In Metropolen ist Mietpreis-Zenit erreicht

Niedrige Zinsen, steigende Einkommen, sichere Jobs: Immer mehr Sachsen erfüllen sich ihren Traum von den eigenen vier Wänden. Das wirkt sich auch auf die Mieten aus.

Chemnitz.

Der Ansturm auf die drei großen sächsischen Metropolen hält an. Das hat in den vergangenen Jahren in Chemnitz, Dresden und Leipzig zu teils deutlichen Preissteigerungen für Eigenheime und Eigentumswohnungen geführt. Auch die Mieten für Wohnungen in Neubauten in begehrten Lagen erhöhten sich stark. Experten sehen jetzt aber die Spitze der erzielbaren Miethöhe mit im Schnitt 15 Euro Kaltmiete je Quadratmeter im Monat in Dresden, 14,60 Euro in Leipzig und 12 Euro in Chemnitz als erreicht an. Das geht aus dem am Donnerstag veröffentlichten Preisspiegel des Immobilienverbandes IVD Mitte-Ost hervor.

Demnach ist Chemnitz aus seinem Dornröschenschlaf erwacht. Statt in Leipzig oder Dresden engagierten sich seit zwei, drei Jahren Kapitalanleger und Bauträger zunehmend lieber in Chemnitz, sagt IVD-Repräsentant Erik Gruber. "Uns kommt der Abriss aus den 90er-Jahren zugute, weil hier jetzt noch viel Platz ist." Wegen der zudem niedrigeren Grundstückspreise und der vergleichsweise höheren Kaufkraft seien nun viele Neubauten hinzugekommen, die stark nachgefragt werden. Das habe die Mieten für Premium-Neubauwohnungen auf aktuell im Schnitt 8,50 Euro bis 9,50 kalt je Quadratmeter steigen lassen, sagt Gruber. "Da sehe ich aber noch Luft nach oben."

Auch die Verkaufspreise für Eigentumswohnungen steigen dem IVD zufolge in Chemnitz weiter stark an, während in Dresden und Leipzig die Spitzenverkaufspreise für Immobilien ihren Zenit schon erreicht haben. In Chemnitz zeige sich aber auch, dass die Käufer von Eigentumswohnungen inzwischen höhere Ansprüche an Ausstattung und Lage stellten. Da zudem Einfamilienhäuser in bevorzugten Lagen in allen drei Großstädten nur noch schwer zu bekommen seien, wichen Familien bei der Suche nach den eigenen vier Wänden immer häufiger auf Randbezirke oder attraktive Mittelzentren in der Nähe aus, sagt der IVD-Regionalvorsitzende Robert Vesely. Hinzu komme das Baukindergeld, das Teile des ländlichen Raumes wiederbelebe.

Mittelzentren mit gutem Verkehrsanschluss an die Großstädte, einer breit aufgestellten Nahversorgung und schnellem Internet werden dem IVD zufolge für Häuslebauer und Mieter immer attraktiver. "Dazu zählen zum Beispiel ganz klar Freiberg und Zwickau, die sich wirtschaftlich stark entwickelt haben und dementsprechend Einwohner und Arbeitskräfte anziehen", heißt es. Auch Aue oder Stollberg entwickelten sich in eine positive Richtung. In Stollberg werden für Neubauwohnungen in Toplage genau wie in Zwickau inzwischen bis zu 9,50 Euro gezahlt. Andere Städte und Gemeinden im ländlichen Raum mit vergleichsweise unattraktiven Lebensbedingungen verlören hingegen weiter Einwohner. "Das führt dort zu einer Entwertung der Immobilien", so der IVD. In Oschatz zum Beispiel ist demnach ein gut ausgestattetes Reihenhaus mit 120 Quadratmetern Wohnfläche schon für im Schnitt 95.000 Euro zu haben. In Leipzig würde das gleiche Haus rund dreimal und in Stollberg rund zweimal so viel kosten.

Der IVD fordert deshalb einen zügigen Ausbau der digitalen und der Verkehrsinfrastruktur in Sachsen. Das gelte insbesondere für den ländlichen Raum, sagt IVD-Vorstandsmitglied Rainer Hummelsheim. "Beim 4G-Mobilfunk hinkt Deutschland hinterher und liegt im europäischen Vergleich nur auf Platz 32. Das ist für einen Industriestandort mehr als bescheiden", kritisiert Hummelsheim. "Und bei den Internetanschlüssen mit mindestens 50 Mbit pro Sekunde belegt Sachsen im Bundesvergleich den vorletzten Platz. Da brauchen wir uns nicht zu wundern, dass Einwohner aus dem ländlichen Raum wegziehen und sich dort keine Unternehmen ansiedeln."

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