Bei Jobs für Behinderte haben Sachsens Betriebe Nachholbedarf

Nur in vier Bundesländern wird die Beschäftigungspflicht für Menschen mit Handicap erfüllt. Trotz des Fachkräftemangels wird die Quote im Freistaat immer noch verfehlt.

Chemnitz.

Von der positiven Entwicklung am sächsischen Arbeitsmarkt profitieren auch Menschen mit Behinderungen. Nach den neuesten Daten aus der Beschäftigungsstatistik der Bundesagentur für Arbeit (BA), die den tatsächlichen Arbeitsort betrachtet, waren 2017 insgesamt 44.239 schwerbehinderte oder gleichgestellte Männer und Frauen in Betrieben in Sachsen mit 20 oder mehr Arbeitsplätzen sozialversicherungspflichtig beschäftigt. Das waren gegenüber dem Vorjahr 1781 zusätzlich Beschäftigte, ein Zuwachs von 4,2 Prozent.

Trotz dieser positiven Entwicklung wird die Soll-Quote der Beschäftigungspflicht in Sachsen bei weitem nicht erfüllt. So gab es 2017 insgesamt 8505 Betriebe, die ihren Hauptsitz im Freistaat hatten und die die Beschäftigungspflicht erfüllen mussten. Fünf Prozent der Arbeitsplätze in diesen Betrieben hätten mit Schwerbehinderten oder ihnen gleichgestellten Menschen besetzt werden müssen. Insgesamt gab es 2017 in Sachsen 43.840 Pflichtarbeitsplätze für Behinderte. Tatsächlich waren lediglich 37.912 Arbeitsplätze besetzt.

Damit lag die Beschäftigungsquote von schwerbehinderten Menschen in Sachsen bei 4,1 Prozent, auf demselben Niveau wie in den Vorjahren. Bundesweit lag die Quote bei 4,6 Prozent. In Berlin, Hessen, Nordrhein-Westfalen und Mecklenburg-Vorpommern wurde die Beschäftigungspflicht erfüllt. Zwar beschäftigen in Sachsen die meisten, nämlich 6360 der 8505 Betriebe, schwerbehinderte Menschen, doch insgesamt erfüllen nur 3242 die Beschäftigungspflicht. Die übrigen 5263 Firmen zahlen eine monatlich gestaffelte Ausgleichsabgabe, die zwischen 125 Euro und 320 Euro je nicht besetztem Pflichtarbeitsplatz betragen kann.

"Es gibt in Sachsen viele Unternehmer, die als Vorbild vorangehen, indem sie Frauen und Männer mit gesundheitlichen Einschränkungen beschäftigen. Dennoch sehe ich mit dem Blick auf die Beschäftigungsquote noch Luft nach oben", sagte Klaus-Peter Hansen, Chef der Landesarbeitsagentur Sachsen. Es gebe noch einige Betriebe, die sich die Chancen, die mit der Beschäftigung von schwerbehinderten Menschen verbunden sind, entgehen lassen. Schwerbehinderte Arbeitsuchende seien meist überdurchschnittlich gut qualifiziert und könnten mit geeigneten Arbeitshilfen einhundert Prozent Leistung erbringen, meinte Hansen. Er wies auf die Finanzierung von Arbeitshilfen und Fördermöglichkeiten hin. So kann ein Betrieb für bis zu zwei Jahre einen Eingliederungszuschuss erhalten, der bis zu 70 Prozent des Entgeltes ausmacht. "Vorurteile gegenüber Menschen mit einem Handicap können wir uns mit dem Blick auf die hohen Fachkräftebedarfe nicht mehr leisten und sie sind häufig falsch", sagte der Chef der Landesarbeitsagentur.

Nach dem Fachkräftemonitoring 2018 der Industrie- und Handelskammer Chemnitz (IHK) sowie der Handwerkskammer Chemnitz beschäftigen in Südwestsachsen nur 39 Prozent aller Firmen Menschen mit Behinderung. Bei Unternehmen mit weniger als 20 Mitarbeitern sind es sogar nur 17 Prozent. Allerdings zeichnet sich ein Wandel in der Arbeitgeberschaft ab. "Das Interesse ist definitiv stärker geworden. Früher mussten wir auf die Unternehmen zugehen, heute haben wir viele Anfragen aus eigener Initiative", sagte Ines Petzold, Inklusionsberaterin bei der IHK Chemnitz.

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