Bruno Banani produziert in Chemnitz bald keine Unterwäsche mehr

Seit Jahren gingen die Umsätze mit der eigenen in Sachsen produzierten Kollektion zurück. Jetzt zog die Geschäftsleitung die Reißleine. Für das Unternehmen geht damit am Chemnitzer Standort eine Ära zu Ende.

Chemnitz.

Im Herbst vergangenen Jahres hat das bundesweit bekannte Chemnitzer Unternehmen Bruno Banani noch mit viel Optimismus sein 25-jähriges Bestehen gefeiert. Doch für viele Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter kam jetzt der bittere Rückschlag. Auf einer Betriebsversammlung am vergangenen Freitag verkündete die Geschäftsleitung das Ende von Konfektion und Näherei. Bruno Banani gibt in Chemnitz die Produktion modischer Unterwäsche und Badeshorts zum Jahresende auf. Für die dort beschäftigten 28 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter fallen dann die Arbeitsplätze weg. Derzeit verhandelt das Unternehmen mit dem Betriebsrat einen entsprechenden Sozialplan, versicherte Geschäftsführer Jan Jassner am Mittwoch.

Jassner begründete die Entscheidung mit seit Jahren rückläufigen Auftragseingängen für diese Kollektion. Die Umsätze seien auf allen Vertriebskanälen, in den eigenen Geschäften, im Fachhandel, im Onlineshop und auch bei Amazon rückläufig gewesen. "Wir konnten nicht mehr kostendeckend arbeiten und es war auch keine Trendwende zu erwarten", sagte der Bruno-Banani-Chef. Er legte Wert auf die Feststellung, dass diese Produktion nicht nach China oder Bangladesh verlagert, sondern ganz aufgegeben werde.

Den mangelnden Erfolg der Kollektion erklärt sich Jassner mit gravierenden Veränderungen auf dem Unterwäschemarkt. Statt modischer und bunter Modelle seien heute eher wieder Basics in schwarz oder weiß gefragt. "Letztlich hat der Verbraucher entschieden", meinte Jassner. Zugleich sei er aber auch stolz darauf, trotz der Billigkonkurrenz aus Fernost 25 Jahre lang die Produktion aufrecht erhalten zu haben. "Aber die Marktverhältnisse geben es nun leider nicht mehr her. Wir müssen uns jetzt etwas Neues ausdenken", sagte der Geschäftsführer. Der Umsatz habe sich schon in den vergangenen Jahren immer mehr in Richtung Handelsware verschoben. Diese lässt das Unternehmen schon seit längerer Zeit in Asien produzieren - "in zertifizierten Werkstätten", wie Jassner betont.

Im November 1993 hatte Jan Jassners Vater, Wolfgang Jassner, ein Textilmanager aus dem baden-württembergischen Aalen, die Bruno Banani Underwear GmbH in Mittelbach bei Chemnitz gegründet und mit 15 Mitarbeitern die Produktion modischer Unterwäsche gestartet. Mit pfiffigen Marketingaktionen und Werbekampagnen wurde das Unternehmen bundesweit bekannt, weil es damals noch keine als jung und fetzig geltende Marke im Unterwäschebereich gab.

Weil die Marke Bruno Banani so gut einschlug, stieg das Unternehmen auch erfolgreich ins Lizenzgeschäft ein. Heute werden Parfüm, Schmuck, Gürtel oder auch Schuhe unter dem Markennamen verkauft. In Deutschland ist Bruno Banani mittlerweile der meistverkaufte Duft. Insgesamt gibt es derzeit zwölf Lizenzpartner, die ihre Produkte unter dem Namen des Chemnitzer Unternehmens im Einzelhandel vermarkten.

Weil im Textil- und Modebereich der Verdrängungswettbewerb durch Modeketten wie Zara, Primark und H&M immer härter wurde, stieg Bruno Banani selbst ins Handelsgeschäft ein. Neben dem Onlineshop eröffnete das Chemnitzer Unternehmen inzwischen zwölf Läden in sogenannten Outlet-Centern abseits der Innenstädte. Diese Woche wird ein weiterer Shop am früheren Firmenstandort in Chemnitz-Mittelbach eröffnet. Für 2020 seien zwei bis drei weitere Läden geplant, sagte Jassner. Im Handelsgeschäft stieg in den vergangenen Jahren auch die Zahl der Mitarbeiter. 60 Beschäftigte sind derzeit noch in Chemnitz tätig, zusammen mit den Filialen sind es 117 Mitarbeiter. Der Umsatz lag im vergangenen Geschäftsjahr (bis 31. Oktober) bei rund 125 Millionen Euro.

Für die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die jetzt bei Bruno Banani keine Perspektive mehr haben, erhofft Jassner Chancen durch die derzeit gute Lage auf dem Arbeitsmarkt. "Wir versuchen auch über unseren Arbeitgeberverband die Fachkräfte in der Textilbranche zu vermitteln", versicherte Jassner.

Anmerkung der Redaktion: In einer ersten Fassung des Beitrags war davon die Rede, dass Bruno Banani überhaupt keine Unterwäsche mehr herstellt. Richtig ist, dass es um die Chemnitzer Unterwäsche-Produktion geht.

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1Kommentare
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  • 7
    0
    saxon1965
    14.02.2019

    Sehr traurig, dass wieder ein Produktionsstandort in Deutschland geschlossen wird. Klar dass ein Unternehmen wirtschaftlich arbeiten muss, aber ob diese Entscheidung nicht auch der Marke Bruno Banani schadet?
    Ich denke, da sind wir Verbraucher mehr gefragt und auch etwas in der Pflicht und zwar bevor in Deutschland Lichter ausgehen.
    Wir sollten uns mehr für uns selber einsetzen (Arbeitsplätze, Kaufkraft, Produktionsverhältnisse) und auch an die Umwelt denken (Transportwege ect.).
    Was ist eigentlich an "Germany First" falsch? Man kann dennoch fairen handel mit anderen Ländern betreiben. Vielleicht mit etwas weniger gewinn für den Einzelnen (Unternehmer), dafür aber mit deutlichen Mehrgewinn für die Gesellschaft.



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