Was treibt Wein-Investoren nach Sachsen?

Geschäftsführer Reinhold Zieger spricht im ersten Interview über die Pläne der neuen Meißner Weinbaugesellschaft

Unternehmer aus dem Weinanbaugebiet Saale-Unstrut wollen nun auch in Sachsen Wein produzieren. Zum Jahresanfang gründeten sie die Weinbaugesellschaft Meißen, die nach dem Erwerb von Rebflächen und Keller jetzt das viertgrößte Weingut in Sachsen ist. Die neue Firma tat sich bisher sehr schwer mit Informationen über ihre Pläne. Jetzt gab Geschäftsführer Reinhold Zieger der "Freien Presse" das erste Interview überhaupt - und auch das erst nach einigen Irritationen und gleich zwei Gesprächspartner-Wechseln. Olaf Kittel traf ihn in Zadel. Hier hat die neue Firma dem Prinzen zur Lippe ein Gebäude mit dem Weinkeller abgekauft, gerade werden noch rasch neue Einbauten vorbereitet, damit die aktuelle Ernte eingefahren werden kann.

"Freie Presse": Herr Zieger, die Gründung der Weinbaugesellschaft Meißen ist sicher der Coup des Jahres im Weinland Sachsen. Was, bitte, treibt Investoren von Saale und Unstrut an die Elbe?

Reinhold Zieger: Ganz einfach: Wir wollen hier in diesem eng begrenzten Weinanbaugebiet hohe Qualitäten erzielen zu günstigen Preisen.

Günstig? Für wen?

Die Weine hier werden ja doch für etwas höhere Preise verkauft, die werden anderswo nicht so einfach erzielt. Das ist für Investoren dann schon interessant.

Können Sie verstehen, dass mancher Winzer einen Eroberungsfeldzug aus Sachsen-Anhalt vermutet?

Teilweise. Aber es stimmt so nicht. Zum einen ist einer der Investoren ein waschechter Sachse. Das ist mein Sohn Hans-Albrecht Zieger, er ist Geschäftsführer der Winzervereinigung Freyburg-Unstrut, in der 390 Winzer vereinigt sind. Außerdem ist die Verbindung zwischen den beiden Weinanbaugebieten Sachsen und Sachsen-Anhalt schon immer eng. So gibt es seit einiger Zeit gemeinsame Jungweinproben.

Wer gehört noch zu den Investoren?

Ein Rechtsanwalt aus Halle, der selbst einen kleinen Weinberg betreibt und Mitglied der Winzervereinigung ist. Und ein weiterer Geschäftsmann aus Halle.

Ein weiterer Investor ist schon wieder abgesprungen. Gab es Streit?

Nein, es sind persönliche Gründe, es ist allein seine Entscheidung.

Von Winzern hierzulande ist immer wieder zu hören, dass man in Sachsen mit Wein kein Geld verdienen kann.

Wir wollen zeigen, dass das geht. Es wurden einige Millionen Euro in Technik investiert, um die Weinflächen effektiv bearbeiten zu können. Wir haben keine Steillagen. Wir lassen alles bleiben, was uns die Kosten treiben könnte, wie etwa Gastronomie, ein Laden, ein Erlebnisweingut. Wir wollen einen schlanken Betrieb. So versprechen wir uns eine gute Wirtschaftlichkeit.

Nun wollen Sie nicht kleckern, sondern klotzen. Deshalb haben Sie 35 Hektar erworben und sind damit auf einen Schlag das viertgrößte Weingut in Sachsen, nach der Winzergenossenschaft, Wackerbarth und Proschwitz.

Man braucht eine gewisse Größenordnung, um wirtschaftlich arbeiten zu können und qualifizierte Mitarbeiter zu beschäftigen. Das schafft man nicht mit sechs oder zehn Hektar.

Wie sind Sie an die Flächen gekommen?

Wir haben vom Weingut Schloss Proschwitz nicht nur den Keller gekauft, sondern auch 18 Hektar Weinflächen gepachtet, davon sind drei Hektar noch neu zu bepflanzen. Vom Staatsweingut Schloss Wackerbarth haben wir 11,5 Hektar Rebfläche gekauft. Außerdem hat meine Firma "Baumschulen & Weinbau" in Meißen ihre sechs Hektar an die neue Gesellschaft verpachtet. Ich gebe also nach und nach meine bisherige Firma auf, um mich ganz auf die neue konzentrieren zu können.

