Continental und TU Chemnitz forcieren Brennstofftechnik

Am Mittwoch wird ein neues Labor eröffnet, das die gemeinsame Forschung an Antrieben mit Wasserstoff voranbringen soll.

Chemnitz.

Während die Autohersteller derzeit vor allem auf elektrische Fahrzeuge mit Batterieantrieb setzen, wird die Brennstoffzellenforschung in Chemnitz weiter vorangetrieben. Am Mittwoch wird Sachsens Wirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) an der Technischen Universität Chemnitz (TU) ein neues Brennstoffzellenlabor einweihen. Das Labor dient zur Erforschung fortschrittlicher Hochleistungssysteme für die Wasserstoffbrennstoffzellen-Technologie.

Die TU Chemnitz und der Automobilzulieferer Continental (Division Powertrain) öffnen mit dem Labor ein neues Kapitel ihrer strategischen Partnerschaft. Bereits seit 2016 wird bei dieser Kooperation an Brennstoffzellensystemen für die Automobilindustrie geforscht. Das Labor gehört zur Professur Alternative Fahrzeugantriebe, die derzeit mit 25 Mitarbeitern an zwölf aktuellen Forschungsprojekten arbeitet.

Wichtige Voraussetzungen für die Forschungsarbeiten war die Bereitstellung eines großen Wasserstofftanks durch Continental. Der über 20 Meter hohe Tank verfügt über ein Speichervermögen von 300 Kilogramm Wasserstoff. Dadurch wurde es möglich, dem Prüfstand im Labor bei Volllast drei Tage lang Wasserstoff bereitzustellen. Der Ende Februar angelieferte Tank soll mindestens bis 2023 für Forschungsvorhaben genutzt werden.

"Wir erhoffen uns durch die Kooperation innovative Ansätze für den künftigen Einsatz von Brennstoffzellen in der Automobilindustrie als ein Baustein für die Vielfalt der kommenden Mobilität", sagte Andreas Heinrich von Continental Powertrain Technology & Innovation bei der Anlieferung des Tanks. Der Fahrzeugantrieb mit Brennstoffzellen hat den Vorteil, dass die Autos relativ schnell betankt werden können und über eine große Reichweite verfügen. Das Betanken für eine Reichweite von 500 Kilometern dauert nur drei Minuten. Außerdem kann das bestehende Tankstellennetz in Deutschland weitgehend genutzt werden.

An der Professur für Alternative Antriebe und dem Institut für Automobilforschung an der TU Chemnitz wird gemeinsam auch mit regionalen Unternehmen an der Entwicklung serientauglicher Komponenten für den Wasserstoffantrieb geforscht. Dazu wurde im vergangenen Jahr das Innovationscluster HZwo ins Leben gerufen, das vom sächsischen Wirtschaftsministerium über die Sächsische Aufbaubank mit rund 1,6 Millionen Euro gefördert wird.

"Wasserstoff-Brennstoffzellenantriebe werden in Zukunft eine zunehmend bedeutsame Rolle bei der Elektrifizierung der Automobile einnehmen, deswegen müssen wir bereits heute die einzelnen Komponenten für den Serieneinsatz vorbereiten", sagte Professor Thomas von Unwerth, Direktor des Instituts für Automobilforschung und Vorstandsvorsitzender des Trägervereins HZwo e.V. bei der Übergabe der Fördermittel.

In einem Interview mit der "Freien Presse" zeigte sich Unwerth überzeugt, dass an der Brennstoffzelle kein Weg vorbeiführe. "Als alltagstaugliches Fortbewegungsmittel für die breite Masse sind Brennstoffzellenautos deutlich besser geeignet", sagte der TU-Professor. Unwerth beschäftigt sich seit Jahren mit dem Thema Brennstoffzelle und war unter anderem auch in der Konzernforschung bei Volkswagen tätig.

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5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 1
    0
    Nixnuzz
    17.07.2019

    @DrHDL: Es ging mir nicht um "wumm" sondern um die registrierten H2-Speicherverluste, die höher als die von üblichem Sprit waren. H2 war zu dem Zeitpunkt ohne Steuern etc. gleichteuer wie vollbelastetes Superbenzin. Ok - warten wir ab, welche technische und Bautechnik zur Verbreiterung des H2-Treibstoffes innerhalb der nächsten 3 - 5 Jahre wirksam kommen. Allein etwaige Baugenehmigungen für Tankstellen in üblicher Supermarktnähe..Lagerung von Raketentreibstoff..schlimmer wie 400kv-Erdleitungen oder 5G-Sendemasten oder..was hab ich noch vergessen..NEIN! geht immer...

  • 2
    2
    DrHDL
    16.07.2019

    Ach, lieber Nixnuzz, und wo sammelt sich das "aus dem Staub" gemachte H2? Unter der Decke! Genau deshalb schreibt eine der Vorschriften für einschlägige Laborbauten vor, dass das Dach z.B. schräg auszuführen ist und ganz oben einen Längsspalt aufweisen muss. Pumpelmus hat aber eine dichte, ebene Betondecke, denn er wohnt auch noch darüber. Im schlimmsten Fall macht er das Tor "automatisch" auf, also Schalter betätigen, und wummmm!!!
    Über den Wolken ist die Welt grenzenlos.

  • 3
    0
    Nixnuzz
    16.07.2019

    @DrHDL: Halte ihre Argumente für mehr als überzogen. Ohne eine Internet-Suche zu starten, gehört Wasserstoff zu den seit mehreren Jahrzehnten im Pkw genutzten und erforschten Treibstoffen. Marzialische Brandversuche und Testunfälle wurden publiziert. Gut - hab keine Ahnung wie groß die Testflotten der jeweiligen Marken mit Ottomotor oder Brennstoffzelle war - aber alle großen Hersteller haben damit techn. Versuche gefahren. Interessanter finde ich eine alte Anmerkung von BMW, das die Speicherdichtheit trotz aller Massnahmen bei Stillstand Probleme bereitet. Das H2 hatte sich einfach aus dem Staub bzw. Tank gemacht.

  • 1
    6
    DrHDL
    16.07.2019

    Wasserstoff im Auto - vielleicht auch einst im Tretroller - und Vorratsflaschen zu Hause, da können sich schon einmal die Haare sträuben! Das Thema Sicherheit wird jedenfalls weit nach hinten angestellt.
    Angesichts der Sicherheits-Szenarien von Physiklabors, die mit Wasserstoff-Druckflaschen arbeiten (z.B. Tieftemperaturphysik), ist es geradezu lebensbedrohlich, mit welcher Sorglosigkeit die Alternativen nach diesem Antriebsmittel schreien. Immerhin, in Laboratorien gehen damit Leute um, die wissen was sie tun, meine ich. Stellen wir uns nun den Kumpel Pumpelmus vor, der gern z.B. am Auto bastelt. Also, wenn eine H2-Druckflasche hochgeht, dann sieht - gemäß obigen Szenarien (Knallgas!) - die ganze Gegend ringsum so aus wie nach einem Flugzeugabsturz. Na ja, werte Leser, vielleicht übertreiben es die Physiker.

  • 1
    0
    Mike1969
    16.07.2019

    Und liebe TU Chemnitz. Nicht wieder alles von Dresden wegnehmen lassen, was ihr Euch da durch viel Arbeit an Wissen erlangt. Wenn dann die Arbeit gut läuft und gute Ergebnisse vorzeigbar sind, kommen die bestimmt angekrochen und wollen was vom Kuchen abhaben. Ihr bekommt nur nix zurück davon, was ihr einmal losgelassen habt.



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