Schnelles Internet in Sachsen: 33 Orte gelten als unterversorgt

Obwohl Kommunen für den Breitbandausbau bis zu 100 Prozent Förderung winkt, gibt es bislang noch Lücken. Woran liegt das?

Dresden/Berlin.

Das ursprüngliche Ziel hat ganz Deutschland verfehlt: Bis Ende 2018, so hatte die damalige Bundesregierung 2014 angekündigt, sollten flächendeckend Internet-Anschlüsse mit Übertragungsraten von mindestens 50 Megabit pro Sekunde (Mbit/s) möglich sein. Tatsächlich verfügbar war diese Bandbreite für das Herunterladen von Datenmengen letztlich nur in weniger als 88 Prozent der Privathaushalte, wie das Bundesministerium für Verkehr und digitale Infrastruktur zunächst auf Anfrage der FDP-Bundestagsfraktion einräumte.

In Sachsen selbst waren das laut Breitbandatlas 78 Prozent der Privathaushalte. In seiner Antwort auf eine Kleine Anfrage der Grünen-Bundestagsfraktion führte das CSU-geführte Ministerium nun zudem 33 der sachsenweit 419 Städte und Gemeinden als "unterversorgte" Orte auf - da dort für weniger als zehn Prozent der Haushalte ein leitungsgebundener, festnetzbasierter 50-Mbit/s-Anschluss verfügbar gewesen sei. Dazu gehörten aus Südwestsachsen Rochlitz, Johanngeorgenstadt, Geyer und Waldenburg sowie Amtsberg, Bad Brambach, Hohndorf, Drebach, Eppendorf, Bockau, Königshain-Wiederau, Zschaitz-Ottewig, Stützengrün und Oberwiera.

Die Grünen-Landtagsfraktion monierte, dass von den seit 2015 vom Bund bewilligten 619 Millionen Euro bis jetzt erst 5,5 Millionen Euro von den sächsischen Kommunen abgerufen wurden - also nicht mal ein Prozent. Dies erklärte das sächsische Wirtschaftsministerium mit den "Erstattungsverfahren": Erst werde gebaut, dann bekommt die Kommune die Rechnung und erst danach würden die Fördermittel ausgezahlt. Praktisch alle Kommunen und Landkreise seien derzeit mit Breitbandausbau befasst. Bewilligtes Geld verfalle auch nicht.

Gemeindetagsgeschäftsführer Mischa Woitscheck rechnet damit, dass "dieses Jahr ein dreistelliger Millionenbetrag verbaut" werde. Besonders 2018 sei in Sachsen viel für ein flächendeckendes und zukunftsfähiges Netz getan worden. Nur zähle der Breitbandausbau "zu jenen Infrastrukturvorhaben, die leider sehr viel Zeit brauchen, bevor messbare Ergebnisse bei den Einwohnern und Unternehmen ankommen".

Bewertung des Artikels: Ø 4.3 Sterne bei 3 Bewertungen
5Kommentare

Die Diskussion wurde geschlossen.

  • 2
    0
    Leserate
    15.08.2019

    Urlaub2020*
    Das gibt's auch im tiefsten Westen, hab selbst Verwandschaft die nach dem Umzug von 100 Mbit/s auf 2 Mbit/s "abgestürzt" sind!

  • 5
    0
    Nixnuzz
    13.08.2019

    Ick stell ma ne Milchkanne vor et Haus..dann kriech ick schneller 5G...

  • 6
    3
    Urlaub2020
    13.08.2019

    Was interessiert das ist doch nur der Osten.

  • 10
    0
    jhfp18
    13.08.2019

    Im Erzgebrigskreis kenne ich ganz viele Orte, die zählen scheinbar nur mit unter die knapp 68% >50Mbit/s, da eine Kabel-Infrastruktur genutzt wird, welche Anfang der 80'er Jahre von den Einwohnern in Eigenleistung verlegt wurde, verfügbar meistens auch nur für Häuser, die vor 1990 gebaut wurden. Hier wäre es schön mal einen ausführlichen Artikel dazu in der Zeitung zu finden, auch über die Nachteile dieser Lösung in Blick auf Stabilität, Zukunftssicherheit und Betreuung der Kabelinfrastruktur. Die Telekom bietet bis heute (ausgenommen Lösungen per Funk) z.B. in großen Teilen des Stadtzentrum Marienberg keine Anbindung über 16 Mbit/s an, in Niederlauterstein bis zu 2Mbit/s (realistisch 384 Kb/s) im Donwload. Im Gewerbegebiet Heinzebank ist die Telekom nicht mal in der Lage Firmen vernünftig mit einem Anlagenanschluss zu versorgen, Internetgeschwindigkeit wurde mit maximal 2Mbit/s im Download und 0,5 Mbit/s im Upload angeboten, IP Telefonie ist damit nicht möglich. Eine Breitbandinitiative, die seit mindestens 5 Jahren von den Politikern schöngeredet wird, sieht anders aus. Es sollte ehrlich den Leuten erklärt werden, dass es heute und auch in Zukunft zu wenige Tiefbaufirmen gibt, die diese Pläne umsetzen können.

  • 12
    0
    Leserate
    12.08.2019

    Ist ja alles sehr interessant! Aber wenn die TELEKOM bei Bestandskunden, die bereits mit 16 Mbit/s ausgestattet waren und diese auch tatsächlich zur Verfügung hatten, nach dem Breitbandausbau aus unerfindlichen Gründen die Geschwindigkeit auf ca. 6 % (= 0,8 Mbit/s Download + 0,05 Mbit/s Upload !!) reduziert und die Störungsmeldung nach ca. 1 Woche als erledigt betrachtet ohne dass sich etwas ändert, sind die Zahlen wohl das Papier nicht wert und neudeutsch der Kategorie "Fake News" zuzuordnen!



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