Ist Saft gefährlicher als Wein?

Das Gut Pesterwitz produziert Obst und Wein - Der Chef bringt es fertig, fast alle Weine für unter zehn Euro anzubieten - Wie geht das?

In der Serie "Sachsens Winzer" stellt die "Freie Presse" alle zwei Wochen interessante Weingüter vor. Heute das Weingut von Lars Folde, der seinen Wein abseits des Elbtales anbaut. Olaf Kittel sprach mit dem Winzer darüber, warum er günstiger als viele andere sächsische Winzer produzieren kann.

Freie Presse: Herr Folde, Sie sind unter Sachsens Winzern ein besonderer Fall. Ihre Rebflächen liegen abseits des Elbtals, Sie produzieren mehr Obst als Wein, Sie bauen den Wein nicht selbst aus. Fallen Ihnen noch mehr Besonderheiten ein?

Lars Folde: Ja, klar. Wir haben einen Reiterhof. Eine Kuhherde, die wir wegen unserer Wiesen halten. Wir bauen Weihnachtsbäume an und hatten bis 1998 null Ahnung von Weinbau.

Was macht Sie dann zu einem sächsischen Winzer?

Wir haben 8,4 Hektar Rebflächen in einem Stück bei Pesterwitz auf der linken Elbseite. Wir produzieren die charakteristischen Weißweine unserer Region: trocken, fein-rassige Säure, schön fruchtig, jung zu trinken. Wir haben hier einen anderen Boden als im Elbtal. Hier ist sandiger Löß, der sehr fruchtbar und mineralisch ist. Wir versuchen seit fast 20 Jahren, gute Lesen einzufahren und dann lassen wir den Wein bei Georg Prinz zur Lippe und im Weingut Schuh ausbauen. Damit fahren wir sehr gut. Wir denken ähnlich, wir haben viel von diesen Winzern gelernt. So zum Beispiel, dass Erfolg im Weinbau kein Zufall ist. Genaue Planung, hohe Fachkenntnis und viel Fleiß sind die Grundlagen.

In Ihren Regalen stehen fast nur Weine für unter zehn Euro - eine Seltenheit in Sachsen. Wie machen Sie das?

Wir wollen nicht der Billiganbieter sein. Aber wir haben eine für sächsische Verhältnisse große Rebfläche, wir sind nicht allzu bekannt, die Touristenströme kommen nicht über Pesterwitz. Deshalb ist es unser Anspruch, gute Trauben zu produzieren, aus denen die Kellermeister viel herausholen können. Wir wollen den Wein dann so günstig wie möglich anbieten. Zehn Euro ist für uns eine Hemmschwelle, die wir bisher kaum überschritten haben. Im Jahr des Weinskandals erst recht nicht.

Sind Sie vom Weinskandal betroffen?

Nein, und wir hatten bisher keine Absatzprobleme. Wir haben unseren Kunden immer wieder erklärt, dass nicht die Winzer betroffen sind, sondern einige wenige dachten, sie können machen, was sie wollen.

Kann es Sie treffen?

Das darf nicht passieren. Wir tun alles, um Fehler zu verhindern. Wir lassen alles, was verboten ist. Wir handeln nach den Regeln für den kontrollierten, umweltschonenden Wein- und Obstanbau. Wir haben beim Wein noch nie Insektizide eingesetzt, seit diesem Jahr verzichten wir auf Herbizide, auch zunehmend im Obstbau. Doch das macht mehr Arbeit und verursacht Kosten. Unsere Kunden sollen sich aber auf uns verlassen können.

Einige Winzer verweisen darauf, dass der Wein schon stark kontrolliert wird, Apfelsaft aber kaum, obwohl der doch von Kindern getrunken wird.

Apfelsaft wird genauso streng kontrolliert wie der Wein. Ich behaupte sogar, dass beim Obst viel mehr Kontrollen stattfinden, egal ob bei Pflaume, Erdbeere oder Apfel. Da wird oft jede Partie von jedem Anbauer kontrolliert. Das Insektizid Dimethoat ist doch im Weinbau schon immer verboten. Es gilt null Komma null. Punkt. Dann kann ich als Winzer nicht sagen, die Dosis war unschädlich. Klar war die unschädlich. Aber das Zeug war drin.

Ist nun mehr Insektenmittel im Obst als im Wein?

