"Es ist Zeit für Einsteigerweine"

Karl Friedrich Aust über die Kindheit im Weinberg, eine neue Produktlinie und die beste Radebeuler Lage

In der Serie "Sachsens Winzer" stellt "Freie Presse" interessante Weingüter vor. Heute das Weingut von Karl Friedrich Aust. Der 38-Jährige gründete im Jahr 2001 sein Weingut und eröffnete ein Weinrestaurant. Über Sachsens Weinskandal redet er nicht so gern. Olaf Kittel hat trotzdem mit ihm darüber gesprochen.

"Freie Presse": Herr Aust, Ihr Weingut gehört heute zu den Schmuckstücken in der Oberlößnitz. Können Sie sich erinnern, wie es hier vor 25 Jahren war?

Karl Friedrich Aust: Kürzlich fand ich ein Foto aus dieser Zeit, das erinnerte mich daran, wie man im Dunklen aufpassen musste, die Schlaglöcher zu umfahren. Andererseits hatten die Weinberge damals schon einen hohen Wert. Sie waren der ganze Stolz der Besitzer. Sie wurden ja vererbt und gut gepflegt.

Wie war es um die Weingüter bestellt?

Es gab Winzer, die - wer weiß, woher - das Privileg hatten, Wein im Keller machen zu dürfen. Und wenn ich zu meinen Klassenkameraden nach Hause kam, standen da überall in der Küche gärende Ballons. Da war Obstler drin, mit Primasprit aufgebessert, oder eben Wein. Richtige Weingüter gab es ja nur einige in Meißen und das Staatsweingut Schloss Wackerbarth.

Hatten Ihre Eltern auch einen Ballon?

Nee, ein Fass. Da habe ich als Kind heimlich am Schlauch gezogen und gekostet. Meine Zuneigung zum Wein entstand aber vor allem, weil wir als Kinder schon in den Weinbergen waren, Trauben probierten. Mit elf Jahren schenkten die Eltern meinem Bruder und mir jeweils eine Weinterrasse. Ein geschickter Schachzug. Sie sind alt genug, werden sie gedacht haben, jetzt können sie mitmachen. Wir sind dann auch gleich in den Wettbewerb getreten.

Und, wer hat gewonnen?

Ich hatte die größere, steinigere Terrasse. Da hatte ich mehr zu tun. 1994 gab's meinen ersten eigenen Wein. Da ging gerade die Schule zu Ende. Die Winzer kamen damals in der Hoflößnitz zusammen, ich traf erstmals Klaus Zimmerling. Das war eine feine Welt. Ich hab 250 Mark an einem Tag verdient. Für mich ein Vermögen damals.

Ihr Wein ist heute sicher besser?

Der Wein, der damals in den Familien gemacht wurde, war ein ganz anderer. Heute produzieren wir Wein, von dem wir annehmen, dass er vielen Leuten schmeckt. Deshalb ist es gut, dass es viele Sorten gibt. So kann man sich treu bleiben und sagen: Ich habe ihn gern hergestellt.

Sie haben kürzlich von Landwein auf Qualitätswein umgestellt.

Ich wollte als Winzer der ersten Generation in diesem Gut lange einfach und bescheiden bleiben. Aber dann war ich der Letzte in der Gegend, der Landwein machte. Außerdem gab es eine gesetzliche Bestimmung, dass lieblicher Landwein nicht mehr "sächsischer Landwein" heißen darf. Also habe ich 2013 umgestellt. Jetzt ist es ein Vergnügen für mich, die Lagen auf die Etiketten zu drucken. Wir haben in Radebeul ja interessante Steillagen. Darunter ist der Goldene Wagen, die beste sächsische Lage überhaupt. Hier stellen wir Traditionsweine wie Traminer, Weiß- und Spätburgunder her.

Jetzt gibt's nur noch Qualitätsweine?

Wir bieten neuerdings einen einfachen weißen Wein an. Er begründet die Linie "Genussmensch" und kostet neun Euro. Darüber haben wir die Identitätsweine, die zum Gut klassisch gehören wie Bacchus, Müller-Thurgau, Kerner. Und es gibt die Linie "Tradition" mit dem Goldriesling, dem Traminer und dem Auxerrois, eine Art Weißburgunder.

Auch Proschwitz hat jetzt einen Einsteigerwein.

Zufall. Aber die Zeit ist reif dafür.

Die Winzer verfolgt schon das ganze Jahr der Weinskandal, einige haben sich noch immer nicht offenbart. Klare Frage: Wurden Sie positiv getestet?

