für die Nachfolge seiner Firma gefunden. Jetzt feierte er mit Mitarbeitern und Geschäftspartnern Richtfest für eine neue Produktionshalle, die derzeit auf dem Firmengelände für rund drei Millionen Euro entsteht.

Foto: Andreas Seidel

Warum ein Chef seine Firma verschenkt

Um ein Unternehmen vor dem Verkauf zu schützen, hat der Eigentümer eine völlig ungewöhnliche Idee umgesetzt. Und damit freiwillig alle Entscheidungen aus der Hand gegeben.

Von Sandra Häfner
erschienen am 17.06.2017

Eigentlich hätte es sich Hans Ulrich Richter einfach machen und sein Unternehmen verkaufen können. "Dann säße ich jetzt vielleicht in einer Villa und würde den Ruhestand genießen", sagt der Geschäftsführer des Verpackungsunternehmens Richter und Heß. Doch wäre der Verkauf auch für seine Firma die beste Lösung gewesen? Auf keinen Fall, sagt Richter.

Im September feiert der Chemnitzer seinen 74. Geburtstag. Sorgen um die Weiterführung seines Unternehmens, das er seit 1990 aufgebaut hat, plagen den studierten Maschinenbauer inzwischen nicht mehr. Zum einen hat er frühzeitig Nachfolger eingearbeitet, die schon jetzt die täglichen Geschäfte führen. Zum anderen fand Richter einen neuen Eigentümer - ohne dass er seinen Betrieb verkauft hätte. Er hat ihn verschenkt. Richter gründete eine Stiftung, in die er das Unternehmen überführte. Damit gab er sein Lebenswerk aus den Händen, um für die Mitarbeiter Sicherheit zu schaffen, wie er sagt. "Die Firma kann jetzt nicht mehr verkauft werden, das war mir am wichtigsten." Rund 120 Beschäftigte sind in der Chemnitzer Zentrale sowie in den Standorten Bitterfeld, Meerane, Elterlein und im polnischen Wroclaw tätig.

Damit hat Richter eine völlig ungewöhnliche Nachfolge-Regelung gefunden, sagt Referatsleiterin Franca Heß von der Industrie- und Handelskammer (IHK). Am häufigsten würden in der Region Südwestsachen innerhalb der Familie neue Inhaber gesucht. In Westdeutschland hingegen sei die Praxis, ein Unternehmen in eine Stiftung zu überführen, schon gängiger.

Der Stiftungs-Entscheidung für Richter und Heß war ein langer Prozess vorausgegangen. Zu oft habe er in seiner beruflichen Tätigkeit beobachtet, wie es mit Firmen nach einem Inhaberwechsel weitergegangen ist, sagt Richter. Vor allem ein Beispiel blieb ihm im Gedächtnis. Eine Firma mit mehreren hundert Mitarbeitern wurde nach dem Tod des Alteigentümers zunächst von dessen Kindern weitergeführt und dann doch nach wenigen Jahren verkauft und ins Ausland verlagert. Das habe sich ihm tief eingeprägt "Und da habe ich mir gedacht: Das wird dir nicht passieren", sagt Richter. Gemeinsam mit den international agierenden Wirtschaftsprüfern von Pricewaterhouse-Coopers wurde die Chemnitzer Firma innerhalb eines Jahres in die neue Stiftung überführt. Gekostet hat das einen fünfstelligen Betrag, sagt Richter. Die strategischen Entscheidungen im Unternehmen trifft jetzt ein dreiköpfiger Stiftungsrat, besetzt mit einer Rechtsanwältin, einem Hochschulprofessor aus der Verpackungsmittelbranche sowie einem Mitarbeiter der Wirtschaftsprüfer. Sie tragen die Verantwortung für die Firma, berufen die Geschäftsführer und seien für den Erhalt sowie die Entwicklung der Firma zuständig. In der Stiftungssatzung ist unter anderem festgehalten, dass das Unternehmen nicht verkauft werden darf. Der erwirtschaftete Gewinn werde wieder investiert, sagt Richter.

Zum Beispiel in eine neue Produktionshalle, die derzeit auf dem Firmengelände entsteht. Kosten für Bau und Maschinen beziffert er auf rund drei Millionen Euro. Gestern feierte Hans Ulrich Richter mit seinen Mitarbeitern Richtfest. Die Geschäfte der Firma, die sich auf Gefahrgutverpackungen spezialisiert hat, laufen gut, sagt er. Seitdem die Firma 2009 auf das Gelände an der Werner-Seelenbinder-Straße umgezogen ist, habe sich der Umsatz verdreifacht.

 
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