Wer macht den Keller?

Jörg Erdmann, ein ausgebildeter Önologe, der zuvor zwei Jahre bei Wackerbarth und sieben Jahre im Landesweingut Kloster Pforta in Sachsen-Anhalt gearbeitet hat. Er ist jetzt einer von sechs angestellten Mitarbeitern. Mehr sollen es auch nicht werden.

Was haben Sie mit den 35 Hektar vor?

Einen kleineren Teil der Trauben werden wir an andere Weingüter in Sachsen verkaufen. Der größere Teil wird hier in Zadel zu Qualitätsweinen verarbeitet.

Unter welcher Marke?

Die ist noch in der Entwicklung. Auf jeden Fall verkaufen wir die Weine als Weinbaugesellschaft Meißen.

Sollen verschiedene Linien entwickelt werden?

Ja, man muss sich differenziert aufstellen. Ein ganzer Teil wird sicher im Einzelhandel verkauft. Aber da gibt es kein fertiges Konzept, wir wollen das am Markt entwickeln.

In Sachsen-Anhalt gibt es Weinlinien, die hier in Sachsen in Supermärkten verkauft werden. Sie sind von guter Qualität, bleiben aber unter den hiesigen Preisen. Geht es in diese Richtung?

Wir werden uns auf jeden Fall an dem Preisniveau orientieren, das hier in Sachsen vorherrscht. Uns interessiert nicht, was in Sachsen-Anhalt passiert. Wir orientieren uns an den Preisen des größten Erzeugers, der Winzergenossenschaft.

Sie wollen also nicht die Preise unterbieten?

Das wäre unsinnig. Wir wollen mit Wein Geld verdienen.

Wollen Sie überregional verkaufen?

Ja. Dabei denken wir mehr an den Osten als an den Westen, aber wir haben schon ganz Deutschland im Blick.

Werden alle Trauben in Zadel verarbeitet oder geht ein Teil nach Sachsen-Anhalt?

Es wird alles hier verarbeitet. Sächsischer Qualitätswein sollte auch in Sachsen gekeltert werden, das ist für uns wichtig.

Ist der Prinz schon ausgezogen?

Dies geschieht nach und nach, nächstes Jahr geht er ganz raus. Aber er behält ja noch die anderen Gebäude in Zadel mit dem Restaurant, den Gästezimmern und dem Laden.

Wann und wo wird es den ersten Wein von Ihnen geben?

Im Frühjahr 2019 sind die ersten Flaschen da. Mehr kann ich dazu noch nicht sagen. Es wird dann eine Verkostung und einen Pressetermin geben.

Was für Weine erzeugen Sie?

Wir wollen uns auf Weißweine konzentrieren. Wir haben die ganze Palette, zehn oder elf Sorten. Ein oder zwei werden wir noch pflanzen.

Wird es ein guter Jahrgang?

Wir gehen davon aus. Der Sommer war diesmal ungewöhnlich sonnenreich und warm. Für andere landwirtschaftliche Kulturen ist das ein viel größeres Problem als für den Wein. Wir erwarten eine qualitativ hochwertige Ernte, die Menge wird wegen des Wassermangels allerdings moderat ausfallen.

Versetzen wir uns drei Jahre weiter ins Jahr 2021. Was muss bis dahin erreicht werden? Was haben die Investoren vorgegeben?

Wir wollen bis dahin schwarze Zahlen schreiben und Gewinn erwirtschaften. Es gibt eine Verantwortung den Investoren gegenüber.

Zehn Prozent Gewinn?

Eine Prognose möchte ich zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht ab- geben.

Reinhold Zieger

Der Geschäftsführer ist Diplom-Gärtner und hat in der DDR die GPG "Blühende Welt" geführt. Nach der Wende gründete er seine Firma "Baumschule und Weinbau", die er seit 27 Jahren als Einzelunternehmer führt. Nun ist er Geschäftsführer der neuen Weinbaugesellschaft Meißen.

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