Es liegt bei jedem Winzer, ob er sich dazu äußert oder nicht. Irgendwann bleiben ja nur ganz wenige übrig. Ich nehme mich deshalb aus der Diskussion raus. Die Berichterstattung hat die Weinkultur nicht besser gemacht. Interessant ist jetzt, wo das Thema vom Tisch ist ...

Das ist fraglich.

Ja, weiß man nicht. Aber jetzt gibt es schon die Diskussion, wer denn künftig diese Weinkultur finanziert. Ich habe gerade erst in einem Leserbrief gelesen: Hoffentlich erhalten wir uns diese Kulturlandschaften und kommen nicht wieder zu diesem tristen Stillstand wie früher. Deshalb: Die Behandlung des Themas macht doch nichts besser.

Die Medien müssen relevante Themen aufgreifen. Der Weinskandal bewegt viele, die Winzer sowieso. Wenn Sie nichts sagen, könnte der Eindruck entstehen, Sie sind betroffen.

Noch mal: Ich glaube, dass die ständigen Wiederholungen in der Berichterstattung dem regionalen Weinbau und der Wahrheitsfindung nicht gedient haben. Deshalb habe ich mich entschieden, mich nicht zu äußern. Aber betroffen sind wir vom Weinskandal mit unseren Betrieben nicht.

Das ist ein klares Wort. Waren Sie nicht Mitglied im Vorstand des Weinbauverbandes?

Ja, einige Jahre. Ich habe dort die Sorgen der Winzer und des Verbandes besser kennengelernt. Wir haben damals die Verbindung von Wein und Tourismus gefördert. Ich habe aber auch gelernt, dass Winzer keine Medienprofis sind, die gehen lieber in ihren Weinberg.

Ändert sich das nicht gerade? Winzer wie Sie betreiben immer mehr Nebengeschäfte: Veranstaltungen, Gastronomie, Tourismus. Sie werden Manager.

Das ergibt sich aus der finanziellen Notwendigkeit, ja. Aber Winzer sind und bleiben in erster Linie Landwirte. Die meisten haben nach der Wende erst begonnen und viel Idealismus mitgebracht. Der Schritt ins Büro fällt einigen schwer.

Warum haben Sie sich bei Ihren "Nebengeschäften" gerade auf Kunst und Kultur konzentriert?

Nach der Wende begannen die Festspiele auf Schloss Batzdorf. Einige Künstler übernachteten bei uns. Dort gab es schöne, ulkige, für die Kinder herrliche Veranstaltungen. So etwas wollte ich auch. Deshalb gab es lange die Hoftheaternacht, jetzt gibt es die Lange Gartennacht. Wir laden Leute ein, mit denen wir uns verstehen, wie den Schriftsteller Christoph Hein und den Liedermacher Hans-Eckhardt Wenzel.

Hier in der Oberlößnitz gibt es die größte Winzerdichte. Vertragen sie sich?

Ja, sicher. Die Oberlößnitz soll für Besucher noch attraktiver werden. Das geht nur gemeinsam. Dazu trifft man sich auch mal beim Wein. Aber, wie ich finde, zu selten.

Steinmetz im Auftrag des Prinzen

Karl Friedrich Aust (38) ist in seinem heutigen Weingut aufgewachsen, dem Meinholdschen Turmhaus an der Radebeuler Weinbergstraße. Seine Eltern - der Vater war Dresdner Zwingerbaumeister - hatten es erworben, saniert und Weinbau als Hobby betrieben. Aust lernte Steinmetz und Bildhauer in Köln, danach arbeitete er am Coselpalais sowie im Seiffersdorfer Tal und erhielt bei Georg Prinz zur Lippe eine Anstellung, wo er an der Restaurierung des Proschwitzer Schlosses mitwirkte. Nachdem er bereits Wein im Nebenerwerb angebaut hatte, legte er die Prüfung zum Winzergesellen ab. 2001 gründete er sein Weingut, eröffnete fünf Jahre später das Weinrestaurant. Heute ist das Weingut bekannt für Veranstaltungen.

Am 10. und 11. September öffnet Karl Friedrich Aust sein Weingut zu den 1. Sächsischen Winzertagen. Leser können ihm jeweils von 10 bis 17 Uhr einen Besuch abstatten. Führungen durch das Weingut und den Keller werden laufend stattfinden.

Die Adresse des Weinguts Karl Friedrich Aust: Weinbergstraße 10, 01445 Radebeul.

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