Anhaltend gute Konjunktur hält Sachsens Arbeitsmarkt auf Trab

Immer weniger Menschen in Sachsen suchen einen Job, die Unternehmen hingegen händeringend geeignete Mitarbeiter. Fast 35.000 Stellen sind offen, viele davon allerdings in Leiharbeit.

Chemnitz.

Bereits seit Monaten zweifeln Wirtschaftsexperten daran, dass der Jobboom tatsächlich so weitergehen wird. Doch auch im Mai gibt es wieder eine Erfolgsmeldungen vom sächsischen Arbeitsmarkt: Mit 138.300 arbeitslosen Frauen und Männern gibt es so wenige Arbeitslose wie noch nie. Das waren 6800 weniger als im April und 18.600 weniger als im Mai 2016. Damit sank die Arbeitslosenquote binnen Jahresfrist von 7,4 auf 6,6 Prozent. Würde man allerdings auch jene Jobsucher zur amtlichen Arbeitslosigkeit dazu zählen, die derzeit an Aus- und Fortbildungskursen sowie Trainingsmaßnahmen der Arbeitsagenturen und Jobcenter teilnehmen, dann würde die sächsische Arbeitslosenzahl um 54.000 höher ausfallen.

Die Bundesagentur für Arbeit begründete die insgesamt positive Entwicklung mit der auslaufenden Frühjahrsbelebung und der anhaltend guten konjunkturellen Situation. Am stärksten eingestellt hat das Sozialwesen mit 5100 neuen Mitarbeitern. Auch im verarbeitenden Gewerbe (3000), im Logistikbereich (2600), im Bereich Erziehung und Unterricht (2500), bei wirtschaftlichen Dienstleistungen (2200) und im Gesundheitswesen (2100) sind deutlich mehr Menschen beschäftigt als noch vor einem Jahr.

Die Anforderungen der Unternehmen sind aber deutlich größer. Derzeit sind noch fast 35.000 freie Stellen gemeldet. Viele davon sind Vollzeitstellen oder unbefristet. "Die Unternehmen suchen auch weiter Mitarbeiter", sagte Reinhilde Willems, Geschäftsführerin für das operative Geschäft und Vizechefin der Regionaldirektion Sachsen. "Es wird zunehmend schwieriger, freie Stellen zu besetzen."

Gesucht werden vor allem gut ausgebildete Mitarbeiter. Bei Fachkräften und Akademikern stehen rechnerisch jeder freien Stelle nur noch zwei Bewerber gegenüber. Im Helferbereich sind es hingegen zwölf Bewerber für jede freie Stelle. Deshalb investiert die Arbeitsagentur verstärkt in die Bildung der arbeitslosen Männer und Frauen. "Bis zum Jahresende stehen für die Qualifizierung von Menschen noch 28 Millionen Euro zur Verfügung", sagte Willems. Bei der Qualifizierung sollen stärker als bisher die sozialen und familiären Verhältnisse der Betroffenen berücksichtigt werden. Auch die Kontakte der Betroffenen mit ihrem Vermittler sollen intensiviert werden.

Die meisten freien Stellen werden in der Zeitarbeit angeboten. Es sind 11.391. Daneben suchen das Verarbeitende Gewerbe (4402), das Gesundheits- und Sozialwesen (3362) sowie der Bereich Instandhaltung und Reparatur von Kraftfahrzeugen (2841) am meisten geeignete Bewerber.

Auch bundesweit hat der Jobboom noch einen Gang zugelegt. Erstmals seit 26 Jahren ist die Arbeitslosenzahl unter die 2,5-Millionen-Marke gegangen. Insgesamt waren in dem Monat 2,498 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit. Das sind 71.000 weniger als im April und 166.000 weniger als vor einem Jahr. Die Arbeitslosenquote sank um 0,2 Punkte auf 5,6 Prozent. Zuletzt hatte die Zahl der Erwerbslosen im April 1991 die Marke von 2,5 Millionen unterschritten. BA-Vorstandschef Detlef Scheele geht davon aus, dass bis zum Sommer die Arbeitslosigkeit sogar noch weiter sinkt.

Das Bundesland mit der niedrigsten Arbeitslosenquote ist Bayern. Ministerpräsident Horst Seehofer (CSU) sieht "eine Traummarke" erreicht. Damit herrsche Vollbeschäftigung. Baden-Württemberg folgt mit 3,4 Prozent. (mit dpa)

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