Verbände fordern Reaktivierung 186 stillgelegter Bahnstrecken

Das Schienennetz ist seit der Bahnreform 1994 deutlich geschrumpft. Zwei Verkehrsverbände haben nun Vorschläge gemacht, welche Strecken wiederbelebt werden könnten - auch in Sachsen.

Chemnitz/Berlin.

Etlichen vom Schienenverkehr abgehängten Regionen dürfte diese Karte Hoffnung machen: Zwei Verkehrsverbände haben darauf die 186 stillgelegten Schienenabschnitte eingezeichnet, die aus ihrer Sicht wieder in Betrieb gehen sollten. Zusammen sind das bundesweit 3072 Kilometer Gleise, die den Nahverkehr der Bahn verbessern könnten, wenn sie wieder befahrbar wären. Es werde deutlich, dass nahezu überall in der Republik Reaktivierungspotenzial im Schienennetz vorhanden sei, erklärten der Verband Deutscher Verkehrsunternehmen (VDV) und die Allianz pro Schiene, die am Montag ihre Ergebnisse in Berlin vorgestellt haben.

Für Sachsen fällt die Liste jedoch recht kurz aus. Hier empfehlen die Verbände die Reaktivierung der Strecken zwischen Meißen und Döbeln, die Verbindung von Leipzig-Leutzsch nach Merseburg (Sachsen-Anhalt) sowie das Schließen von jeweils nur ein bis zwei Kilometer langen Lücken an den Landesgrenzen zu Tschechien und Polen. Aufgeführt werden die ostsächsischen Grenzorte Seifhennersdorf, Ebersbach und Hagenwerder. Insgesamt geht es in Sachsen um 71 Kilometer.

Andreas Geißler, Referent für Verkehrspolitik bei Allianz pro Schiene, sieht aber weiteres Potenzial im Freistaat. "Wir gehen davon aus, dass sich im Laufe der Zeit noch mehr entwickeln wird", sagte er. Mit dem Entstehen neuer Wohngebiete entwickele sich meist auch eine neue Nachfrage. In westdeutschen Bundesländern sei das seit einigen Jahren zu beobachten. Dort würden auch zunehmend Bahnstrecken wieder reaktiviert, hieß es. An der Spitze stehen dabei die Länder Niedersachsen, Hessen und Baden-Württemberg, wo in den zurückliegenden 25 Jahren jeweils mehr als 100 Kilometer Bahnstrecke wieder in Betrieb genommen wurden.

Sachsen liegt, was die Reaktivierung von Strecken angeht, im Ländervergleich weit hinten. Sieben Abschnitte mit einer Gesamtlänge von 21 Kilometern wurden nach zeitweiser Stilllegung wieder in Betrieb genommen. Beispiele dafür sind die Abschnitte Klingenthal-Grenze sowie Oschatz-Mügeln. Unter den Flächenländern kommt nur das Saarland auf weniger Kilometer. Seit 1994 bis heute sind Geißler zufolge in Sachsen indes 646 Kilometer Schienennetz weggefallen. Die Entscheidungen zur Stilllegung von Strecken in der Vergangenheit seien häufig fragwürdig gewesen.

Das deutsche Schienennetz hat derzeit eine Länge von 38.500 Kilometern. 1994, dem Jahr der Bahnreform, waren es noch 44.600 Kilometer. "Dieser Schrumpfungsprozess muss endlich gestoppt werden", forderte der Geschäftsführer von Allianz pro Schiene, Dirk Flege. Nicht alle Schienenwege ließen sich wieder in Betrieb nehmen, viele aber schon, und zwar ohne allzu großen Aufwand. Die meisten sind für den Personenverkehr gedacht.

VDV-Präsident Ingo Wortmann wies auf den Koalitionsvertrag hin, in dem sich die Bundesregierung eine Verdopplung der Fahrgastzahlen vorgenommen hat. "Wenn wir das erreichen wollen, müssen wir den Rückzug der Schiene aus der Fläche stoppen und ihn an geeigneten Stellen rückgängig machen", so Wortmann.

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