Extreme Trockenheit: Sachsens Landwirte schlagen Alarm

Die einen freut das sonnige und trockene Wetter, die Bauern hingegen sprechen von einer dramatischen Situation. Weizen, Mais, Beeren und Co. fehlt der Regen. Vielerorts wird mit Einbußen gerechnet.

Dresden (dpa/sn) - Sachsens Landwirte schlagen angesichts extremer Trockenheit Alarm. «Die Situation ist dramatisch», sagte der Pflanzenbauexperte des Landesbauernverbandes, Andreas Jahnel, der Deutschen Presse-Agentur. Der aktuelle Dürremonitor zeige, dass Sachsen in Mitteldeutschland am stärksten von der Trockenheit betroffen sei. Dunkelrote Flächen markierten, dass sich die Trockenheit mittlerweile bis hinein in die tiefen Bodenschichten ziehe. Vor allem Nord- und Ostsachsen mit den leichten und sandigen Böden leide unter dem fehlendem Niederschlag, so Jahnel. Im April etwa seien in Nordsachsen gerade einmal zwei Millimeter Niederschlag gefallen.

«Wir schleppen ein gigantisches Defizit vor uns her», so Jahnel. Für den Freistaat sei es das dritte trockene Frühjahr in Folge - zumindest bisher. Bauern im Freistaat fürchten laut Verband Ernteausfälle sowie Einbußen bei dem als Futter genutzten Grünschnitt. So bräuchten zum einen die Saaten von Wintergerste, Raps und Weizen, die im vergangenen Herbst in den Boden kamen, nun Regen zum Wachsen. Mais, Rüben und Kartoffeln, die die Landwirte derzeit auf den Feldern ausbringen, sind ebenfalls auf Feuchtigkeit angewiesen, um keimen zu können.

Vor drei Wochen habe ein Landwirte Luzerne als Futterpflanze in den Boden gebracht, bisher sei nichts aufgegangen, berichtet Jahnel. Hinzu kämen in den vergangenen 14 Tagen teils starker Wind und Nachtfröste bis zu minus fünf Grad. Vor allem in Ostsachsen, wo der Raps teilweise schon in Blüte stehe, fürchten die Landwirte Schäden. «Das alles verschärft die Situation der Betriebe - zusätzlich zur Corona-Krise», so Jahnel.

Jörg Holzmüller erinnert sich, dass er zuletzt im Frühjahr 2016 mit Gummistiefeln durch die Aronia-Anlagen in Coswig bei Dresden gestapft ist. In den vergangenen Jahren sei es gerade im Frühjahr hingegen zu trocken gewesen, erläuterte der Geschäftsführer von Aronia-Original. Auf der größten Aronia-Plantage Sachsens, wo die dunklen Beeren auf einer Fläche von rund 80 Hektar wachsen, hat es zuletzt vor vier Wochen geregnet. Das lasse sich auch kaum durch Bewässerung ausgleichen, so Holzmüller. Er rechnet daher für dieses Jahr mit Ernteverlusten auf den Feldern.

Bei René Heidig von der Agrar GbR Naundörfel bei Meißen läuft derzeit die Spargelernte auf Hochtouren. Neben dem weggebrochenen Absatz in den wegen der Corona-Krise geschlossenen Gaststätten sorgt ihn derzeit vor allem eines: das Wetter. Eigentlich müsste der Landwirt derzeit neue Spargeldämme anlegen, damit das Edelgemüse noch bis Mitte Juni wächst. Allerdings ist es so trocken, dass sich kaum Dämme aus dem Sandboden formen lassen. «Es fällt alles auseinander», sagte Heidig. Für die Pflanzen selbst hat er Tropfschläuche unter die Spargelzeilen gelegt.

Das Agrarunternehmen baut auch Weizen, Aronia-Beeren und Mais an. Er habe wenig Hoffnung, dass der jetzt in den Boden gebrachte Mais wachse. Der Winterweizen habe wegen der Trockenheit weniger Ähren gebildet und habe mancherorts schon Farbe wie zur Erntezeit - mitten im April. «Die Trockenheit ist für uns unheimlich problematisch», so Heidig. Er hofft wie die anderen Landwirte auf Regen. Der ist laut Deutschem Wetterdienst (DWD) in den nächsten Tagen bei Sonne und frühlingshaften Temperaturen allerdings nicht in Sicht. Wegen der Trockenheit steigt auch die Waldbrandgefahr. So herrschte am Mittwoch in Teilen von Nord- und Ostsachsen bereits mit der Waldbrandstufe 5 die höchste Gefahrenklasse.

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