Flugmotorenhersteller kommt nach Übernahme wieder in Fahrt

Vor fünf Jahren kaufte ein chinesischer Staatskonzern den damals insolventen Hersteller in St. Egidien und sorgte so für eine neue Zukunft. Die Aussichten sind gut - nicht zuletzt, weil Kleinflugzeuge zunehmend gefragt sind.

St. Egidien.

Seit mehr als 18 Jahren werden in St. Egidien im Landkreis Zwickau Motoren für Kleinflugzeuge gebaut. Das Geschäft läuft nach Firmenangaben stabil - auch wenn sich in den letzten Jahren im Geschäftsbetrieb manches verändert hat. Nach dem Konkurs der einstigen Firma Thielert 2008 und einer mehrjährigen Investorensuche hatte der chinesische Staatskonzern Avic International den Hersteller vor fünf Jahren übernommen und in die konzerneigene Continental Aerospace Technologies integriert, die in den USA sitzt und ebenfalls auf Flugzeugmotoren spezialisiert ist. Seitdem bearbeitet die deutsche Tochter unter dem Namen Technify Motors GmbH gemeinsam mit der US-Firma den Markt. "Das ist gut zusammengewachsen", sagt Geschäftsführer Jürgen Schwarz.

Die Auftragslage sei gut, versichert Schwarz. Rund 30 Millionen Euro Umsatz standen bei Technify Motors zuletzt zu Buche. Nach eigenen Angaben schreibt das Unternehmen schwarze Zahlen. "Wir sind noch nicht vollauf zufrieden, aber wir stehen vorsichtig auf eigenen Füßen. Ein Windchen kann uns nicht mehr umhauen", betont er. Rund 180 Mitarbeiter beschäftigt die Firma am Sitz in Egidien und im thüringischen Altenburg. Eine Handvoll Mitarbeiter sind zudem noch in Hamburg tätig und erledigen Entwicklungsarbeiten. Jedes Jahr werden zwei bis drei Lehrlinge ausgebildet, in metallbearbeitenden Berufen (Dreher, Fräser). Auf diese Fachkräfte sei man angewiesen, sagt Schwarz. Denn die Produktion ähnele einem Manufakturbetrieb. In St. Egidien, wo das Gros der Mitarbeiter arbeitet, erfolgt die Montage der Motoren, zudem werden hier zahlreiche Komponenten dafür produziert. Dinge wie Kurbel- und Nockenwellen sowie Zylinderkurbelgehäuse werden auch für die US-Standorte mitgefertigt. Aus Altenburg kommen Lichtmaschinen, Kabelbäume und die Motorsteuerung.

570 Flugzeugmotoren hat die Firma im vorigen Jahr in St. Egidien gebaut, mehr als 90 Prozent davon gingen an Abnehmer im Ausland. Der größte Markt ist Europa, wo gut die Hälfte des Umsatzes erzielt wird. Danach folgt Asien mit 27 Prozent Umsatzanteil. China gelte als der größte Wachstumsmarkt, heißt es. Verkauft wird auch nach Nordamerika, Australien und Afrika.

Während die deutlich größere Sparte in den USA Motoren baut, die mit Flugbenzin betrieben werden, ist der westsächsische Standort von je her auf Dieseltechnik spezialisiert. Diese sogenannten Kolbenflugmotoren werden mit Kerosin betrieben. Der Vorteil: Die Motoren seien in der Unterhaltung günstiger. Sie verbrauchen rund 40 Prozent weniger Kraftstoff und verlängern damit die Reichweite von Flugzeugen um bis zu 30 Prozent. Allerdings sind sie in der Anschaffung etwas teurer. Derzeit stellt Technify Motors einen Vier-Zylinder-Motor mit zwei Litern Hubraum in zwei Varianten her - mit 135 und 155 PS. Sie kommen in Kleinflugzeugen wie Cessna 172, Piper PA 28 und Robin DR 400 bis hin zur zweimotorigen Diamond DA42 zum Einsatz.

Doch das Portfolio wird gerade erweitert. Ein neuer, 300 PS starker Motor mit sechs Zylindern und drei Litern Hubraum ist fertig entwickelt und inzwischen auch zugelassen. Eine Variante des kleineren Vier-Zylinder-Aggregats mit 170 PS befinde sich in der Zulassungsphase. Mit beiden Entwicklungen könnten künftig auch größere zweimotorige Maschinen ausgestattet werden, meint der Standortchef und fügt hinzu: "Wir werden so weiteres Wachstum erzeugen." Das Potenzial dafür glaubt er zu sehen, weil zunehmend mehr Fluggesellschaften in die Pilotenausbildung einsteigen. Es werde auch hier immer schwieriger, Personal zu finden. Die klassischen Ausbildungsflugzeuge kommen von Diamond, Cessna und Piper. Schwarz: "Jeder fängt klein an." Weil das sehr mechanische Flugzeuge seien, könne man damit alle denkbaren Flugzustände gut üben.

Anders als vielleicht in der Automobilindustrie hat die Dieseltechnologie, nach der auch die Kerosin-Flugmotoren arbeiten, nach Ansicht von Schwarz im Flugzeugbereich eine Zukunft. In den nächsten 30 Jahren werde es diese Motoren sicher weiter geben. In dieser Branche gingen technische Entwicklungen wegen der hohen und aufwendigen Sicherheitsstandards langsamer voran. Man habe hier eine ausgereifte Technologie, die sich wirtschaftlich betreiben lasse. Dennoch beschäftige man sich heute auch schon mit alternativen Konzepten, "um für Zukunftstrends gewappnet zu sein".

Bewertung des Artikels: Ø 5 Sterne bei 1 Bewertung
0Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.



    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus. An alle Adblocker

    Bitte schalten Sie ihren AdBlocker aus.
    Mehr erfahren Sie hier...