Chemnitzer Duo auf WM-Kurs

Die Bahnsprinter Stefan Bötticher und Joachim Eilers sind seit Jahren Stützen in der deutschen Auswahl, wobei es auch Rückschläge gab. Ende des Monats steht der Saisonhöhepunkt an.

Chemnitz.

Seit Anfang dieser Woche läuft der Countdown für das Topereignis der Saison. Auf dem überdachten Holzoval in Frankfurt (Oder) bereiten sich Stefan Bötticher und Joachim Eilers gemeinsam mit ihren deutschen Gefährten auf die Bahnrad-WM, die vom 27. Februar bis 3. März im polnischen Pruszków stattfindet, vor. Die endgültige Nominierung der Mannschaft steht zwar noch aus, doch die beiden Spezialisten vom Chemnitzer PSV spielen in den Überlegungen von Bundestrainer Detlef Uibel erneut eine entscheidende Rolle. Das hängt am allerwenigsten damit zusammen, dass die Zahl der Mitbewerber überschaubar ist, sondern vor allem mit der Leistungsstärke der Sachsen.

Stefan Bötticher besitzt dabei sein Ticket bereits, da er als amtierender Europameister im Keirin automatisch gesetzt ist. Bei den European Championships Anfang August 2018 in Glasgow hatte der 26-Jährige mit einem kompletten Medaillensatz (Silber: Keirin; Bronze: Teamsprint) nach langer Leidenszeit wegen verschiedener gesundheitlicher Probleme ein sensationelles Comeback gefeiert. Zu gern möchte er beim Saisonhöhepunkt daran anknüpfen. "Die EM gab mir viel Rückenwind und Sicherheit, zumal ich mit diesen Ergebnissen nicht rechnen konnte", wertet Stefan Bötticher aus heutiger Sicht. Er musste zwar im Herbst nochmals wegen einer Pilzinfektion drei Wochen pausieren, sodass er auch bei den Weltcups in den Einzeldisziplinen nicht glänzen konnte.

Doch seit Beginn des neuen Jahres läuft es bis jetzt nach seinen Worten reibungslos. "Ich habe während des Lehrganges in Kapstadt ein fettes Pensum absolviert, oft mehr Einheiten als geplant absolviert. Ich bin mit dem jetzigen Stand vollkommen zufrieden, fühle mich gut und fit", versprühte der Chemnitzer Zuversicht. Dabei ist er auch unheimlich froh, dass ihn derzeit gesundheitliche Dinge nicht belasten. Probleme im Knie, im Rücken oder im Oberschenkel hatten zurückliegend immer wieder für Zwangspausen gesorgt. Während der teils langwierigen Heilungsprozesse kam er auch mit der Neuro- athletik in Kontakt. Diese speziellen Übungen halfen nicht nur bei der Genesung: "Mit ihnen bin ich aus dem Loch rausgekommen." Sie sind längst fester Bestandteil seines täglichen Programms, vor allem bei der Vor- und Nachbereitung der Trainings- und Wettkampfeinheiten. Rund zehn Stunden pro Woche widmet er sich diesem Gebiet, auf das er nicht mehr verzichten möchte.

Wenn er weiter optimal trainieren kann, hofft Stefan Bötticher wieder auf Ränge im Spitzenfeld. Als zweifacher Weltmeister von 2013 (Sprint, Teamsprint) holte er 2014 Silber (Sprint). Doch seither durfte er bei den Siegerehrungen nur zuschauen, 2016 und 2017 gehörte er nicht zum Starterfeld. Vor Jahresfrist bei der WM in Apeldoorn kam er nur einmal im Teamsprint zum Einsatz. Für die klassische Disziplin konnte er sich aufgrund seiner Abstinenz nicht qualifizieren. Den Antrag auf eine Sonderregelung, die zuvor schon anderen internationalen Topfahrern gewährt wurde, lehnte der Weltverband damals ab.

Auch Vereinsgefährte Joachim Eilers besitzt nicht die besten Erinnerungen an die WM in den Niederlanden. Bis zum Start hatte er sich damals in der Form seines Lebens gefühlt. Doch dann plagte er sich während der Wettkampftage mit einer Viruserkrankung herum, sodass er nicht sein eigentliches Leistungsvermögen abrufen konnte. Am Abschlusstag musste er sogar kurzfristig in seiner Spezialdisziplin 1000-m-Zeitfahren passen. In dieser hatte er bis dahin bereits einen Titel (2016) sowie zweimal Silber (2014; 2015) und einmal Bronze (2013) erkämpft. "Natürlich ist auch dieses Mal eine Medaille wieder mein Ziel. Ich liege im Plan, wobei die Konkurrenz zugelegt hat", meinte der 28-Jährige.

Er konnte zwar zuletzt nicht alle Trainingsinhalte wegen muskulärer Probleme vollständig absolvieren. Doch das EM-Silber und vor allem der Weltcupsieg auf dieser Distanz Anfang Dezember in Berlin geben ihm Selbstvertrauen. Vorgesehen ist zudem, dass er im Teamsprint sowie im Keirin - im sogenannten Kampfsprint war er 2016 Weltmeister - an den Start geht. "Das sind dann bei der WM drei echt harte Tage. Wir werden in der Vorbereitung sehen, ob wir etwas reduzieren", blickte der Chemnitzer, der in Polen mit der zehnten WM-Teilnahme ein Jubiläum feiert, voraus.

Er hofft dabei sehnlich, dass er bis dahin nicht erneut eine Erkrankung erleidet. Denn mit Infekten oder Ähnlichem hatte er schon mehrfach zu tun. Deshalb schenkt Joachim Eilers, der gern selbst kocht, inzwischen seiner Ernährung noch intensivere Beachtung. So schwört er auf spezielle Nähr- und Energiestoffe. Er spürt, dass sein Immunsystem deshalb nicht mehr so anfällig ist.

Die Chemnitzer Asse suchen also nicht nur auf dem Rad, sondern auch im Umfeld ständig nach Reserven, um sich zu verbessern. Man darf auf die WM gespannt sein ...

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