Das glaube ich nicht. Die Obstbauern werden intensiv kontrolliert, es gibt zunehmend Möglichkeiten, auf Insektizide zu verzichten. Es kommen die Lebensmittelüberwachung, die Landesanstalt für Landwirtschaft und der Obstbauverband zu Kontrollen. Die deutschen Lebensmittelgesetze sind vielleicht die härtesten weltweit.

Wie wird man als Ostdeutscher eigentlich Gutsbesitzer?

Indem man viel erbt. Nee, nee, Scherz beiseite. Sachsen hat nach der Wende das Gut gekauft, und wir hatten die Möglichkeit, es zu pachten. Geld hatten wir nicht. Nach und nach haben wir dann Teile gekauft. Heute arbeiten hier 16 fest angestellte Mitarbeiter und 25 Saisonkräfte. Wir haben viel geschafft.

Das Gut wächst und wächst.

Wer einen Hofladen hat, wird von den Kunden getrieben. Wir haben 27 Kirschsorten, 27 Apfelsorten. Das zieht nicht nur sehr schön die Ernte in die Länge, die Kunden haben dann viel Auswahl. Wir bieten jetzt auch Tafeltrauben, auch ein Kundenwunsch. Oder machen die Konfitüre selbst. Mit unseren Weihnachtsbäumen war es ähnlich. So kommt eines zum anderen.

Sie sind auch als Veranstalter in der Region bekannt. Dort gibt es nicht nur Weinfeste, sondern auch Faschings- und Après-Ski-Partys. Was bringt das?

Wir haben enge Kontakte zu vielen Vereinen hier in der Gegend, die sorgen für die Ideen. So ist zum Beispiel der Fasching auf den Hof gekommen. Die Einnahmen hat übrigens der Elferrat, aber wir machen dabei unseren Wein bekannt. Tja, und Pesterwitz hat einen Skiclub, obwohl wir keine Berge haben. Also gibt's auch eine Party. So ist der Hof immer voll. Aber meistens geht es schon um den Wein.

Zum Beispiel?

Unser Herbst- und Weinfest ist ein richtiges Heimatfest. Die Pesterwitzer kommen zusammen und feiern, und jedes Jahr wird das größer. Viele Neu-Pesterwitzer, darunter viele Beamte des Freistaates, Rechtsanwälte und Unternehmer, die hier nach der Wende ihre Häuser bauten, organisieren das Fest mit und sind für uns wichtige Kunden. Manchmal muss ich allerdings überlegen, was ich Kindern erzähle, die bei mir Kirschen klauen. Weil ich ja nicht weiß, wer der Vater ist.

Was bitte ist eine Schlenderweinprobe?

Ich gehe mit Gruppen und einem Glas Wein in der Hand durch den Ort. Man hat schöne Blicke über das Döhlener Becken in das Osterzgebirge, ich erzähle Geschichten über den Weinbau und die Geschichte des Ortes. Der Rundgang endet auf dem Weinberg. Dort stellen wir uns zur Rebe mit dem passenden Wein vom Vorjahr in der Hand. Das ist vor allem im Herbst sehr schön. Spätestens dann werden auch Manager in Lackschuhen ganz locker.

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Der Winzer öffnet am Wochenende sein Weingut

Lars Folde gehört zu den Winzern, die erst spät ihre Leidenschaft für den Wein entdeckt haben. Der 54-Jährige ist studierter Tierwirt und Agrarökonom, hat in den Achtzigerjahren im Gut die Tierproduktion geleitet. Nach der Wende pachtete er mit Rainer Töpolt zusammen das Gut Pesterwitz. 1998 hatte er zunächst 50 Hektar Land durch den Autobahnbau der A17 verloren, konnte dann aber den Weinberg von der Treuhand übernehmen, der einst zu Wackerbarth gehörte. Heute produziert das Gut Pesterwitz Wein und Obst und ist faktisch ein Familienbetrieb. Seine Kinder und ihre Partner sind mit eingestiegen und werden das Gut Pesterwitz eines Tages weiterführen.

Am 27. und 28. August öffnen die meisten Weingüter zwischen Pillnitz und Diesbar-Seußlitz. Auch das Gut Pesterwitz ist ab 10 Uhr dabei.

Pesterwitz ist per Auto gut zu erreichen. Der Ortsteil von Freital grenzt direkt an Dresden und ist auch über die A 17 anzufahren. Parken kann man das Auto im Ort, am Gut direkt stehen allerdings nur wenige Parkplätze zur Verfügung.

Die Adresse des Guts Pesterwitz: An der Winzerei 1b, 01705 Freital. Ein kleiner Spaziergang führt von hier zum Weinberg.

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