Zwei Hohenstein-Ernstthaler erfinden Portal für Handwerker

Zu viele oder zu wenige Aufträge, eine dringend benötigte Baumaschine, fehlendes Werkzeug - Alltag im Baugewerbe. Hilfe gibt es jetzt unkompliziert im Internet. Die Testphase läuft gerade an.

Hohenstein-Ernstthal.

Seit Mai ist das Internetportal www.deinhandwerk.de in der Testphase - eine Plattform von Handwerkern für Handwerker. "Deutschlandweit gibt es nichts Vergleichbares", sagt Anne Urbig aus Hohenstein-Ernstthal. Die 30-jährige Kauffrau hat dieses Handwerkerportal aufgebaut und damit im selben Atemzug auch ihre eigene Firma gegründet. Das Portal hat sogar schon einen Preis abgesahnt.

Die Idee zum Portal resultiert aus den immer wiederkehrenden Alltagssituationen im Baugewerbe. Anne Urbig erlebte täglich die Probleme ihres Partners, Dachdeckermeister Mario Anders, mit. Der 28-jährige ist der Chef des 1894 in Hohenstein-Ernstthal gegründeten Familienunternehmens. Ihn plagen die gleichen Sorgen wie rund 57.000 sächsische Handwerksbetriebe. "Wenn es aufs Frühjahr zugeht, kommen viele Aufträge zur gleichen Zeit. Plötzlich reichen die eigenen Kapazitäten hinten und vorne nicht. Dann musst du dir Hilfe von anderen Handwerkern suchen, brauchst spezielles Werkzeug oder eine ganz besondere Hebebühne. Man investiert ja nicht in teure Baugeräte, die man nur einmal im Jahr braucht. Man leiht sie sich lieber aus." Doch die passende Hilfe zu bekommen, kostet viel Zeit. "Die Handwerker sollen sich auf ihre Arbeit konzentrieren können und nicht stundenlang herumtelefonieren müssen", bringt es Anne Urbig auf den Punkt. Mario Anders hat zum Beispiel Aufträge in Berlin. "Dort würde ich mir gern Hilfe vor Ort holen und nicht mit meiner ganzen Mannschaft dort anrücken. Wir könnten dann eine zweite Baustelle hier in der Region parallel dazu durchziehen", sagt er. Die neue Plattform erlaubt es, unkompliziert und schnell Hilfe zu finden. Dabei ist es egal, ob es um Klempner, Elektroinstallateure, Trockenbauer, Dachdecker, Maurer, Fliesenleger oder Zimmerer geht. Vor allem für die Einzelkämpfer unter den Handwerkern sehen die Initiatoren der Plattform gute Möglichkeiten.

In Gesprächen mit anderen Handwerksunternehmen wurde in der Vergangenheit der Ruf nach einem Marktplatz für Anbieter und Nachfrager laut. Mario Anders und Anne Urbig packten die Sache an. Das Portal soll den Nutzern helfen, Auftragsengpässe und - spitzen auszugleichen. Handwerker sichern sich den Zugriff auf teure Arbeitsmittel und Werkzeuge. Leihen statt kaufen, gilt hier. Betriebe können außerdem Materialrestposten anbieten oder abfragen, gebrauchte Werkzeuge kaufen und verkaufen.

Das gemeinsame Auslasten der Kapazitäten kann helfen, Minusstunden für die Mitarbeiter oder Kurzarbeit zu vermeiden. "Wir sind der Meinung, dass der Zusammenhalt der Handwerksbetriebe in der Region steigt, das nützt allen. So sind alle zufrieden, Baufirmen, Partner und Kunden", sagt Mario Anders.

Betriebe, die das Portal nutzen wollen, können für einen Monatsbeitrag von 29,90 Euro den kompletten Service nutzen. Für Handwerker, die sich mit dem PC nicht so gut auskennen, bietet die Firma auch einen Telefonservice an. Anne Urbig und Mario Anders haben eine Vision: Der sächsischen Testphase soll ein bundesweites Netzwerk folgen.

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